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ZDFzoom: Interna - Deutsche Bank - Gigant ohne Zukunft?

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Im Herbst 2016 stand die Deutsche Bank am Abgrund. Der Börsenkurs war historisch niedrig, Gerüchte von einer bevorstehenden Pleite machten die Runde.

Eigentlich hat der neue Vorstand der Deutschen Bank ein klares Ziel, so sagt der neue stellvertretender Vorstandsvorsitzender Markus Schenck: "Wir wollen möglichst schnell die Vergangenheit hinter uns bringen, damit wir auch endlich mal anfangen können, uns mit der Zukunft zu beschäftigen." Er ist einer von vier Mitgliedern des Vorstandes, die #ZDFzoom in bislang nie gekannter Offenheit für Interviews und kritische Fragen zur Verfügung standen.

Rechtsstreitigkeiten belasten die Bank

Um die Zukunft soll es vor allem bei der Hauptversammlung an diesem Donnerstag in Frankfurt gehen. Doch noch immer muss sich die Rechtsabteilung mit 8.000 offenen Fällen beschäftigen, 7.000 davon im Privatkundenbereich. Fünfzehn der Verfahren sind nach Angaben der Deutschen Bank sogenannte "Hochrisikofälle", die der Bank viel Geld oder Reputation kosten könnten. Oder im schlimmsten Fall beides.

Noch immer droht der meiste Ärger wegen der Manipulation des Libor-Zinssatzes. Die US-Generalstaatsanwälte haben eine Libor-Sonderkommission gebildet. Im Sommer reicht die Kanzlei Hausfeld, die schon VW zugesetzt hat, eine große Schadensersatzklage in London ein.

Vorwürfe von Manipulation bis Geldwäsche

Doch damit nicht genug, es werden neue, brisante Fälle hinkommen: Eine New Yorker Kanzlei, die der Bank bereits weit über zwei Milliarden Dollar an Zahlungen gekostet hat, kündigt ebenfalls eine weitere "große Klage" an, bei der es sich um einen anderen Manipulationsfall handeln soll, deren Details sie noch geheim hält. Bereits eingereicht ist eine große Klage in Sachen Manipulation des Staatsanleihen-Marktes, der ein Volumen von neun Billionen Dollar hat und die keinesfalls auf die Finanzkrise beschränkt war - bis 2015 sollen sich die Betrügereien hingezogen haben. Zudem, ebenfalls bedrohlich für die Deutsche Bank, ermittelt das FBI noch immer gegen die Bank, weil Angestellte der Bank in Moskau russischen Kunden geholfen haben, Geld zu waschen.

Der neue Vorstand versucht unter diesem starken Druck reinen Tisch zu machen, findet deutliche Worte über die Zeit der Skandale. So sagt Christian Sewing, ebenfalls seit kurzem stellvertretender Vorstandsvorsitzender: "Es waren mit Sicherheit in der Deutschen Bank einige, die nicht ehrbare Kaufleute sind, sonst wären wir nicht dort, wo wir gelandet sind."

Einfluss ausländischer Investoren steigt

Inzwischen ist die Bank so ausgezehrt von den vielen Strafzahlungen, dass man zunehmend Kapital von ausländischen Großinvestoren aus Katar und China akzeptieren muss. Der Einfluss dieser externen Investoren wird immer größer.

Bitter ist diese Endabrechnung der Zeit ab 2006, die einmal als das goldene Zeitalter der Bank galt. Von 2006 bis 2016 hat die Bank 24,7 Milliarden Euro Vorsteuergewinn erwirtschaftet. Inzwischen hat sie nach eigenen Angaben bereits 15 Milliarden an Strafen gezahlt. Bleibt ein Gewinn von gerade mal 9,9 Milliarden für elf ganze Jahre. Zum Vergleich: Die große US-Bank JP Morgen hat allein 2016 einen Gewinn von 25 Milliarden Dollar eingefahren.

Milliarden an Bonuszahlungen an Banker

Das Team von ZDFzoom hat errechnet, dass die Manager, Händler und der Vorstand in der Zeit zwischen 2006 und 2016 mindestens 35 Milliarden Euro an Bonus-Zahlungen erhalten haben. Die Deutsche Bank dazu: "Ihre Berechnungen zu Bonuszahlungen in der Zeit sind nachvollziehbar." Die Gewinner waren also nicht die Aktionäre oder Investoren, sondern einzig die Banker selber.

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