Gewinner und Verlierer im Spiel der Mächtigen

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Zocken mit Zöllen - Gewinner und Verlierer im Spiel der Mächtigen

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"America first" und Strafzölle gegen China oder Deutschland: US-Präsident Trump stellt die Regeln des Freihandels auf den Kopf - mit Folgen für das westafrikanische Ghana.

Straßenszene in Accra, Ghana
Längst tobt der Handelskrieg auch in Afrika. Die USA und China wollen ihre Handelsmacht ausbauen. Auch in Ghana, an der so genannten Goldküste.
Quelle: ZDF / Ulf Behrens

Stets hieß es, der globale Handel sei ein Gewinn für alle. "Afrika bietet großartiges Wachstum - so viele meiner Freunde gehen dorthin, um reich zu werden", sagt US-Präsident Donald Trump. Und auch China und die EU - und damit Deutschland - wittern Chancen. Doch spätestens seit Trump offen nach dem Gesetz des Stärkeren spielt, hat sich etwas verändert. Auch im westafrikanischen Ghana.

Frische Tomaten zu einem guten Preis

In der Hauptstadt Accra legen frühmorgens auf dem Markt die Tomaten-Königinnen den Preis fest, zu dem die Tomaten verkauft werden. "Wir kennen uns hier alle, alle Frauen wollen etwas verdienen. Deswegen soll keine ihre Tomaten zu billig anbieten. Die Tomaten sind zwar sehr gut, aber die halten sich nicht so lange in der Sonne", sagen sie. Gerade jetzt, in der Trockenzeit kommen die Tomaten aus dem weit entfernten Norden - das treibt die Transportkosten in die Höhe. 

Tomaten aus Italien werden von der Europäischen Kommission stark subventioniert. Und auch die staatliche Unterstützung für chinesische Tomaten ist enorm
Kwabena Otoo, Handelsexperte in Ghana

Steigende Preise sind schlecht für das Geschäft: Die Tomaten-Königinnen können noch weniger als ohnehin schon mithalten mit dem billigen Import-Tomatenmark, das es hier an jeder Ecke gibt. Immer häufiger bleiben die frischen Ghana-Tomaten liegen. "Tomaten aus Italien werden von der Europäischen Kommission stark subventioniert. Und auch die staatliche Unterstützung für chinesische Tomaten ist enorm", beklagt der ghanaische Handelsexperte Kwabena Otoo.

Zweitgrößter Kakao-Produzent der Welt

Ich bin nicht sicher, ob mein Vater bis zu seinem Tod ein einziges Mal Schokolade probiert hat, obwohl er große Mengen Kakao produzierte.
Kwabena Otoo, Handelsexperte in Ghana

Neben Tomaten setzen Ghanas Landwirte vor allem auf Kakao. Das Land ist der zweitgrößte Kakao-Produzent der Welt. Doch der Gewinn damit wird im Ausland gemacht - bei der Verarbeitung zu Schokolade. "Man muss sich schon sehr bemühen, hier Schokolade zu finden - anders als in Deutschland, wo sie zwar gar keinen Kakao herstellen, sich aber überall Schokolade finden lässt", sagt Otoo. Es gäbe in Ghana viele Kakao-Bauern, die noch nie Schokolade probiert hätten: "Und ich bin nicht sicher, ob mein Vater bis zu seinem Tod ein einziges Mal Schokolade probiert hat, obwohl er große Mengen Kakao produzierte."

Doch warum kann man in Ghana keine Schokolade herstellen und dann nach Deutschland und Europa exportieren? "Das liegt an der Zollpolitik. Bei Schokolade handelt es sich um verarbeiteten Kakao, der nach dem Cotonou-Abkommen und nicht zollfrei exportiert werden kann. Einmal mit einer hohen Menge Zucker verarbeitet, fällt der Kakao in einen höheren Zoll-Tarif. Das nennt man Zoll-Eskalation", erklärt Otoo.

Das Zocken mit Zöllen ist neu

Diese Zoll-Eskalation, dieses Zocken mit Zöllen, ist neu. Lange durfte sich Ghana vor Billig-Importen wie den Tomatenpasten schützen und selbst zollfrei exportieren. Doch mit den jüngsten Freihandels-Abkommen stellte die EU Forderungen: Ghana musste seine Zölle fallen lassen, wenn es weiter Kakao exportieren wollte.

Da wurde erheblicher Druck ausgeübt, verbunden mit der Warnung, dass - wenn die armen Länder nicht bereit seien zum Verhandeln und Ratifizieren der Verträge - sie ihren Marktzugang in die Europäische Union verlieren würden.
Kwabena Otoo

Gab es Druck von Seiten der EU bei den Verhandlungen? Kwabena Otoo berichtet: "Da wurde erheblicher Druck ausgeübt, verbunden mit der Warnung, dass - wenn die armen Länder nicht bereit seien zum Verhandeln und Ratifizieren der Verträge - sie ihren Marktzugang in die Europäische Union verlieren würden. Und wenn man sich diesen Gang der Verhandlungen anschaut, konnte man klar sehen, dass das eine Deutschland- und Europa-First-Politik war, mit eindeutigen Interessen. Jeder hat sich so benommen wie in der Vergangenheit Mister Trump, allerdings ohne zu sagen, was Mister Trump eben aussprach."

Starke Handelsnationen machen Druck auf die Schwachen

America first, Europa first, Deutschland first: Beim Zocken mit Zöllen sind sich Handelsnationen im Zweifelsfall selbst die nächsten - auch wenn sie das Spiel vielleicht weniger lautstark betreiben als der US-Präsident. Sie setzen die unter Druck, die im weltweiten Handel nicht so mächtig sind.

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