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ZDFzoom: Hetze im Netz - Mächtige Täter, hilflose Opfer?

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Ein Riss geht durch Deutschland. Wenn Menschen mit unterschiedlichen Meinungen aufeinander treffen, ist Reden kaum noch möglich. Und im Netz wird erst recht gelogen und gehetzt.

Regina und Philipp
Opfer von Hass im Netz: Regina und Philipp
Quelle: ZDF

Das Netz erscheint als rechtsfreier Raum. Versteckt hinter Nicknames oder offen unter dem eigenen Namen werden Menschen verbal fertig gemacht: Politiker, Andersgläubige, unbeliebte Mitschüler oder der eigene Nachbar. Viele Posts sind geschmacklos, etliche auch strafbar.  

Wenn man unvorbereitet zur Zielscheibe wird

Regina und Philipp sind beide Deutsche, hier geboren und aufgewachsen, seit fünf Jahren ein Paar. Für einen Fotografen haben sie Modell gestanden. Das Foto zeigt das junge Paar beim Betrachten eines Ultraschallbildes. Eine Krankenkasse wählt das Bild aus einer Fotodatenbank für eine bundesweite Kampagne aus. Darauf zu sehen: Regina, eine weiße Frau und Philipp, ein Schwarzer, die ein Kind erwarten. Das Motiv löst im Internet einen "Shitstorm" aus. Unvorbereitet erlebt das Paar, wie ihr Bild im Internet mit immer neuen Hasskommentaren versehen wird. Phillip versucht, mit den Kommentatoren ins Gespräch zu kommen. Doch eine sachliche Auseinandersetzung ist schwierig.

So reflektiert wie Philip konnte Joel nicht mit dem Online-Mobbing umgehen. Denn Joel war erst 13 Jahre alt, als er auf seiner Facebook-Seite als "arschgefickter Homo" bezeichnet wird, dazu pornografische Bilder von Männern beim Sex. Die Hassposts waren für alle Mitschüler sichtbar. Joel nahm sich daraufhin das Leben, weil er im Netz zur Zielscheibe geworden war. Seine Mutter kämpft seitdem gegen Mobbing, Hass und Hetze im Netz. Und hat viel erreicht: Seit 2016 steht Cybermobbing in Österreich unter Strafe und wird mit Freiheitsentzug zwischen einem und drei Jahren geahndet.

Die Gesellschaft ist gespalten

Eine vergleichbare Rechtsprechung gibt es in Deutschland nicht, sehr wohl aber die gleichen Probleme. Das Bundeskriminalamt zählte 2014 rund 1.100 Straftaten als Hasskriminalität im Netz. 2015 stieg die Zahl auf ca. 3.000 und blieb 2016 fast konstant. Seit 2002 erforscht Andreas Zick am Bielefelder Institut für Konflikt- und Gewaltforschung das Klima in Deutschland. Sein Fazit: "Wenn man sich die Einstellung zur Demokratie und zu gesellschaftlichen Minderheiten in den letzten fünf Jahren anguckt, dann ist dieses Land erst zerrissen gewesen und mittlerweile ist es gespalten." Das Internet spiele dabei eine wichtige Rolle. Es mache die Spaltung der Gesellschaft sichtbar und beschleunige sie. Wer einmal in der Filterblase der eigenen Weltsicht lande, lasse andere Meinungen nicht mehr gelten.

Reinhard G. ist einer von ihnen. Der frühere CDU-Wähler fühlt sich von der Regierung verraten, sieht sich und Deutschland in Gefahr. In Medien, Justiz und Politik hat er kein Vertrauen mehr. Die größte Bedrohung aber sieht er im Islam. Für ihn keine Religion, sondern eine Ideologie. Mit brutalen Bildern und radikalen Aussagen will er im Netz davor warnen.

#ichbinhier - aktiv gegen Hetze im Netz

Es gibt auch Gegenbewegungen zum Hass im Netz. Auf der Plattform Dislike machen sich Prominente über ihre Beleidiger und die Absurdität ihrer Äußerungen lustig. Hannes Ley gründete die Facebook Gruppe #ichbinhier. Die Idee kommt ursprünglich aus Schweden. Wenn in einer öffentlichen Kommentarspalte der Hass hochkocht, posten Mitglieder sachliche Kommentare und zeigen: Es gibt auch andere Meinungen. So gelingt es ihnen immer wieder, den Ton in den Kommentarspalten zu mäßigen und den "Hatern" nicht den öffentlichen Raum zu überlassen. Rund 38.000 Mitglieder hat die Seite inzwischen. Und es werden mehr.

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