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ZDFzoom - Wer bändigt die Immobiliengiganten?

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Die Gewinne der großen deutschen Immobilienkonzerne steigen immer weiter an. Gleichzeitig gehen Menschen auf die Straße, um gegen Mietsteigerungen und Wohnungsnot zu protestieren.

Hinterhof
Oft steigt durch Modernisierungen die Miete sprunghaft an.
Quelle: ZDF

Am Wochenende wurden in der Hauptstadt illegal Wohnungen besetzt und wieder geräumt, auf einer Mieterdemonstration kürzlich in Berlin planten die Veranstalter mit bis zu 4.000 Demonstranten, es kamen 25.000. Viele Bewohner könnten die weiter steigenden Mieten einfach nicht mehr bezahlen, sagen die Mietervertreter: Sie fürchteten ihre Vertreibung. "Es wird zu Unruhen kommen, wenn nicht bald etwas passiert", resümiert Wibke Werner vom Berliner Mieterverein.

Modernisierungen sind besonders lukrativ

Erwirtschaften die börsennotierten Wohnungsunternehmen ihre traumhaften Gewinne tatsächlich auf Kosten der Mieter? Besonders lukrativ für die Immobiliengiganten sind die Modernisierungen der Wohnungen. Im Gegensatz zu normalen Instandhaltungen, die der Vermieter zum Erhalt seiner vermieteten Wohnungen bezahlen muss, kann er Modernisierungen komplett auf die Miete umlegen: Wärmedämmung an der Außenfassade oder Fenster mit Mehrfachverglasung zur Energieeinsparung, neue Balkone oder Fahrstühle zur Wohnwertverbesserung. Jedes Jahr können elf Prozent dieser Kosten auf die Kaltmiete aufgeschlagen werden. 

Steigende Mieten und gleichzeitig wachsende Gewinne bei großen Immobilienkonzernen: Immer mehr Mieter machen ihrem Unmut Luft, jüngst protestierten 25 000 Menschen in Berlin.

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29 min
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"Während reguläre Mieterhöhungen durch Mietspiegel und Mietpreisbremse gedeckelt sind, greift die Modernisierungsumlage sofort. Die Miete steigt sprunghaft an", erklärt Wibke Werner vom Berliner Mieterverein. Ein Beispiel: Kostet die Modernisierung einer Wohnung 20.000 Euro, so darf der Vermieter pro Jahr 2.200 Euro auf die Miete aufschlagen – eben die gesetzlich festgelegten elf Prozent. Das bedeutet für den Mieter: 183 Euro monatlicher Aufschlag auf die Kaltmiete. Eine Obergrenze für Investitionen gibt es nicht.

Wer nicht zahlen kann, kann ausziehen

Die Rendite, die die Modernisierungen bei der Vonovia abwerfen, liegt bei sieben Prozent. Ein hervorragender Wert, allein wenn man an die niedrigen Zinsen für die normalen Sparer denkt. Bezahlen müssen es vor allem die Mieter: "Meine Miete steigt um 200 Euro, das kann ich nicht bezahlen", sagt uns eine 85-jährige Mieterin. Sie könne ausziehen, hat ihr die Vonovia vorgeschlagen, als sie einen Härtefallantrag gestellt hatte. Sie wohnt seit 54 Jahren in ihrer Wohnung. Normale Instandhaltungen, für die allein die Vermieter zuständig sind und die sie bezahlen müssen - wie kaputte Fenster und Türen, feuchte Räume und Schimmel - würden immer mehr vernachlässigt, beklagen viele Mieter: schwere Vorwürfe.

Was sagen die betroffenen Immobilienkonzerne dazu? Die Deutsche Wohnen antwortet schriftlich: Die Vorwürfe seien nicht nachvollziehbar. Mehrfach fragen wir auch die Vonovia für ein Interview an. Immer Absagen. Am Rande der Aktionärsversammlung erklärt dann doch noch die Pressesprecherin Nina Henckel: "Wenn es solche Aussagen gegeben hat, dann kann ich das nur bedauern und dann bedaure ich das auch, aber natürlich kümmern wir uns darum, selbstverständlich."

 "Modernisierungsumlage ist eine Lizenz zum Gelddrucken"

Leichter als mit der Modernisierungsumlage könne man das Geld nicht verdienen, meint einer der renommiertesten Experten für Immobilienwirtschaft, Stefan Kofner, Professor an der Hochschule Zittau-Görlitz: "Das ist eine massive Umverteilung. Man nimmt es den Mietern weg und das Unternehmen leitet es dann sozusagen an die Aktionäre durch. Für die Wohnungsunternehmen ist es wie eine Lizenz zum Gelddrucken." Gesetzlich sei das alles erlaubt, der Dumme sei der Mieter.

Im neuen Koalitionsvertrag will die Regierung die Modernisierungsumlage auf acht Prozent begrenzen, außerdem sollen nie mehr als drei Euro pro Quadratmeter für Modernisierungen auf die Miete aufgeschlagen werden können. Mietervertreter und Experten fordern dagegen eine wesentlich stärkere Absenkung, weil immer mehr Mieter durch die Modernisierungsumlage aus ihren angestammten Quartieren verdrängt würden.

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