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ZDFzoom-Doku - Das Lkw-Problem: Laut, schmutzig, gefährlich

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Sommerzeit, Urlaubszeit - und Deutschland kommt dem Verkehrsinfarkt immer näher. Ein wichtiger Grund: Immer mehr Güter werden per Lkw transportiert. Die Folgen für Mensch, Natur und Infrastruktur sind teils fatal.

Deutschland kommt dem Verkehrsinfarkt immer näher. Ein wichtiger Grund: Immer mehr Güter werden per LKW transportiert. Mit zum Teil fatalen Folgen für Mensch, Natur und Infrastruktur.

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Endlose Staus und schwere Unfälle mit Lkw-Beteiligung gehören inzwischen zum Verkehrsalltag. Einer der Gründe liegt in der Verkehrspolitik von Peter Ramsauer (CSU). Der damalige Bundesverkehrsminister präsentierte 2010 seinen Aktionsplan Güterverkehr und Logistik. Inhaltlich verwarf er damit die Grundidee seines Vorgängers Wolfgang Tiefensee (SPD), die Schiene zu stärken - was Tiefensee gerade einmal zwei Jahre zuvor in seinem Masterplan Güterverkehr und Logistik versprochen hatte.

Schiene wird teuer, Straße immer billiger

Ramsauer hingegen sprach von einer ideologischen Verteufelung und Stigmatisierung der Straße durch die rot-grüne Vorgänger-Regierung. In der Folge stiegen die Preise für die Benutzung des Schienennetzes von 2010 bis 2015 um 13 Prozent. Im gleichen Zeitraum wurde die Lkw-Maut um 16 Prozent gesenkt. Das sogenannte Maut-Moratorium war sogar Teil der Koalitionsvereinbarung zwischen CDU/CSU und FDP.

Da der Lkw nun noch günstiger war als die Bahn, wanderten die Güter auf die Straße. Die Schienengüter-Sparte der Deutschen Bahn hatte das Nachsehen. In der Folge wurden zahlreiche Güterbahnhöfe geschlossen. Allein im Jahr 2016 waren es 173 Stück. Gleichzeitig wuchs die Menge der transportierten Güter auf der Straße weiter an: 2015 waren es 3,5 Milliarden Tonnen - doppelt so viele wie 1965.

29.000 Lkw-Unfälle im vergangenen Jahr

Wo immer mehr Lkw unterwegs sind, gibt es auch immer mehr Unfälle - meist zum Schaden der Pkw-Fahrer. Allein im Jahr 2016 gab es 29.000 Unfälle mit Lkw, fast zwei Drittel wurden von Lkw-Fahrern verursacht. Die Polizei kontrolliert Fahrer und Fahrzeuge deshalb gezielt auf Sicherheit und Einhaltung von Ruhezeiten. Doch reicht das, um die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten?

Wie Ruhezeiten bewusst umgangen werden, weiß ein Trucker aus eigener Erfahrung. So beschäftigen zum Beispiel viele Discounter in ihren Zentrallagern keine eigenen Mitarbeiter, um ankommende Lkw zu entladen. Diese Arbeit wird von den Fahrern erwartet. Lkw-Fahrer müssen nach mehreren Stunden hinter dem Steuer eigentlich eine Pause einlegen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Dafür bleibt aber oft keine Zeit. Damit das nicht auffällt, stellen die Fahrer während der Abladezeit ihren Fahrtenschreiber häufig auf Pause. Bei einer Kontrolle fällt das nicht auf.

Ostdeutsche Speditionen unterlaufen den Mindestlohn

Dazu kommt der Preisdruck am Markt. Die Speditionen unterbieten sich gegenseitig bei den Preisen, besonders osteuropäische Firmen drücken das Lohnniveau ihrer Fahrer. Auch ausländische Fahrer müssen den deutschen Mindestlohn erhalten, wenn sie in Deutschland Waren be- oder entladen. Doch es ist ein offenes Geheimnis in der Branche, dass das oft nicht passiert.

Trucker und Gewerkschaften prangern diese Umgehung des Mindestlohns sowie die mangelnden Kontrollen des Zolls seit Jahren an. Würde die "Finanzkontrolle Schwarzarbeit" mehr auf die Einhaltung des Mindestlohngesetzes achten, könnte das Problem der Niedriglöhne entschärft werden. Laut einem Insider sind aber gerade bei der "Finanzkontrolle Schwarzarbeit" des Zolls Stellen seit Jahren unbesetzt.

Vorbild Österreich: Effiziente Kontrollstellen

Wie effizienter kontrolliert und der Schienenverkehr gestärkt werden könnte, zeigt das Beispiel Österreich. Die Alpenrepublik hat mehrere feste Kontrollstellen für Lkw eingeführt. Die Fahrer müssen ihren Brummi durch diese Kontrollstellen steuern. Kontrolliert werden Fahrer und Fahrzeug. Zusätzlich sind im Inn-Tal einige Güter für den Transport auf der Straße verboten - insbesondere nichtverderbliche Güter müssen auf der Schiene transportiert werden. Damit dies reibungslos funktioniert, investiert Österreich ordentlich: 210 Euro pro Einwohner im Jahr 2014. Zum Vergleich: Deutschland investierte für sein Schienennetz gerade mal 49 Euro pro Einwohner.

Vor wenigen Tagen hat Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mit einem Strategiepapier reagiert: Mit dem "Masterplan Güterverkehr" will er die Bahn stärken. Dafür sollen 350 Millionen Euro investiert, die Trassengebühren um fast die Hälfte gesenkt werden. Ob es noch zu einer Umsetzung in dieser Legislaturperiode kommt, ist fraglich. Es wird also an der neuen Bundesregierung sein, ihre Vision zum Warentransport zu verwirklichen. Ob Dobrindts Masterplan dann weiter Bestand haben wird, muss sich zeigen.

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