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ZDFzoom - Einwanderungsgesetz gegen Fachkräftenot?

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Wirtschaftsvertreter schlagen Alarm: In Deutschland fehlen nicht nur IT-Spezialisten, sondern auch viele andere Fachkräfte. Könnte ein klares Einwanderungsgesetz die Lösung sein?

Der Inder Rohit Parsai kam mit der sogenannten „blue card“ nach Deutschland.
Der Inder Rohit Parsai kam mit der sogenannten "Blue Card" nach Deutschland . Quelle: ZDF/ Michael Donnerhak

Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt, sagen Personalchefs und Firmeninhaber, doch Deutschland macht es Fachkräften außerhalb der EU nicht leicht, bei uns Fuß zu fassen. Hochqualifizierte IT-Entwickler etwa, die mit einer sogenannten Blue Card kommen wollen, stehen vor vielen Hürden.

Autorin Rita Knobel-Ulrich (l.) begleitet einen UNHCR-Mitarbeiter, der prüft, welche Flüchtlinge nach Kanada ausreisen dürfen.
Autorin Rita Knobel-Ulrich (l.) im Flüchtlingscamp in Jordanien Quelle: ZDF / Michael Donnerhak

Bewerber müssen einen Hochschulabschluss vorweisen, einen Arbeitsvertrag mit einem Jahresgehalt von fast 51.000 Euro (bei Mangelberufen etwa 40.000 Euro) und sogar einen Mietvertrag für eine Wohnung.

Arbeitgeber beklagen die Bürokratie: Denn bevor sich Chef und Angestellter überhaupt persönlich kennengelernt haben, muss der Arbeitsvertrag ausgestellt sein, die Wohnung angemietet werden. Das Ganze sei ein bürokratisches Monster.

Aus der "Schublade Asyl" zum qualifizierten Einwanderer?

Viele Betriebe freuen sich in dieser Lage über ausbildungs- und arbeitswillige Asylbewerber. Der Chef des ifo-Instituts, Clemens Fuest, ermuntert dazu, Asylbewerbern eine Alternative zu bieten. Sie müssten aus der "Schublade Asyl" heraus und eine Möglichkeit erhalten, als Fachkräfte zuzuwandern, fordert Fuest. Doch Deutschland hält unverdrossen fest an der strikten Trennung von Arbeitsmigration und Asylverfahren.

Zahnarzt Matthias Ullrich hat lange gesucht, bis er endlich einen Lehrling fand. Zweieinhalb Jahre hat er einen Asylbewerber aus Afghanistan ausgebildet. Dann wurde dem Azubi die Arbeitserlaubnis entzogen. Der Arzt ist sauer: "Der ist jetzt dazu verdammt, im Asylantenheim zu sitzen, Däumchen zu drehen, nichts zu tun. Und uns wird eine zukünftige Facharbeitskraft genommen, von denen es ja auch damals hieß: Ja, das sind die Fachkräfte von morgen, die da kommen. Aber wir verhindern das bzw. das Amt verhindert das."

Kanada sucht Fachkräfte nach festem Punktesystem

Flüchtlingslager in Jordanien
Flüchtlingslager in Jordanien Quelle: ZDF / Michael Donnerhak

Viele Länder gehen andere Wege: Kanada sucht Fachkräfte nach einem festen Punktesystem aus. "Kanada nimmt nicht jeden", sagt ein junger Einwanderer in Toronto. "Nur qualifizierte Leute." Und seine Kollegin, eine Juristin aus Deutschland, ergänzt: "Je einfacher ich integrierbar bin, desto höher ist meine Punktzahl. Man muss einwandfrei gesund sein, und man darf keine Bürde sei. Also ich wusste von Anfang an: Das brauche ich, um einwandern zu können." Und Kanada sucht nicht nur qualifizierte Einwanderer, sondern auch nach qualifizierten Flüchtlingen - etwa in Lagern in Jordanien: Oft schaffen es gut ausgebildete Familien, die Einreisegenehmigung zu bekommen.

Die deutsche Regierung ist sich in Sachen Einwanderungspolitik nicht einig. Im Koalitionsvertrag gibt es viele Absichtserklärungen. Man wolle ein "Regelwerk" zur Steuerung von Zuwanderung erarbeiten. Doch ob das gelingt, ist fraglich. Zu unterschiedlich sind die Meinungen. Experten sind sich dagegen einig: Wenn Deutschland weiter bei ungeregelter Migration bleibt, werden uns andere Länder beim Kampf um Könner überholen.

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