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ZDFzoom: TEDi und Co - Die dunkle Seite der Billigshops

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Extrem hoher Arbeitsdruck, zahlreiche Überstunden, niedrige Löhne: Mitarbeiter erheben schwere Vorwürfe gegen die Kette TEDi, den Marktführer unter den deutschen Billigshops.

Teils verwirrendes, aber erfolgreiches Angebot: Tedi-Filiale.
Teils verwirrendes, aber erfolgreiches Angebot: Tedi-Filiale.
Quelle: Ina Fassbender/dpa

In den Innenstädten finden sich immer mehr Billigshops. Die Kette Action hat aktuell in Deutschland rund 200 Filialen, Euroshop etwa 300. Klarer Marktführer ist TEDi, mit insgesamt 1.800 Läden - und jede Woche eröffnet der Non-Food-Discounter, wie es im Fachjargon heißt, rund drei neue Filialen. So auch Anfang April mitten in der Dortmunder Fußgängerzone. In einem Laden gibt es rund 4.000 verschiedene Artikel, von Badeschlappen bis zum Gartenstuhl ist hier so ziemlich alles zu haben. Vieles kostet gerade mal einen oder zwei Euro.

Mitarbeiter beklagen hohe Arbeitsbelastung

Die günstigen Preise gehen aber offenbar auch zu Lasten der Mitarbeiter. Der ehemalige Bezirksleiter Thomas Rommert (Name von der Redaktion geändert) hatte mehr als zehn Filialen unter sich. Im Interview mit ZDFzoom schildert er seine Eindrücke von der Arbeit bei TEDi: "Die Arbeitsbelastung war sehr hoch. 12-Stunden-Tage im Regelfall", so Rommert. "Letztendlich haben Sie fast eine Sechs-Tage-Woche. Es gibt auch Kollegen, die machen sonntags noch Arbeiten. Die arbeiten dann sieben Tage die Woche. Das ist auch nicht ungewöhnlich." Mehrere Bezirksleiter schildern ähnliches. TEDi weist die Kritik zurück und spricht von Einzelfällen. Die Gründe dafür lägen auch "subjektiv in der Person des jeweiligen Arbeitnehmers".

Andere Mitarbeiter berichten, Teilzeitkräfte mit regulär bis zu 87 Stunden im Monat sammelten in der Regel 20 bis 30 Überstunden an, in Einzelfällen sogar mehr als 60 Überstunden. TEDi verweist darauf, dass sich das Unternehmen jederzeit an das Arbeitszeitgesetz halte. Und dass Überstunden bei Teilzeitkräften bezahlt würden. Viele Mitarbeiter beschweren sich auch über die Entlohnung, die nach Einschätzung von Experten weit unter Tarif liegt. TEDi schreibt: Man sei dem Tarifvertrag nicht beigetreten, da sich dieser "vornehmlich an Arbeitnehmer im Einzelhandel mit anders gearteten Tätigkeiten richtet".

Probleme auch im TEDi-Lager

Im TEDi-Zentrallager in Dortmund, das von der TEDi-Tochter "Dortmunder Logistik Gesellschaft" (DLG) betrieben wird, soll ein großer Teil der Belegschaft über Werkverträge eingekauft worden sein. TEDi erklärt dazu, dass die Zahl der Werkvertrags-Mitarbeiter je nach Auftragslage stark variiere. Gewerkschaftssekretär Ortwin Auner berichtet, dass es im Lager zwar einen Betriebsrat gebe, der deutliche Verbesserungen wie beispielsweise höhere Gehälter durchgesetzt habe. Nur: Diese Verbesserungen für die Stammbelegschaft gelten für Subunternehmen meist nicht.

Darin liege auch der Grund für die hohe Zahl an Werkvertraglern, erklärt Auner: "Die Menschen sind in anderen Abhängigkeitsverhältnissen und die Menschen sind auch nicht bereit, für ihre Arbeitsbedingungen zu kämpfen, weil sie per se schon schlechtere Arbeitsbedingungen haben. Sie haben quasi eine Aushöhlung." TEDi hingegen betont, Mitarbeiter auf Werkvertragsbasis profitierten ebenfalls von den Verbesserungen bei der DLG.

Kleine Preise, große Menge

Billigshop- Ketten ordern oftmals in sehr großen Stückzahlen, um die Einkaufspreise zu drücken. Joachim Hurth ist Professor für Handelsbetriebslehre und hat das Geschäftsmodell der Schnäppchenshops analysiert und beschreibt das Discount-Prinzip am Beispiel von Plastikbechern. 100 Stück gibt es bei TEDi für gerade mal einen Euro: "Kleine Preise, große Menge. Also wenn ich davon 100 Stück verkaufe, davon kann kein Mensch leben, aber wenn ich eine Million davon verkaufe, dann wird’s langsam interessant."

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