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Das Drehbuch des Terrors - Wie gefährlich sind Europas Islamisten?

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Das "Muslim Gang Book" des sogenannten Islamischen Staates: Nach ZDF-Recherchen ist die Online-Publikation ein Leitfaden durch die terroristischen Attentate in Europa geworden.

Verweigern Sicherheitsbehörden in Europa den Austausch von Daten über verdächtige Islamisten? Können Terroristen immer noch ungehindert reisen, Netzwerke aufbauen und Anschläge vorbereiten?

Beitragslänge:
3 min
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"Dieses Buch soll Muslimen eine Starthilfe geben, ihre eigenen Banden zu gründen und diese in eine Dschihad-Bewegung zu verwandeln", so beginnt die bereits im Jahr 2015 veröffentliche Publikation des IS. Wer rekrutiert wird, wie rekrutiert wird und wie gemordet wird - all das wird detailliert aufgelistet. Egal ob der Einsatz eines Kraftfahrzeuges als tödliche Waffe, wie in Nizza oder Berlin geschehen, oder der Einsatz von Bombenrucksäcken, wie ihn der Terror-Attentäter von Ansbach genutzt hatte.

Oder ein Kraftfahrzeug gefüllt mit Gasflaschen. Nach exakt dieser Anleitung wollten Anhängerinnen des Islamischen Staates im vergangenen Jahr die Pariser Kathedrale Notre Dame attackieren.

Weg von der Islamistengruppe hin zum Milieu

Die Publikation fordert eine Abkehr von der klassischen und lokalisierbaren Extremistengruppe hin zu einem Milieu. Nach Angaben des Leiters des Verfassungsschutzes in Nordrhein-Westfalen, Burkhard Freier, ist diese Entwicklung im vollen Gang. Die Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden sprächen dafür, "dass es gar nicht mehr darum geht, eine kompakte hierarchische Terrororganisation aufzubauen, sondern eine Bewegung zu installieren, die nur noch über die Ideologie lebt."

Die entsprechenden Anleitungen dafür finden sich im Muslim Gang Book: "Lehre sie, eine echte Gemeinschaft zu werden, in der sich jeder um den anderen kümmert und nützliches Wissen, Ressourcen und Anstrengungen miteinander teilt. Versuche, das Gemeinschaftsgefühl zu erwecken."

Trotz des massiven staatlichen Vorgehens gegen islamistische Zentren schreitet die Entwicklung, wie sie im Pamphlet des IS beschrieben wird, voran. Dabei spielen Frauen in der Salafistenszene eine immer größere Rolle, wie Verfassungsschutzchef Freier sagt: "Frauen prägen seit ungefähr anderthalb Jahren die salafistische Szene in NRW und darüber hinaus sehr stark. Sie sind sowas wie Ideologieproduzenten, die Propaganda des Islamismus wird ganz stark durch Frauen gefördert."

Das Drehbuch des Terrors - die ZDFzoom-Doku im voller Länge.

Beitragslänge:
43 min
Datum:

"Parallelwelt zu unserer Gesellschaft"

Tatsächlich sind allein im Ruhrgebiet 39 Frauen in 21 Städten daran beteiligt, das islamistische Netz in eine Art soziale Bewegung zu verwandeln. Sie knüpfen Kontakte, sammeln Spenden, vermitteln Ehen und Wohnungen, kümmern sich um Kranke und organisieren Ausreisen in Kriegsgebiete. "Sie schaffen es", so Freier, "den Salafismus als eine Art Familienangelegenheit zu machen. Männer, Kinder, Frauen, ganze Familien, die auch untereinander vernetzt sind, sind durch die Frauen auch in der Szene viel stärker verankert, die Propaganda wird sehr viel schneller vorangetrieben und es führt dazu, dass diese Szene eine echte Parallelwelt zu unserer Gesellschaft wird."

Eine Parallelwelt, in der junge Männer mit kriminellem Hintergrund zum Ziel der Anwerbeversuche durch den IS werden, so wie es im Muslim Gang Book vorgegeben wird: "Wenn Du rausgehst, siehst Du junge Männer, die auf den Straßen zusammenstehen. Jetzt stell Dir vor, Du gibst diesen Kerlen Autos, Waffen, Geld und ein Ziel." Die Terrorstrategen des IS empfehlen auch Finanzierungsmethoden für islamistische Aktivitäten, wie "Diebstahl, Raub, Kreditkartenbetrug, Sprengung von Geldautomaten und Spenden".

Vernetzung von Islamisten und Organisierter Kriminalität

ZDFzoom "Drehbuch des Terrors"
ZDFzoom "Drehbuch des Terrors": Rainer Fromm bei Recherchen in Düsseldorf Quelle: ZDF

Sicherheitsbehörden beobachten europaweit seit Jahren eine immer engere Vernetzung islamistischer Strukturen mit der allgemeinen und der organisierten Kriminalität. In Berlin stehen hierfür zahlreiche Salafisten aus Nordkaukasien, wie der Leiter des Verfassungsschutzamtes, Bernd Palenda dem ZDF bestätigt. Die Menschen aus dieser Region seien "aufgrund der historischen Erfahrungen gewaltorientierter als andere" und seien verantwortlich für "eine ganze Reihe von kriminellen Handlungen". Weiterhin sind die Berliner Ermittler über Gewaltanleitungen aus dem Internet besorgt: "Nimm ein einfaches Mittel, nimm ein Messer, nimm ein Auto, nimm dies, das und jenes und überfalle einfache Menschen. Das ist eine Aussage, die wir schon seit langer Zeit haben", so Palenda.

Das Muslim Gang Book empfiehlt, eigene islamistische Banden zu etablieren oder schon vorhandene Gangs zu unterwandern, um dann für sogenannte No-Go-Areas in europäischen Großstädten zu sorgen. Auf diese Weise sei es möglich, einen bewaffneten Kampf vorzubereiten: "Muslime sollen sich abkapseln von anderen Teilen der Gesellschaft, so dass sie ihre Ziele ohne Störungen durch Außenstehende erreichen können."

ZDFzoom "Drehbuch des Terrors": Elmar Thevessen
ZDFzoom "Drehbuch des Terrors": Terrorismusexperte Elmar Theveßen im Gespräch mit Mark Rowley Quelle: ZDF

Erste Ansätze für eine solche Entwicklung lassen sich zum Beispiel in Großbritannien beobachten, wie Mark Rowley, der Anti-Terror-Koordinator von Scotland Yard, dem ZDF bestätigt: "Wenn wir die mehr chaotische Kriminalität betrachten, gewalttätige Straßengangs, dann sehen wir lose Verbindungen, keine enge Zusammenarbeit zwischen den Gruppen. Aber ein gewalttätiges Gangmitglied radikalisiert sich möglicherweise und wird zum Terroristen. Wir sehen solche Verbindungen in lokalen Gruppierungen."

Bessere Zusammenarbeit von Polizei und Geheimdiensten gefordert

Rowley fordert deshalb eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Polizei und Geheimdiensten. In Großbritannien haben beide Bereiche vollen Zugriff auf Personendaten aus der kriminellen und der islamistischen Szene. Auch Verfassungsschutzchef Burkhard Freier plädiert für eine deutliche Erweiterung des Datenaustauschs zwischen den Behörden, der alle strafrechtlich relevanten Daten aber auch Informationen über das Umfeld verdächtiger Personen umfassen sollte. "Das ist der komplette und übergreifende Datenaustausch", so Freier: "Alles, was an Daten zu einer Peron vorhanden ist, muss sowohl bei der Polizei als auch beim Verfassungsschutz vorhanden sein, als auch miteinander ausgetauscht und auch in Strafverfahren berücksichtigt werden."

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