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ZDFzoom - Wie die Kassen Kosten drücken

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Seit Jahren müssen Versicherte mehr Geld für ihre Gesundheit bezahlen. Die Kassen schieben das auf gestiegene Kosten im Gesundheitswesen. Doch ist das allein der Grund? Der Wettbewerb wird intensiver, gleichzeitig versuchen die Kassen immer, wieder Geld bei Leistungen zu sparen.

Seit Jahren müssen die Versicherten mehr Geld für ihre Gesundheit bezahlen. Die Kassen schieben das auf gestiegene Kosten im Gesundheitswesen. Doch ist das allein der Grund?

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Jana-Alina dreht die Musik lauter und nickt im Takt mit ihrem Kopf. "Five Finger Death Punch" heißt die Band, die da aus den Lautsprechern schallt. Heavy Metal aus den USA. Jana-Alina lebt für die Musik, und verbringt Stunden in ihrem Zimmer, um im Internet nach Bands zu stöbern. "Musik ist einfach mein Leben, da nehme ich gar nichts anderes um mich herum mehr wahr", sagt sie.

Kasse weigert sich, Kosten zu übernehmen

Während Jana-Alina Musik hört, huschen ihre Finger über eine schwarze Tastatur, aus der in schnellen Abständen kleine Stifte herausschießen. Das Gerät heißt Braillezeile und hilft ihr beim Lesen, denn Jana-Alina ist seit ihrer Geburt blind und kann nur zwischen hell und dunkel unterscheiden.

Im Moment kann sie allerdings nur an ihrem PC im Zimmer Musik hören oder sich ein Buch oder eine Zeitung vorlesen lassen, denn die Braillezeile ist stationär. Deswegen hat sie bei ihrer Krankenkasse ein spezielles Gerät mit Sprachsteuerung beantragt, einen sogenannten Daisyplayer. Der kostet circa 460 Euro, zu viel für Jana-Alinas alleinerziehende Mutter Andrea Kornfeld.

Versicherte müssen um Leistungen kämpfen

Doch ihre Krankenkasse lehnte eine Kostenübernahme ab. Die Deutsche BKK begründet das damit, "dass die Versicherte […] bereits versorgt ist: Folglich kann der Bedarf für die Versorgung mit einem weiteren Hilfsmittel für die Informationsgewinnung […] nicht erkannt werden." Für die Mutter Andrea Kornfeld absolut unverständlich. Sie will die Selbstständigkeit ihrer Tochter fördern: "Ich werde nicht immer da sein und immer leben, da versuche ich natürlich im Laufe der Jahre durch solche Hilfsmittel ihr vielleicht schon mal einen Anreiz zu geben doch alleine zu leben."

Seit eineinhalb Jahre kämpfen die Kornfelds um den Daisyplayer. Unterstützt werden sie dabei vom Sozialverband Hannover. Hier kennt man das Gebaren der Krankenkassen bereits. Immer wieder gehe es um Kosten, sagt Stefanie Jäkel vom Sozialverband Niedersachsen. "Das haben wir schon häufig, dass Sachen erstmal abgelehnt werden, manche werden dann wenn wir für unsere Mitglieder Widerspruch eingelegt haben doch noch genehmigt und für manche muss man dann ins Klageverfahren gehen."

"Kassen haben nur die Wirtschaftlichkeit im Blick"

Für den Sozialverband liegt der Fehler bei den Krankenkassen, die immer mehr auf Einsparpotentiale achten als auf das Wohlergehen ihrer Versicherten: "Wir haben ganz oft das Gefühl, dass Krankenkassen nur noch die Wirtschaftlichkeit und das Geld und die Kosten im Blick haben und darüber hinaus die Interessen ihrer Mitglieder völlig aus den Augen verlieren", sagt Jäkel und schüttelt den Kopf.

Der Fall Jana Alina landet nach etlichen Widersprüchen und Ablehnungen schließlich vor dem Sozialgericht Braunschweig. In den eineinhalb Jahren, die die Kornfelds um den Daisyplayer gekämpft haben, fusioniert die Deutsche BKK mit der Barmer. Die verweist auf Anfrage des ZDF schriftlich auf zwei Gutachten des Medizinischen Dienstes. Außerdem heißt es: "Frau Kornfeld hat einen PC, der mit einer Software ausgestattet ist, die den Bildschirmtext vorlesen oder in Brailleschrift ausgeben kann." Im Klartext: Ein PC im Zimmer muss reichen.

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