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Antarktis-Station - Forschung in der Stille: Zehn Jahre Neumayer III

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Die deutsche Forschungsstation Neumayer III in der Antarktis wird zehn. Demnächst soll dort ein neues Kapitel der Forschungsgeschichte aufgeschlagen werden.

Die Neumayer-Forschungsstation III in der Antarktis an der Küste des östlichen Weddellmeeres existiert jetzt 10 Jahre. Forscher kamen dort in letzter Zeit zu besorgniserregenden Ergebnissen: Der antarktische Ozean erwärmt sich.

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Die Antarktis ist kein Ort wie jeder andere auf der Erde. Das beginnt schon damit, dass der so genannte siebte Kontinent niemandem gehört, seit 1959 der Antarktis-Vertrag unterzeichnet wurde. Wer die strengen international vereinbarten Umweltschutzregeln beachtet, darf hier aber zumindest forschen. Rund 80 Stationen unterhalten die führenden Industrienationen im ewigen Eis, eine davon ist die vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) betriebene Station Neumayer III. Sie gehört zu den etwa 40 ganzjährig besetzten antarktischen Forschungseinrichtungen.   

Ein unersetzlicher Lebensraum

2009 haben die ersten Wissenschaftler ihren Dienst auf Neumayer III angetreten. Wie schon ihre beiden Vorgänger ist die Station Deutschlands Beitrag zum Antarktis-Vertrag, der den Zugang zur Region genau regelt und sie dadurch zum am besten geschützten Lebensraum der Erde macht. Für AWI-Direktorin Antje Boetius ist der Vertrag ein Segen, auch weil er Forschungen ermöglicht, die nirgendwo sonst zu machen wären. "Man kann hier die reinste Luft, den leisesten Ozean und diese unglaubliche natürliche Vielfalt an Leben vorfinden. Gerade für die marinen Säugetiere, aber auch für Pinguine ist das ein unersetzlicher Lebensraum."

Karte: Neumayer-Station III in der Antarktis
Neumayer-Station III in der Antarktis
Quelle: ZDF

Die Erforschung der Tierwelt ist nur ein kleiner Teil der Arbeit auf Neumayer III. Hier werden Langzeit-Messreihen fortgeführt, die schon 1981 auf der ersten westdeutschen Südpolar-Station begonnen wurden. Die Wissenschaftler beobachten praktisch alles um sie herum: das Wetter, die Chemie der Umwelt, die Luftqualität, das sogenannte Ozonloch, das Erdmagnetfeld, die Einstrahlung der Sonne auf die Erde oder seismische Signale weit entfernter Erdbeben. Die Stille der Antarktis ermöglicht auch die Überwachung internationaler Abkommen wie dem Verbot von Kernwaffentests.

Raumfahrtforschung im Eis

"Es gibt auch immer wieder neue Ideen und Fragen", berichtet Antje Boetius, die im vorigen Jahr mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet wurde. "Die Raumfahrtforschung hat sich hier angesiedelt und untersucht, wie der automatisierte Anbau von Pflanzen in einer Umwelt gelingt, die für Pflanzen nicht vorgesehen ist. Es wird auch medizinisch erforscht, wie es Menschen in permanenter Dunkelheit ergeht. Besonders wird auch gerade nach dem Verhalten von Pinguinen in einer Kolonie nahebei geschaut, durch neue automatisierte Verfahren. Das ist absolut dringlich."

Das Spurenstoff-Observatorium misst atmosphärische Konzentrationen von Spurengasen wie Ozon und winzigen Staubpartikeln in der Luft.
Das Spurenstoff-Observatorium misst atmosphärische Konzentrationen von Spurengasen wie Ozon und winzigen Staubpartikeln in der Luft.
Quelle: Alfred-Wegener-Institut

Aktuell bereitet das AWI eine gemeinsame europäische Mission vor, die ein neues Kapitel in der Erforschung der Klimageschichte aufschlagen soll. "Wir wollen das älteste Eis in der Antarktis erbohren, um die vollständige CO2-Klimageschichte des Menschen zu rekonstruieren, seit er zum ersten Mal das Feuer genutzt hat. Um diese aufwändige Mission hinzubekommen, arbeiten viele Nationen und Stationen zusammen."

Schmilzt jetzt auch das antarktische Eis?

Antworten verspricht sich die Meeresbiologin Boetius vor allem auf die Frage, wie sich Arktis und Antarktis bei Klimaveränderungen verhalten. Während sich die Arktis in den letzten Jahrzehnten zunehmend erwärmt und das Meereis dort immer stärker abschmilzt, ist das antarktische Meereis bislang weitgehend stabil geblieben. Zumindest bis vor Kurzem: "Die Antarktis ist in den letzten Jahren sehr viel dynamischer geworden, die Ausschläge im Sommer und Winter werden größer. Gerade jetzt im Januar haben wir das größte Minimum seit Beginn der Beobachtung verzeichnet."

Die Frage sei nun, ob sich dieser Trend in den nächsten Jahren bestätigt oder bei einem Mittelwert einpendelt. Die geplanten Bohrungen im antarktischen Eis könnten einen Blick in die Klimageschichte ermöglichen und diese Frage beantworten. Für das Verständnis des Erdsystems sei das von größter Wichtigkeit. "Im Moment verlassen wir uns sehr darauf, dass die Antarktis kalt bleibt. Aber wenn sich das ändert, müssen wir unsere Vorhersagen anpassen und schnell verstehen, was die Ursachen für die Meereisabnahme sind."

Mit Blick auf den Klimawandel spielt das Eis der Antarktis also eine Schlüsselrolle. Die Forscher auf Neumayer III arbeiten letztlich auch daran, dass ihr einzigartiger Arbeitsplatz bleibt, was er ist: Kein Ort wie jeder andere.  

Neumayer III: Zahlen und Fakten

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