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Finanzkrise vor zehn Jahren - EZB sollte "wirklichen Zins" schaffen

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Mit der Beinahe-Pleite der IKB kam vor zehn Jahren die Finanzkrise in Deutschland an. Bis heute ist die Krise noch nicht ausgestanden. Experten raten zu höheren Zinsen: Nur wer merke, was Schulden kosten, bleibe vorsichtig. Ganz gleich ob Häuslebauer oder Regierung.

Vor zehn Jahren schwappte die Finanzkrise aus den USA nach Europa. So etwas wie damals könne heute so nicht mehr passieren, sagt der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) im Rückblick.

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Es war ein hektisches Wochenende Ende Juli 2007: Da wurde zwar an einem Wochenende mit den vereinten Kräften der gesamten Kreditwirtschaft und der staatseigenen KfW eine Bank gerettet: "Ein Tag für die Geschichtsbücher sei das", meinte damals schon Jan-Pieter Krahnen, Professor für Kreditwirtschaft und Finanzierung an der Goethe-Universität Frankfurt, "ein Ereignis, das wir in der deutschen Nachkriegsgeschichte nicht erlebt haben, eine Rettungsaktion einer privaten Bank durch den Staat durch den Einsatz staatlicher, öffentlicher Gelder." Doch die Finanzkrise konnte dadurch nicht abgewendet werden.

Faule Kredite bringen Banken in Schieflage

Die IKB, die als grundsolide galt, hatte wie viele andere Banken in schlechte Hypothekenkredite in den USA investiert. Diese wenig abgesicherten Hypothekenkredite -  im Fachjargon "Subprime" genannt - wurden gebündelt in Paketen mit besser abgesicherten Krediten. So fand man Käufer - und das weltweit. Doch schon seit dem Frühjahr waren solche Immobilienkredite immer häufiger geplatzt, weil immer mehr Hausbesitzer ihre Raten nicht zahlen konnten.

In der Folge geriet die IKB in eine Schieflage - aber nicht nur sie hatte gezockt: Es fiel auch die Düsseldorfer WestLB, andere Landesbanken mussten von ihren Bundesländern gestützt werden, die SachsenLB wurde von der Landesbank Baden-Württemberg übernommen. Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate wurde ebenfalls zunächst aufgefangen, dann verstaatlicht und schließlich aufgespalten.

Alle hatten sie in "Subprime"-Kredite investiert. "Vor zehn Jahren war die Kreditwirtschaft nicht in der richtigen Balance", umschreibt Herbert Grüntker, Chef der Landesbank Hessen-Thüringen, die damalige Lage. Will heißen: Die Banken waren zu wenig reguliert. Das aber erkannten die Politiker: Spätestens, als dann im September 2008 die Krise sich ausweitete und die US- Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach, begannen sie zu handeln.

Regulierungsgesetz macht Banken sicherer

Sie verabschiedeten in Deutschland in kürzester Zeit ein Gesetz zur Stabilisierung der Finanzmärkte mit üppigen staatlichen Garantien und Kapitalzufuhren für die Banken, vor allem für die Commerzbank, die erst einige Wochen zuvor angekündigt hatte, sie werde dem Versicherungskonzern Allianz dessen ungeliebte Tochter Dresdner Bank abkaufen. Und weil ein Ansturm der Sparer auf die Banken drohte, versicherten Bundeskanzlerin Angela Merkel und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück vor laufenden Kameras, die Einlagen der Sparer seien sicher.

Inzwischen haben die Politiker und Aufseher die Regeln angezogen. Die Regeln, die inzwischen gelten, würden verhindern, dass eine solche Krise wie die von 2007/2008 wieder entstehen könne, glaubt etwa der frühere Bundesbankpräsident Axel Weber heute. Die Banken seien sicherer, das sieht auch Elke König so, die Chefin des europäischen Bankenabwicklungsfonds: "Banken haben heute deutlich mehr und deutlich besseres Kapital."

"Wir sind nach wie vor in der Auflösung der Krise"

Doch ihre Ertragskraft hat gelitten. Denn weil sie nicht mehr in so riskante Geschäfte investieren dürfen, sprudeln die Gewinne daraus nicht mehr so kräftig. Zudem verursacht die Regulierung Arbeit und Kosten. Diese geringere Ertragskraft sei ein Schwachpunkt, meint Weber, der seit 2014 dem Verwaltungsrat der Schweizer UBS vorsteht. Aber auch die lockere Geldpolitik beobachtet der frühere Notenbanker mit Sorge. Sie sei nicht mehr angemessen.

Damals hatten die Zentralbanken begonnen, den Märkten Liquidität zur Bewältigung der Krise bereitzustellen. Das tun sie immer noch. Doch Weber warnt jetzt, der Boom, den viele Kapitalmärkte in Folge der expansiven Geldpolitik erfahren haben, werde nicht nachhaltig sein. Es werde zu einer Korrektur der Aktienkursbewertungen und zu einer Normalisierung auch im Bereich der festverzinslichen Erträge kommen: "Unser Finanzsystem ist dafür nicht gut gerüstet." Deshalb müssten die verantwortlichen Notenbanken, dieses System langsam wieder Richtung Normalität zurückführen. Wie schwer das ist, kann man aktuell an den Bemühungen der EZB beobachten. Die Krise sei noch nicht vorbei, mahnt er: "Wir sind nach wie vor in der Auflösung der Krise."

Forderung nach einem "wirklichen Zins"

Es gibt noch eine Menge zu tun, bestätigt auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Seiner Ansicht nach müsse man das Haftungsprinzip stärken. Das gelte nicht nur für die Banken, die weiter ihr Eigenkapital stärken sollten, sondern auch für die Staaten: Die sollten nicht mehr ihre eigenen Staatsanleihen abladen bei ihren Banken, sondern sich stärker verantwortlich fühlen. Schließlich sind die Schuldenberge vor allem in Südeuropa heute zum Teil höher als vor der Krise.

Und die Europäische Zentralbank sollte wieder einen "wirklichen Zins" schaffen im Euroraum: "Nur dann, wenn es einen spürbaren Zins gibt, merken auch die Menschen die Kosten der Schulden, und nur dann verhalten sie sich auch verantwortungsorientiert." Das gelte für alle Beteiligten - Hausbauer, Unternehmer, Banken und Staaten.

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