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Nichts für Fahrradfahrer - 10.000 Kilometer Russland: Den Osten erfahren

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Tausende Kilometer quer auf der Transkontinentalen durch Russland - wenige Monate vor der Präsidentenwahl. Vielen Russen geht es gut, sie sind von Putin überzeugt. Aber nicht alle.

Russland vor der Präsidentschaftswahl: Das ZDF begibt sich in seiner zweiteiligen Doku zum zweiten Mal auf große Reise: 10.000 Kilometer mit dem Auto von Moskau nach Wladiwostok. Im Gepäck die Frage: Wie hat sich das Land in den zehn Jahren verändert?

Beitragslänge:
1 min
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Wir glauben zunächst an eine Fata Morgana, als wir im Schneetreiben ihre Umrisse entdecken: Sehen wir mitten in Sibirien wirklich Kamele? Ja, Kamele! Zwei Höcker, langer Kopf, breite Hufen, so stehen sie da im Flockenwirbel und lassen sich geduldig von uns filmen. Was machen die hier? Zum Glück kommt Tabris Allachjarow dazu, der Viehzüchter, dem neben einer Rinderherde eben diese sechs Kamele gehören. "Ich halte sie für die Seele!", sagt er und schlägt sich auf die Brust. "Für ihre Schönheit!" Er lacht und seine Goldzähne blitzen. 

Unerwartete Begegnungen

Es war einer dieser Momente, die einem eben nur passieren können, wenn man Tausende von Kilometern durch ein Land reist, das Platz genug bietet für alles und alle: Stadt und Land, Reiche und Arme, Leid und Freude. Das größte Land der Erde: Russland.

Infokarte zur Dokumentation "10.000 Kilometer Russland"
10.000 Kilometer Russland - die wichtigsten Stationen von Britta Hilpert und Winand Wernicke Quelle: ZDF

10.000 Kilometer von Moskau bis Wladiwostok reisten mein Kollege Winand Wernicke und ich. Ein Mammut-Projekt - und für das ZDF schon das zweite Mal.  Denn vor zehn Jahren reisten wir schon einmal durch das Land, damals auf der Trasse, die gerade erst vollendet worden war - Präsident Wladimir Putin hatte dafür gesorgt. Eine Straße bis nach Wladiwostok, bis zu der Stadt, deren Name "Beherrsche den Osten" bedeutet, war damals ein wichtiges Symbol: Russland einig und stark zu machen, war und ist Putins Programm.

Putins Russland 2007 - 2017

2017 hängt Waldimir Putins Bild immer noch in den Amtsstuben und auch in einigen Wohnzimmern.  Bei manchen ist die Putin-Begeisterung echt: Tina Kandelaki kennt in Russland jeder, sie ist ein Fernsehstar und nun auch noch Chefproducerin in Russlands wichtigstem Sportkanal. Während sie mit uns in ihrem BMW am Kreml vorbei fährt, wo sie auch manchmal zu Gast ist, spricht sie von der Generation Putin, die 2018 nun das erste Mal wählen darf: "Das ist die Generation meiner Tochter. Die kennen keinen Hunger, keine Krise, kein Elend. Überall in Russland gibt es nun Wachstumskerne." Für Tina Kandelaki ist Russland nun das Land der unbegrenzten Möglichkeiten - kein Wunder, denn sie steht auf der Sonnenseite des russischen Lebens.

Bei anderen spürt man, dass sie sich gut überlegen, was sie sagen, und wenn, dann nur positives. Positives gibt es ja, vor allem im Vergleich zu den 90er Jahren, die gerade für die Alten traumatisch waren. Zum Beispiel Tante Nina, die wir kurz hinter Moskau treffen, weil sie ihre Gartenäpfel am Straßenrand verkauft: Sie ist froh, dass die Rente pünktlich kommt - das war ja nicht immer so, zu Jelzins Zeiten. Dass die 110 Euro im Monat nicht hinten und nicht vorn für das Leben reichen, kommentiert sie nur so: Es sei kein Spaß hier an der Straße zu sitzen, um Äpfel zu verkaufen, aber so sei es nun mal.

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Auslandspresse = Agent?

Bei manchen spürt man sogar Nervosität, wenn sie mit uns, der Auslandspresse reden. Während unserer Dreharbeiten wird in Russland ein Gesetzesentwurf diskutiert, der die Auslandspresse als "ausländische Agenten" einer Registrierungspflicht unterwirft. Agent, das klingt nach Spion, nach Feind. Diese Atmosphäre erklärt vielleicht, warum eine alte Dame mitten im Gespräch plötzlich fragt: "Haben Sie überhaupt eine Genehmigung, mit mir zu sprechen? Nicht dass mir hinterher die Behörden auf die Pelle rücken und sagen: Was erzählen Sie denn da?"

Der Griff des Staates ist in Russland stärker geworden, offensichtlich ist das bei den Bodenschätzen: Vor zehn Jahren besuchten wir im Tjumener Ölgebiet noch ein britisch-russisches Joint-Venture. Heute gehören die gleichen Bohrtürme dem russischen Staatskonzern Rosneft. Und der konnte uns leider keinen Drehtermin ermöglichen. Dabei gingen die E-Mails dazu über Wochen hin und her: Ob wir etwa Gerhard Schröder zum Thema machen wollten, der nun Rosneft-Aufsichtsratschef ist? Ob wir unsere Fragen vorab schicken könnten? Am Ende wurde kurzfristig abgesagt.  Vielleicht ein andermal.

Über 80 Anfragen stellten wir bei Unternehmen, Kreisverwaltungen, Behörden aller Art und auch beim FSB, dem russischen Inlandsgeheimdienst. Aus Asowo, dem deutschen Nationalkreis, bekamen wir sogar einen Anruf: Er, der Anrufer, sei zuständig für die Sicherheit im Gebiet. Mit wem wir reden wollten? Was wir vor hätten? Am Ende war es aber so, wie es häufig in Russland ist: Das, was geplant war, wurde kurzfristig unmöglich. Das, was kurzfristig machbar war, war dann umso interessanter. 

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