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Proteste in Berlin - Zehntausende fordern nachhaltige Landwirtschaft

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Mit 60 Milliarden Euro subventioniert die EU landwirtschaftliche Betriebe. Doch was kommt bei nachhaltigen Betrieben an? Zu wenig, klagen zehntausende Demonstranten in Berlin.

Demonstration für Agrarwende in Berlin
Vorneweg: Landwirte demonstrieren mit ihren Traktoren für eine Wende in der Landwirtschaft.
Quelle: reuters

Angeführt von Traktoren haben mehrere zehntausend Menschen in Berlin eine Wende zu mehr Umwelt- und Tierschutz in der Landwirtschaft verlangt. Unter dem Motto "Wir haben Agrarindustrie satt" führte der Demonstrationszug anlässlich der Ernährungsmesse Grüne Woche am Samstag durch das Regierungsviertel. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich 35.000 Menschen an dem Protest. Eine in Berlin tagende Agrarminister-Konferenz sprach sich für mehr weltweite Kooperation bei der stärkeren Digitalisierung der Landwirtschaft aus.

Die Demonstranten forderten unter anderem eine Neuausrichtung der EU-Agrarsubventionen. Die 60 Milliarden Euro an jährlichen EU-Agrargeldern sollten künftig besser verteilt werden, erklärte das Bündnis. Kritisiert wurde etwa, dass vor allem Großbetriebe von Agrarsubventionen profitierten.

Klöckner warnt vor Polarisierungen

Zu der Demonstration für eine Agrarwende hatte ein Bündnis von Landwirten, Tier- und Umweltschützern aufgerufen. Los ging es am Morgen mit einer Sternfahrt von rund 170 Traktoren zum Brandenburger Tor. Auf drei Routen waren sie aus dem Umland in die Stadt gefahren. An der Agrarminister-Konferenz im Außenministerium übergaben sie eine Protestnote. Darin stand, dass "bäuerliche Arbeit auf den Äckern und Feldern und in den Ställen etwas sehr Wertvolles und vor allem Schützenswertes" ist. Das Bündnis fordert auch für die Verhandlungen zur künftigen EU-Agrarfinanzierung mehr Klima- und Naturschutz, mehr Unterstützung für kleinere Höfe und artgerechte Tierhaltung.

Wir müssen wegkommen im Alltag von diesem 'Wir stopfen uns noch schnell Kalorien rein, und es ist egal, wie sie entstanden sind'.
Grünen-Chef Robert Habeck

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) wandte sich mit Blick auf die Demonstration gegen Polarisierungen. Es sei eine Herausforderung, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähre: "Wir werden sie nicht satt machen mit einem Teilausstieg aus der landwirtschaftlichen Produktion." Es komme auf eine nachhaltigere, effizientere und umweltgerechtere Produktion an. "Aber wir brauchen den Landwirt." Es gehe nicht mit einem Gegeneinander und Pauschalisierungen.

Am Brandenburger Tor zeigte sich ein buntes Bild: Demonstranten in Bienen und Imkerkostümen, überlebensgroße Luftballons in Form von Insekten, Transparente. Eine Landwirtin aus dem niedersächsischen Wendland sagte: "Die Agrarindustrie lässt uns kleine Bauern wegsterben." Ihre Familie müsse jedes Jahr gucken, wie es weitergehe. Grünen-Chef Robert Habeck rief dazu auf, bewusst einzukaufen: "Wir müssen wegkommen im Alltag von diesem 'Wir stopfen uns noch schnell Kalorien rein, und es ist egal, wie sie entstanden sind'."

35.000 Menschen sind in Berlin für eine Agrar-Wende auf die Straße gegangen. Sie fordern eine umweltfreundlichere Landwirtschaft mit artgerechter Tierhaltung.

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Agrarminister wollen mehr Kooperation bei Digitalisierung

Die Agrarminister-Konferenz mit Regierungsvertretern aus 74 Staaten beschloss, einen Anstoß für mehr Kooperation bei der Digitalisierung zu geben. Die Welternährungsorganisation FAO solle dafür ein Konzept für einen Digitalrat ausarbeiten, sagte Klöckner als Gastgeberin. Er solle Länder beraten und den Erfahrungsaustausch vorantreiben. Die Digitalisierung stärke ländliche Räume und bekämpfe Fluchtursachen. Daher sollten gemeinsame Lösungen gesucht werden, um den Zugang zu Technologien auch für Kleinbauern auf der ganzen Welt zu verbessern.

EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis zeigte sich offen für das von der Bundesregierung geplante staatliche Tierwohl-Label für Fleisch aus besserer Haltung. Er sei für jegliche Maßnahmen und auch Kennzeichnungen, um den Tierschutz zu erhöhen. Generell müsse man vorsichtig sein, keine Barrieren im EU-Binnenmarkt zu schaffen. Das von Klöckner geplante Tierwohl-Kennzeichen sieht drei Stufen oberhalb des gesetzlichen Standards vor und soll voraussichtlich ab 2020 starten. Bauern sollen es freiwillig nutzen können. Die genauen Anforderungen und Kriterien werden noch erarbeitet.

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