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Hunderttausende protestieren - "Wir haben vielleicht zu lange geschwiegen"

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Spanische, katalanische und europäische Flaggen: In Barcelona protestieren nach Polizeiangaben schätzungsweise 350.000 Menschen gegen die Abspaltung von Spanien. "Es werden immer mehr", berichtet ZDF-Korrespondentin Daniela Bach aus Katalonien. Die Gegner des Unabhängigkeitsreferendums brechen ihr Schweigen.

Während hunderttausend Menschen in Barcelona gegen eine Unabhängigkeit demonstriert haben, droht Spaniens Ministerpräsident Rajoy, Katalonien den Autonomiestatus zu entziehen.

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"Die Straßen um uns herum sind voll mit Menschen, die die spanische Flagge tragen", beschreibt Daniela Bach die Situation vor Ort. Es seien auch viele katalanische Flaggen dabei - "aber ohne Stern". Mit Stern, das ist die Flagge der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung.

Auf ihrem Marsch zum Bahnhof Estació de França skandierten die Demonstranten laut Bach: "Es lebe Spanien, es lebe Katalonien", "Katalonien gehört zu Spanien", "Wir sind Spanier" - aber auch: "Puigdemont ins Gefängnis!" Aus vielen Regionen Spaniens waren Teilnehmer in Dutzenden von Bussen und Zügen angereist. Der peruanische Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa, der die spanische Staatsbürgerschaft hat, läuft am Kopf der Demo mit. Und zwischen all den Demonstranten, so Bach weiter, laufen immer wieder ein paar ratlose Touristen mit Koffern, die ihr Hotel suchen. Das Mobilfunknetz bricht immer wieder zusammen, ein Polizeihubschrauber zieht seine Runden. Die Polizei schätzte die Zahl der Kundgebungsteilnehmer am Sonntagnachmittag auf 350.000.

Gegner sehen sich als schweigende Mehrheit

Zu der Kundgebung aufgerufen hatte ein Kollektiv gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen unter dem Motto "Es reicht! Lasst uns zur Vernunft zurückkehren". Die Teilnehmer des Protestes sehen sich als Angehörige einer schweigenden Mehrheit. "Wir haben vielleicht zu lange geschwiegen", sagte einer der Demonstranten, Alejandro Marcos.

Bereits am Samstag hatten landesweit zehntausende Menschen für die Einheit Spaniens demonstriert. In Madrid und Barcelona versammelten sich Befürworter eines Dialogs zwischen Madrid und der katalanischen Regionalregierung vor den Rathäusern. Bei einem "patriotischen Marsch" in Madrid für Spaniens Einheit schwenkten die Menschen spanische Flaggen und beschimpften die katalanische Führung.

Rajoy: "Keine Gespräche unter Drohungen"

Ministerpräsident Mariano Rajoy kündigte in einem Zeitungsinterview an, er werde "sicherstellen", dass eine Unabhängigkeitserklärung Kataloniens "zu nichts führen wird". "Ich schließe nichts aus", sagte Rajoy der Zeitung "El País" auf die Frage, ob die Zentralregierung in Madrid Artikel 155 der Verfassung anwenden könnte. Damit könnte Madrid die Regionalregierung entmachten und Katalonien die Teilautonomie entziehen.

"Aber ich muss die Dinge zur rechten Zeit machen", fügte Rajoy hinzu. Mit Blick auf die katalanische Führung sagte er, es sei "noch immer Zeit", zurück zu rudern und eine harte Reaktion Madrids zu verhindern. Rajoy wiederholte zudem seine Weigerung, "über die Einheit des Landes zu verhandeln". Madrid führe "keine Gespräche unter Drohungen".

43 Prozent Wahlbeteiligung bei Referendum

Es war Rajoys erstes Zeitungsinterview seit dem Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien am Sonntag vor einer Woche. Dabei hatten nach Angaben der katalanischen Regionalregierung 90 Prozent der Teilnehmer für eine Abspaltung von Spanien gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag allerdings nur bei 43 Prozent.

Die spanische Zentralregierung hatte mit einem großen Polizeiaufgebot versucht, das vom Verfassungsgericht für rechtswidrig erklärte Referendum zu verhindern. Hunderte Menschen wurden verletzt. Madrids verschärfte Gangart hatten in der vergangenen Woche hunderttausende empörte Katalanen auf die Straße gebracht.

Entschuldigung für Polizeigewalt

Ende der Woche hatte es dann mögliche Anzeichen einer Entspannung in dem Konflikt gegeben. Am Freitag entschuldigte sich ein Vertreter Madrids für die Polizeigewalt. Auch Rajoy sagte, es seien "einige Fehler gemacht" worden.

Das katalanische Regionalparlament könnte bereits am Dienstag die Unabhängigkeit von Spanien ausrufen. Eine für Montag geplante Parlamentssitzung hatte das spanische Verfassungsgericht zwar verboten, um die Proklamation der Unabhängigkeit zu verhindern. Regionalpräsident Carles Puigdemont will aber dennoch vor das Parlament treten. Allerdings verschob er seine Rede auf Dienstag.

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