Sie sind hier:

Zeitenwende bei Daimler - Ende einer Ära: Dieter Zetsche tritt ab

Datum:

Das Erbe ist riesig - und deutsche Autobauer haben es schwerer denn je. Zum letzten Mal tritt der Daimler-Chef heute vor die Aktionäre - und übergibt den Posten an Ola Källenius.

Es ist ein Multi-Milliarden-Weltunternehmen: Fast 300.000 Mitarbeiter weltweit, über 167 Milliarden Euro Umsatz. Zahlen, die beeindrucken - und Vorstandschefs mit klingenden Namen: Edzard Reuter, Jürgen Schrempp, Dieter Zetsche. Allesamt Alphatiere und lange Zeit gern gesehene Gesprächspartner auch für die Politik.

2018 bricht der Gewinn fast um ein Drittel ein

Dann aber kam die Dieselkrise und etwas veränderte sich. Das gute Image des Stuttgarter Konzerns ist angekratzt  - wie das der gesamten deutschen Automobilindustrie. Es ist knapp ein Jahr her, da musste der Daimler-Chef beim Bundesverkehrsminister antreten: Nicht diskret durch die Hintertür, sondern durch einen Pulk von Fotografen. Das Ergebnis: Hunderttausende von Fahrzeugen mussten in die Werkstatt, weil die Abgasreinigung mit einer unerlaubten Abschalteinrichtung manipuliert war.

Der erfolgsverwöhnte Daimler Vorstandschef Zetsche wird zum Getriebenen. "Für Daimler war 2018 ein Jahr mit starkem Gegenwind. Das hat sich auch in unseren Ergebnissen und unserem Aktienkurs niedergeschlagen", räumte der heute 66-Jährige ein. Tatsächlich: der Gewinn des Unternehmens sank von 10.6 Milliarden 2017 auf 7.6 Milliarden 2018 - obwohl die Stuttgarter mehr Fahrzeuge verkauften.

Zetsches Nachfolger - kein gelernter Ingenieur

Porträtaufnahme von Dieter Zetsche im Jahr 1995
Dieter Zetsche im Jahr 1995.
Quelle: imago

Ein Verlust, den der Dachverband der kritischen Aktionäre auch Zetsche persönlich ankreidet: "Der Daimler-Chef speziell hat sich im Abgasskandal nicht gut verhalten", sagt deren Geschäftsführer Markus Dufner gegenüber dem ZDF. "Es war ein ständiges Hin und Her von Beteuerungen. Und es ist eigentlich klar geworden, dass die Beteuerungen, man hätte nichts mit Täuschung zu tun und mit Abgasmanipulation, nicht stimmen", so Dufner. "Zetsche könnte jetzt am Schluss seiner Ära nochmal klaren Tisch machen: 'Es tut mir leid, liebe Aktionäre. Wir haben da großen Mist gemacht, wir entschuldigen uns dafür. Und vor allem: wir schaffen jetzt Abhilfe.'"

Zetsche könnte jetzt am Schluss seiner Ära nochmal klaren Tisch machen: 'Es tut mir leid, liebe Aktionäre. Wir haben da großen Mist gemacht, wir entschuldigen uns dafür. Und vor allem: wir schaffen jetzt Abhilfe.'
Markus Dufner, Aktionärs-Dachverband


Die Dieselkrise hinter sich lassen - das wollen Alle. Hohe Erwartungen also an Zetsches Nachfolger: Ola Källenius, bisher Entwicklungsvorstand der Daimler AG - und in jeder Hinsicht "herausragend": 1.95 Meter groß, seit über 25 Jahren im Stuttgarter Konzern. Sein Aufstieg: unaufhaltsam. Der gebürtige Schwede ist der zweite Ausländer auf dem Chefsessel bei Daimler, umso erstaunlicher als er anders als die meisten seiner Vorgänger kein gelernter Ingenieur ist.

Konzern steht vor dem größten Umbau seiner Geschichte

In seinem Umfeld spricht man von ihm als einem Teamplayer, einem "coolen Nordländer". Der dreifache Vater sei so ganz anders als die Alphatiere vor ihm. In Zeiten, in denen es nicht mehr nur um den klassischen Autobau geht, kommen auf Källenius allerdings neue Herausforderungen zu. Bereits angekündigt von seinem Vorgänger: die Ausgliederung der Mercedes Benz AG und der Daimler Truck AG in rechtlich selbstständige Einheiten. Daimler steht damit vor dem größten Konzernumbau seiner Geschichte - und braucht dafür auch die Zustimmung der Aktionäre.

Dieter Zetsche (r.) am 22. Mai 2019 mit Ola Källenius
Dieter Zetsche mit seinem Nachfolger Ola Källenius.
Quelle: Reuters

Viel Arbeit wartet also auf den neuen Vorstandschef. Um in Zukunftsfeldern wie E-Mobilität oder autonomes Fahren zu reüssieren, sind hohe Investitionen notwendig. Anteilseigner erwarten wieder höhere Gewinne, gleichzeitig muss Källenius die erfolgsverwöhnte Belegschaft des Konzerns auf dem Weg der Umstrukturierung mitnehmen. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Daimler, Michael Brecht, zeigt sich gestern im Interview mit dem ZDF trotzdem zuversichtlich und verweist auf die Beschäftigungszusage für die Mitarbeiter bis 2029: "Wir werden uns Abläufe und Prozesse anschauen. Man muss schauen, ist die Komplexität des Unternehmens noch die richtige, ist die Komplexität der Produkte noch die richtige, aber das hat mit der Belegschaft nichts zu tun."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.