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Folge der aktuellen Geldpolitik - Zentralbanken mit weniger Spielraum

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Wichtige Zentralbanken fluten die Märkte nach wie vor mit Geld. Das birgt ein Problem. Sollte sich die Wirtschaftslage verschlechtern, ist der Handlungsspielraum kleiner.

EZB-Präsident Mario Draghi.
Die EZB mit Präsident Mario Draghi und die japanische Notenbank bleiben bei ihrer lockeren Geldpolitik.
Quelle: Arne Dedert/dpa

Die japanische Notenbank hält an ihrer ultralockeren Geldpolitik fest. Das haben die Währungshüter der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt am Freitagmorgen bekannt gegeben. Banken können sich auch weiter so gut wie kostenlos Geld bei der Notenbank leihen.

Schwieriges Fahrwasser für Notenbanken

Die EZB hat mit einem Schlag all ihr Pulver verschossen.
Carsten Brzeski, Chefvolkswirt ING

Damit befindet sich die Zentralbank in Tokio in bester Gesellschaft beispielsweise mit der Europäischen Zentralbank. Denn erst vor wenigen Tagen hatte deren Präsident Mario Draghi angekündigt, eine neue Runde von Langfristkrediten für Banken quasi zum Nulltarif einzuführen. Das allerdings ist nicht unproblematisch. "Die EZB hat mit einem Schlag all ihr Pulver verschossen für den Fall, dass die Konjunktur der Euro-Zone in den kommenden Monaten in eine Rezession abrutscht", sagt der Chefvolkswirt der ING, Carsten Brzeski.

Derzeit müssen die wichtigsten Notenbanken der Welt durch schwieriges Fahrwasser manövrieren. Denn einerseits befinden sie sich nach wie vor im Krisen-, genauer: Nachkrisenmodus. Die japanische und die europäische Zentralbank halten ihre Leitzinsen nach wie vor auf null Prozent. Zudem haben sie in den vergangenen Jahren auch Unmengen Staatsanleihen aufgekauft. Damit wollten sie in der Nachkrisenphase Inflation und Konjunktur anheizen, indem sie die Märkte mit Geld fluten. Nun hat andererseits inzwischen aber konjunktureller Gegenwind eingesetzt.

Instrumente gegen den Abschwung

Wenn es zu einem stärkeren Abschwung kommen sollte, fängt es dagegen für die EZB an, weh zu tun.
Carsten Brzeski, Chefvolkswirt ING

Welche Instrumente bleiben den Notenbanken in den USA, Japan und Europa also, um im Fall eines stärkeren Konjunkturabschwungs reagieren zu können? "Von den dreien steht die amerikanische Notenbank noch am besten da", sagt der Chefvolkswirt der ING, Carsten Brzeski. "Wenn es zu einem stärkeren Abschwung kommen sollte, fängt es dagegen für die EZB an, weh zu tun."

Der Grund ist ganz einfach: Die amerikanische Notenbank hat in den vergangenen drei Jahren ihre Zinsen schrittweise wieder angehoben - auf aktuell bis zu 2,5 Prozent. So kann sie die Zinsen auch wieder senken, sollte der Gegenwind zunehmen. Überdies hat sie ihre Bilanz bereits verkleinert, sie hat also den Bestand an angekauften Staatsanleihen reduziert. Das ermöglicht ihr im Falle einer noch stärkeren Eintrübung, notfalls das Anleihekaufprogramm neu aufzulegen.

Nebenwirkungen werden wahrscheinlicher

Europäische Zentralbank in Frankfurt, im Vordergrund das Euro-Symbol
Die EZB sitzt auf einem Berg von Staatsanleihen.
Quelle: dpa

In Japan und Europa dagegen befinden sind die Zinsen nach wie vor auf der Nulllinie, hier ist also erst einmal kein Spielraum vorhanden. Erst Ende Dezember hat die EZB damit aufgehört, neue Anleihen aus dem Euroraum aufzukaufen. Sie wird auslaufende Papiere aber ersetzen, sprich: ihre ungeheure Bilanzsumme und der Berg von Staatsanleihen, auf dem sie sitzt, wird erst einmal so hoch bleiben. Das Programm wieder aufzunehmen, wäre zumindest nicht problemlos möglich – denn das verbleibende Angebot an Staatsanleihen ist schlicht begrenzt. Welche Möglichkeit hat die EZB noch? "Vermutlich wird sie dann den Einlagenzins weiter senken. Das aber wirkt sich negativ auf Banken, Versicherer und Sparer aus." Der Einlagezins ist der Zinssatz, den Banken für bei der EZB geparktes Geld bekommen. Nur: Der liegt derzeit bei minus 0,4 Prozent.

Faktisch handelt es sich dabei also um Strafzinsen, die Banken bezahlen müssen, wenn sie überschüssige Liquidität bei der Notenbank horten. Auch diese Maßnahme soll sie dazu anhalten, das Geld lieber in Form von Krediten an Unternehmen auszugeben. Wenn sich diese Strafzinsen weiter erhöhen, schmälert das die Erträge mindestens von Banken und Versicherern, kurz: Je weiter die Notenbanken unkonventionelle Werkzeuge einsetzen, desto wahrscheinlicher sind ungewollte Nebenwirkungen. "Das ist zurzeit die Herausforderung von Herrn Draghi", sagt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. "Deswegen beteuert er immer wieder, dass die EZB jederzeit handlungsfähig ist – ohne aber spezielle Instrumente nennen zu können".

"Das Kartenhaus wird wackliger"

Und selbst wenn ein Instrument gefunden ist, trägt das nicht unbedingt zur künftigen Stabilität des Finanzsystems bei. So hatte die amerikanische FED nach dem Platzen der Dotcom-Blase zu Beginn des Jahrtausends bereits die Finanzmärkte mit Geld geflutet. Letztlich mündete das in einer neuen Blase: Die platzte schließlich 2007 am Immobilienmarkt. Die Folge davon ist der Nachkrisenmodus der Notenbanken bis heute; ein unguter Kreis schließt sich. "Man kann schon sagen: Das Kartenhaus wird immer wackeliger", sagt Carsten Brzeski. Oder: der Spielraum immer enger.

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