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Antisemitismus an Schulen - Zentralrat der Muslime will Imame in Klassen schicken

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Der Fall von religiösem Mobbing an einer Berliner Grundschule hat eine bundesweite Debatte ausgelöst. Der Zentralrat der Muslime will nun Imame in Schulklassen schicken.

Archiv: Schüler sitzen am 29.09.2016 im Gymnasium in Alsdorf (Nordrhein-Westfalen) in einem Klassenzimmer.
Zentralrat der Muslime will Imame in Schulklassen schicken. Quelle: dpa

Als Reaktion auf die Berichte über antisemitische Vorfälle an Schulen will der Zentralrat der Muslime Imame in Schulklassen schicken. "Wir stellen zunächst konkret zehn Imame bereit, die vorzugsweise mit Rabbinern in die Klassen gehen und für Dialog, Aufklärung und gegenseitige Achtung aus ihrem religiösen Selbstverständnis werben", teilte der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek per Twitter mit.

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"Ich würde mich freuen, wenn die jüdischen Gemeinden mitmachen, dann könnten wir schon heute in Berlin beginnen und in Folge dies bundesweit ausbauen", fügte Mazyek hinzu. Zusätzlich stelle der Zentralrat der Muslime junge "Peertrainer" für religiöse und weltanschauliche Vielfalt und Verständigung zu Verfügung. Aktueller Anlass für die Debatte ist der Fall an einer Berliner Grundschule, wo ein jüdisches Mädchen bedroht worden sein soll.

Vater von Mobbingopfer: Es geht nicht um Antisemitismus

Unterdessen hat sich der Vater des betroffenen Mädchens zu Wort gemeldet. Es gehe bei dem Vorfall nicht um Antisemitismus, sagte der 41-Jährige der Nachrichtenagentur epd. "Es geht darum, dass einige Kinder aus muslimischen Elternhäusern andere Kinder verfolgen oder mobben, nur weil sie nicht an Allah glauben." Dabei sei völlig egal, ob es sich um Christen, Atheisten, Juden oder andere handele. Aber auch innerhalb der muslimischen Schülerschaft würden Kinder ausgegrenzt, weil sie beispielweise "in die falsche Koranschule gehen".

Die Tochter des 41-Jährigen war nach seinen Aussagen an der Paul-Simmel-Grundschule in Berlin-Tempelhof in den vergangenen Jahren mehrfach von muslimischen Schülern angepöbelt worden, weil sie nicht an Allah glaubt. Auch mit dem Tode sei ihr deswegen von muslimischen Mitschülern gedroht worden. Der Vater betont, dass die Mitschüler bei den ersten Beschimpfungen und Drohungen noch gar nichts davon gewusst hätten, dass ein Elternteil des Mädchens jüdischer Herkunft sei. Das spiele im Leben der Familie aber auch keine Rolle, weil sie nicht religiös seien.

Politik, Bildungsverwaltung und Schulleitung wirft der Mann vor, gegen dieses Klima der Ausgrenzung nichts zu unternehmen und die Vorfälle zu relativieren. Die Familie habe deshalb keine andere Möglichkeit gesehen, als sich an die Medien zu wenden.

Zentralrat der Juden: "Bringschuld der muslimischen Verbände"

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, äußerte im ZDF morgenmagazin den Eindruck, dass solche Vorfälle vor allem im großstädtischen Milieu zunähmen. Berlin nehme dabei offensichtlich "leider eine führende Rolle" ein. Schuster hatte in der ZDF-Sendung erklärt, dass er in der Debatte auch die muslimischen Verbände in der Pflicht sieht. "Meine primäre Forderung muss sein, dass seitens der muslimischen Verbände ganz konkret darauf geachtet wird, was von einigen Imamen innerhalb der Moscheen gepredigt wird", so Schuster. "Da habe ich das Gefühl, es gibt eine Bringschuld seitens der muslimischen Verbände. Hier ist, glaube ich, einiges im Argen."

Zwischen jüdischen und muslimischen Verbänden gebe es bislang zwar eine Zusammenarbeit, aber "konkret, was die Frage des Antisemitismus angeht, gibt es bislang wenig gemeinsame Projekte", sagt der Präsident des Zentralrats im ZDF weiter.

"Es geht darum, wie wir als Gesellschaft zusammenleben wollen"

Auch die Frauenrechtlerin, Anwältin und Gründerin einer liberalen Moscheegemeinde Seyran Ates sieht in dem Vorfall eine prinzipielle Geschichte. "Es geht hier eben nicht nur um Antisemitismus", sagte Ates der "Berliner Zeitung". "Es geht hier um die Frage, wie wir als Gesellschaft künftig zusammenleben wollen. Werte wie Toleranz und universelle Menschenrechte sollten weiter die Grundlage unseres Zusammenlebens sein."

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