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ZDFzoom - Alles für die Tonne

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Seit 1991 hat sich die Menge der Kunststoff-Verpackungen in Deutschland fast verdoppelt. Dabei ist ein großer Teil nicht recycelbar. Was läuft schief beim "Reycling-Weltmeister"?

Plastiktüten am Strand
Plastiktüten am Strand Quelle: dpa

Können wir denn wirklich stolz sein auf unsere Mülltrennung und die Wiederverwertung von Plastik? Der größte Anteil des Plastiks – fast 40 Prozent - geht auf das Konto der Verkaufsverpackungen. Aus ihnen entstehen leider extrem selten neue Verpackungen. Das aufwendig herzustellende sogenannte "Rezyclat" liefert hierzulande zwar 14 Prozent des Rohmaterial-Bedarfs der Plastik-Industrie, doch deren Löwenanteil stammt weiter aus Rohöl.

Alt-Plastik wird meist verbrannt

"Kreislaufwirtschaft" ist ein beschönigender Begriff für ein System, das ohne Schlupflöcher nicht funktioniert. Denn das meiste Alt-Plastik wird verbrannt. Die Müllverbrennung boomt in Deutschland, seit 2005 das Deponie-Verbot erlassen wurde, ein Ende ist nicht absehbar: "Solange die Konjunktur brummt, ist an Rückbau nicht zu denken", so Kai Störkel, Chef der Müllverbrennungsanlage Göppingen.

Altkunststoffe - insbesondere aus dem Gewerbe -, die nicht verbrannt werden, gehen bislang in den Export. 1,2 Millionen Tonnen waren das zuletzt: 560.000 Tonnen gingen noch 2016 nach China. Doch die Chinesen wollen nun kein schmutziges Plastik mehr, sondern eine eigene High-Tech-Recycling-Industrie aufbauen. Das bringt hierzulande Probleme: Seit 1991 hat sich nämlich allein die Menge der Kunststoff-Verpackungen nahezu verdoppelt. Selbst das Unternehmen Remondis, dessen wichtigstes Geschäftsfeld das Recycling ist, klagt über immer schlechter verwertbare Verpackungen aus immer neuen Materialmischungen – designed vor allem für das Produkt-Marketing, nicht aber für das Recycling.

Alle Verpackungen in der EU sollen ab 2030 recyclingfähig sein

Auf europäischer Ebene macht nun Vize-Kommissionspräsident Frans Timmermans Druck, fordert nicht weniger als eine "Plastik-Revolution": "Unsere ganze Wirtschaft muss umgestaltet werden. Wir wollen dafür sorgen, dass alle Verpackungen in Europa im Jahr 2030 recyclingfähig sind", sagt Timmermans. Dazu aber muss sich Plastik wirklich recyceln lassen. Erst ein Plastik-Pfand werde Produzenten dazu bringen, wirkliche Kreislauf-Verpackungen zu gestalten, so der Chemiker und Verpackungstechniker Michael Braungart. Doch die Plastik-Lobby lehnt solche Vorschläge, Gesetze und Quoten rundweg ab: "Wir sind prinzipiell keine Freunde von Quoten. Mit Quoten zementiert man bestimmte Situationen. Damit verhindern wir Innovationen", so Rüdiger Baunemann vom Lobby-Verband Plastics Europe.

Und auch im Bundesumweltministerium will man lieber kleine Schritte gehen als große Strategien verfolgen. Gutes Recycling müsse ja kein Kreislauf für die gesamte Müllmenge sein: "Ob man wirklich 100 Prozent erreichen muss und ob alles wieder in Verpackungen umgewandelt werden muss – das wird schwierig", so Helge Wendenburg, Abteilungsleiter Ressourcenschutz im Bundesumweltministerium.

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