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Ryanair & Co. - Der Preis des billigen Fliegens

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Mehr als 40 Prozent aller Urlaubsreisen haben die Deutschen 2018 mit dem Flugzeug unternommen. Billigairlines bieten Tickets ab 9,90 Euro an - wer zahlt den wahren Preis dafür?

Über 40 Prozent aller Reisen wurden 2018 mit dem Flugzeug unternommen. Das liegt auch daran, dass Fliegen immer noch vergleichsweise günstig ist. ZDFzoom hat untersucht, wie sich das für die Fluggesellschaften überhaupt rentieren kann.

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Reisen wie in der U-Bahn - seit Jahren sichern sich Billigflieger mit günstigen Tickets Marktanteile im Luftverkehr. Dabei steht eine Airline immer wieder im Fokus des medialen Interesses: Ryanair als eine der größten Low-Cost-Airlines in Europa wirbt aggressiv um Kunden und bringt mit ihren günstigen Tickets sogar Mitbewerber wie die Deutsche Lufthansa ins Straucheln. Inzwischen befördert der irische Billigflieger in Europa fast so viele Passagiere wie die Lufthansa weltweit.

Die Folge: Etablierte Airlines verbilligen ihre Tickets ihrerseits oder sie gründen Billigtöchter, wie Lufthansa Eurowings. Doch damit steigt insgesamt die Zahl der Passagiere immer weiter an. Mehr als 40 Prozent aller Urlaubsreisen haben deutsche Urlauber 2018 mit dem Flugzeug unternommen - Tendenz weiter steigend.

Gewerkschaften machen Druck

Aber nach Jahren des ungehinderten Wachstums bekommt Ryanair jetzt Gegenwind. Vor allem die Gewerkschaften sehen das Geschäftsmodell von Ryanair sehr kritisch. Die Belegschaft des Billigfliegers ging auf die Straße. Inzwischen hat Ryanair seinen oft aggressiven Ton stark gemäßigt und Verhandlungen mit den Gewerkschaften zugestimmt. Es scheint absehbar, dass bald in mehreren Ländern Tarifverträge für mehr Lohn und gerechtere Arbeitsbedingungen bei Ryanair sorgen könnten. Das hatte vor einem Jahr kaum einer für möglich gehalten.

Doch wenn die Lohnkosten steigen, was wird dann aus den billigen Tickets? Sind sie dann überhaupt noch finanzierbar? Oder ist die Zeit des Billigfliegens bald vorbei? "ZDFzoom" hat das Geschäftsmodell von Billigfliegern am Beispiel von Ryanair untersucht und herausgefunden, dass Ryanair hauptsächlich durch Zusatzgeschäfte seine günstigen Tickets anbieten kann. Denn der niedrige Ticketpreis alleine reicht nicht aus, um alle Kosten zu decken, die ein Passagier im Durchschnitt verursacht.

Billige Tickets nur mit Zusatzgeschäften finanzierbar

Zusätzlich werde weiter auf Kosten des Personals gespart, sagen Gewerkschafter. Crewmitglieder berichten über ein ausgefeiltes System: So kommen die jungen Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter oft aus Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit. Beim Bewerbungsgespräch werden Kontakte und ein abenteuerliches Leben versprochen. Die Realität sieht dann oft anders aus.

Viele fühlen sich als Verkäufer degradiert, die unter hohem Druck auf jedem Flug eine bestimmte Menge an Getränken, Speisen, Kosmetika, Schmuck und Losen loswerden müssten. Dafür bekämen sie häufig weniger Geld als Kollegen bei anderen Fluggesellschaften.

Nach ZDFzoom-Recherchen sucht Ryanair sein Personal heute auch in Osteuropa und damit in Ländern, in denen keine Tarifverträge bestehen. In Polen wurde die gesamte Belegschaft aufgefordert, zu "Ryanair Sun" zu wechseln, einem neuen Ableger von Ryanair. Allerdings nur noch als selbstständige Mitarbeiter und damit ohne soziale Absicherung. Mit diesem Personal könnte Ryanair dann auch Strecken bedienen, auf denen sonst deutsche Mitarbeiter unter Tarifvertragsbedingungen eingesetzt würden.

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