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ZDFzoom: Zeitungen in Not - Was ist uns Journalismus noch wert?

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Derzeit schauen Verleger von über 5.000 Zeitungen und 50.000 Zeitschriften aus Europa nach Straßburg. Denn dort - so glauben sie - werde über ihre Zukunft entschieden.

Deutschland ist ein Zeitungsland mit weit über dreihundert Tageszeitungen. Doch die Branche steckt tief in der Krise. Werbeeinnahmen brechen weg, Leser gehen verloren – an das Internet.

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Das Europaparlament befasst sich am Donnerstag mit der Reform des Urheberrechts, konkret werden die Abgeordneten über ein europäisches Verlegerrecht abstimmen. Das soll Verlagen ermöglichen, für die Nutzung ihrer Beiträge im Internet durch Suchmaschinen Lizenzgebühren zu verlangen. Der Rechtsausschuss hat das zwar empfohlen, doch eine Mehrheit ist ungewiss.

Hoffnung auf Einnahmen im Netz

Besonders in Deutschland - mit weit mehr als dreihundert Tageszeitungen ein echtes Zeitungsland - versprechen sich viele Verlage zusätzliche Einnahmen, die sie für dringend nötig halten. Denn ihre Branche steckt tief in der Krise. Werbeeinnahmen brechen weg, Leser gehen verloren - ans Internet.

Durch das Internet gerieten die Zeitungsverlage zunehmend in eine Krise, die schleichend vor fast zwei Jahrzehnten begann. Heute sind viele Redaktionen halb so groß wie vor Aufkommen dieser Konkurrenz. Die Gesamtauflage der deutschen Tageszeitungen hat sich seit dem Jahr 2000 fast halbiert.

Leser wollen für digitale Nachrichten kaum zahlen

Inzwischen geht es um existenzielle Fragen: Wird es gedruckte Tagespresse in Zukunft noch geben? Warum lassen sich Nachrichten im Netz so schlecht verkaufen? Und: Lässt sich Qualitätsjournalismus überhaupt noch privatwirtschaftlich finanzieren? Verlage drängen natürlich selbst ins Netz. Doch dort verdienen sie kaum Geld – die wenigsten deutschen Leser sind bislang bereit, für Online-Nachrichten zu bezahlen. "Wenn dauerhaft Journalismus ein Kostenfaktor, aber kein wirklich gesundes Geschäftsmodell ist, dann wird es ihn in dieser Form nicht mehr geben und das ist gefährlich", warnt Mathias Döpfner als Präsident des Bundesverbands der deutschen Zeitungsverleger.

Presse von Facebook und Google abhängig?

Döpfner, der auch Vorstandsvorsitzender des Axel-Springer-Verlags ist, sieht die freie Presse zunehmend in eine Abhängigkeit von Facebook und Google geraten: "Dass heute das digitale Werbewachstum zu mehr als 90 Prozent, teilweise bis 99 Prozent bei Google und bei Facebook landet, zeigt, wie verzerrt der Markt ist."

Google sieht sich selbst hingegen als "wichtigen Partner" der Verlage, wie es Ralf Bremer von Google-Deutschland darstellt: "Wir helfen bei der Vermarktung von Werbeflächen auf den Webseiten der Verlage. Wir schütten da sehr viel Geld aus." Google besorge den Verlagen monatlich zehn Milliarden Klicks, leite also Leser auf die Web-Sites der Zeitungen: "Wir tun jede Menge für den Erfolg auch der Presseverlage und des Journalismus in Deutschland."

Zeitungen werden aufgekauft, Redaktionen fusioniert

Der Medienökonom Frank Lobigs von der TU Dortmund aber sieht die Presse-Verlage chancenlos unterlegen im Anzeigengeschäft, da Google und Facebook über weit mehr Daten der Nutzer verfügen: "Da sind die beiden Plattformen einfach Championsleague und die Regionalzeitungen noch nicht einmal Kreisliga."  So entstehe ein "neues Mediensystem". Folge des Spardrucks auf die Verlage ist eine große Marktkonzentration. Zeitungen werden aufgekauft, Redaktionen zusammengelegt. "Die Zahl der Hauptredaktionen nimmt zügig ab, immer mehr Bürger kriegen die Inhalte nur eines Anbieters, und damit fällt die Vielfalt der Meinungen", so Prof. Lobigs.

Nachrichtenwüsten in den USA

Damit wird das Problem der Zeitungen auch ein Problem für die Demokratie. Denn es sind vor allem die Tageszeitungen, die bis in die hintersten Winkel des Landes recherchieren. Nur sie berichten kontinuierlich auch lokal und regional.

Wo Zeitungen fehlen, entstehen echte Nachrichtenwüsten. In den USA hat ein solches Zeitungssterben bereits begonnen: "Nachrichtenwüsten sind Gegenden, aus denen kein Journalist mehr berichtet. Dort kann alles Mögliche vor sich gehen, ohne dass wir es mitbekommen", sagt  die bekannteste Medien-Kolumnistin Amerikas, Margaret Sullivan von der Washington Post.

Norwegen: Erfolgreiche Digitalisierung

Woanders gibt es landesweit Hoffnung für die Zeitungen. In Norwegen steigt die Auflage jeder zweiten Zeitung wieder; und dort bezahlen die Leser im weltweiten Vergleich am häufigsten für digitale Nachrichten. Etliche Verlage stehen kurz davor, ganz unabhängig von Werbung sein. Ihr Erfolg hat zwei Gründe: Sie setzen gezielt ganz auf die hyperlokale Berichterstattung. Und: Sie drängen ihre zahlenden Leser besonders erfolgreich vom Gedruckten ins Digitale.

In Norwegen haben die Leser begriffen, was vielen hierzulande noch nicht klar zu sein scheint: Guter Journalismus kostet nun einmal.

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