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Wissenschaftler warnen - Zu viel Mikroplastik im Boden

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In unseren Böden schlummert bis zu 20-mal mehr Mikroplastik als im Meer. Forscher haben nachgewiesen: Über die Nahrungskette kommt der Müll auch im menschlichen Körper an.

Bodenprobe im Labor
Bodenprobe im Labor
Quelle: ZDF/Michael Nieberg

Während in der EU Trinkhalme aus Plastik verboten werden und viele Städte über ein Verbot von Plastiktüten nachdenken, feiert die Kunststoffindustrie Absatzrekorde: Allein 2018 betrug der Umsatz in Deutschland mehr als 64 Milliarden Euro. Und von einer Trendwende ist wenig zu spüren. In einer Befragung des Gesamtverbandes der kunststoffverarbeitenden Industrie gaben 37 Prozent der Betriebe an, dass ihr Geschäft von der aktuellen Mikroplastik-Debatte überhaupt nicht beeinflusst werde.

Plastik im Garten und im Acker

Dabei wird immer deutlicher: Die Müllberge, die durch den immer noch steigenden Verbrauch von Kunststoffen entstehen, sind ohne Umweltschäden kaum noch zu bewältigen. Vor allem der Boden ist belastet. "Egal, ob ich in Ihrem Garten nach Mikroplastik suche oder auf der Wiese vor der Universität oder auf irgendwelchen Äckern - wir werden Mikroplastik finden", sagt Prof. Christian Laforsch von der Universität Bayreuth. Die Hauptquellen sind: Abrieb von Autoreifen, Verluste bei der Abfallentsorgung und Kunststoff im Biomüll - aber auch Granulate von Kunstrasenplätzen, die in die Landschaft verwehen.

Die Bayreuther Forscher haben jede Menge Plastikmüll auf Ackerflächen in der Landwirtschaft nachgewiesen. Daneben Mikroplastik im Kompost: Bis zu 900 Kunststoffpartikel fanden sie in einem Kilogramm. Pro Hektar Ackerfläche errechneten sie Belastungen von 150.000 Mikroplastikteilchen. Der in der Landwirtschaft verwendete Kompost wird einmal aus dem Biomüll der Haushalte gewonnen, er kommt aber auch aus Biogasanlagen, die Lebensmittelabfälle aus Supermärkten verarbeiten.

Verpackungen im Biomüll

Das Problem: Diese werden in der Regel inklusive Verpackungen als Biomüll angeliefert, so dass jede Menge Plastik mit in den Kompost und in die flüssigen Gärreste gelangt. Die Folge: Kompost ist fast immer mit Plastikmüll belastet.

Dabei gelten Kompost und Gärreste aus Biogasanlagen eigentlich als umweltfreundliche Alternative zu Kunstdüngern. Deshalb haben die Hersteller nun reagiert: In einer Selbstverpflichtung erklärten sie, die gesetzlich erlaubten Höchstmengen an Störstoffen freiwillig deutlich zu unterschreiten. 

Mülldetektive unterwegs

Und sie machen Druck auf die Städte und Gemeinden, die besseren Biomüll liefern sollen. Offene Türen finden sie zum Beispiel im nordrhein-westfälischen Soest. Wie in anderen Städten auch werden dort inzwischen "Mülldetektive" durch die Siedlungen geschickt. Sie sollen in Biomülltonnen herumschnüffeln und Plastiksünder ertappen. Für die kann es teuer werden: Tonnen mit Fehlwürfen wie Plastikbeutel oder Verpackungen bleiben einfach stehen und müssen gegen Aufpreis als Restmüll entsorgt werden.

Die Qualität des Biomülls müsse besser werden, sagt auch Jürgen Schrewe von der Entsorgungswirtschaft Soest GmbH (ESG). "Der Input ist entscheidend." Denn: "Wir sortieren zwar extrem viel aus, aber wir können nicht vermeiden, dass ein kleiner Teil durchrutscht."

Mikroplastik auch im menschlichen Kot

Die fast schon systematische Vermüllung unserer Landschaft bleibt auch für den Menschen nicht ohne Folgen. Über Regenwürmer zum Beispiel gelangt Mikroplastik in die Nahrungskette. An der Universität in Wien haben Forscher in einer ersten Pilotstudie Kotproben von acht Menschen aus aller Welt untersucht. Bei allen Probanden waren Mikroplastikpartikel zu finden: 20 Plastikteile in zehn Gramm Kot - das heißt pro Stuhlgang fanden sich etwa 200 Mikroplastikteile, vor allem von Verpackungskunststoffen.

Initiator der Studie war der Gastroenterologe Philipp Schwabl. Der größte Teil des Plastiks, der in den Körper gelangt, werde offenbar ausgeschieden, sagt er. Aber: "In Tierstudien hat man gesehen, dass kleinste Mikroplastikteilchen zu einem kleinen Grad auch aufgenommen werden können. Diese hat man zum Beispiel im Blut oder auch in der Leber oder in Lymphknoten gefunden."

Schwabl waren vor der Studie unerklärliche Entzündungen im Darm von Patienten aufgefallen. Seine bisher noch nicht bewiesene Vermutung: Sie könnten wegen kleinster Verletzungen durch Mikroplastik entstehen. Oder aber durch Giftstoffe, die mit dem Mikroplastik in den Körper gelangen.

Doku | planet e. - Vermüllt und verseucht - Böden in Gefahr

In unseren Böden liegt bis zu zwanzigmal so viel Mikroplastik wie im Meer. Granulate aus Sportplätzen, Müll im Kompost und der Abrieb von Autoreifen sind inzwischen überall zu finden. Hintergrundinformationen zur Doku finden Sie hier:

Videolänge:
28 min
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