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Überdüngung - Zu viel Nitrat: Trinkwasser könnte teurer werden

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Zu viel Gülle, zu viel Mineraldünger: Die Nitratwerte im Grundwasser sind in vielen Regionen Deutschlands alarmierend hoch. Seit Juni ist eine Düngeverordnung in Kraft, die die Umwelt besser schützen soll. Sie könnte allerdings auch dazu führen, dass Trinkwasser teurer wird.

Alles wird teurer, gefühlt gilt das auch für Trinkwasser. Jetzt schrecken die Versorger mit Meldungen auf, dass die Preise wegen der hohen Nitratbelastung im Grundwasser steigen könnten. Ein Blick auf die Preise und wie sie sich entwickeln könnten.

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Die gute Nachricht zuerst: Unser Trinkwasser gehört zu den bestkontrollierten Lebensmitteln in Deutschland. Doch das Umweltbundesamt warnt: Immer mehr Tiere in Massenställen produzieren riesige Mengen Gülle und Mist. Diese landen größtenteils als Dünger auf Äckern. Zudem werden auf Obst- und Gemüsefeldern Mineraldünger aufgebracht. Das übergroße Nitratangebot wird nur zum Teil von den Pflanzen verwertet. So sickert das überschüssige Nitrat mit dem Regenwasser ins Grundwasser.

Schon im Herbst 2016 verklagte die EU-Kommission Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof, weil das Grundwasser nicht ausreichend geschützt wird. Jahrelang ließ die Bundesregierung steigende Nitratwerte zu - sie liegen vielerorts über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter, wie sie eine EU-Richtlinie vorschreibt.

Düngeverordnung soll Nitratwerte senken

Mit einer am 1. Juni 2017 in Kraft getretenen neuen Düngeverordnung des Bundes soll die Nitratbelastung nachhaltig sinken. Demnach müssen die Düngemittel nun gezielt dem Nährstoffbedarf der Pflanzen angepasst werden. Zudem ist es verboten, zu bestimmten Zeiten im Spätherbst und Winter zu düngen.

Doch reichen diese Maßnahmen aus, um Schaden von Mensch und Umwelt abzuwenden sowie den Verbraucher vor steigenden Trinkwasserpreisen zu schützen? Die Grünen bezweifeln das. Die Partei will das Düngegesetz verschärfen und macht "sauberes und bezahlbares Trinkwasser" zu einem Schwerpunktthema im Bundestagswahlkampf.

Das Umweltbundesamt legt ganz aktuell eine Studie vor - darin geht es um die landwirtschaftlich verursachten Kosten und Maßnahmen, um Trinkwasser bereitzustellen. Dazu gehören:

1. Kooperationen zwischen Versorgern und Bauern
Derzeit gibt es in einigen Regionen Kooperationsmodelle von Wasserversorgern und Landwirten, um gemeinsam die Nitratbelastung einzudämmen. Ziel ist es, durch Beratung der Bauern oder Prämien von bis zu 200 Euro pro Hektar zu erreichen, dass die Bewirtschaftung das Grundwasser schont. Die Belastung geht zwar inzwischen erkennbar zurück, doch die Maßnahmen allein reichen nicht aus, um die EU-Richtlinie zu erfüllen.

2. Brunnen vertiefen, verlegen oder neu bauen

Gängige Praxis gegen hohe Nitratwerte im Wasser ist es, den Brunnen tiefer zu bohren und damit eine weniger belastete Wasserschicht anzuzapfen. Das kostet einen Wasserversorger etwa 42.000 Euro mehr pro Jahr. Ist auch das tiefer angebohrte Grundwasser schließlich zu stark belastet, muss ein neuer Brunnen gebaut werden. Die Mehrkosten liegen hier bei 55.000 Euro pro Jahr. Im Moment greifen diese Maßnahmen noch. Doch die Versorger müssen mancherorts noch größeren Aufwand betreiben.

3. Verfahren, um Nitrat zu entfernen
Verschiedene hochtechnische Verfahren sind die letzte Möglichkeit, um Nitrat aus dem Grundwasser zu entfernen. Die sogenannte Denitrifizierung kann mit Hilfe einer Umkehrosmose, einer Aktivkohle-Absorption oder einer Ozon-Oxidation durchgeführt werden. Das allerdings hat seinen Preis. Zusatzkosten von bis zu 76 Cent pro Kubikmeter Trinkwasser kämen auf den Verbraucher zu.

Umdenken erforderlich

Die Berechnungen des Umweltbundesamtes zeigen: Ein bundesweites "Reparieren" des Grundwassers würde jährlich bis zu 767 Millionen Euro kosten. Dies ließe den Trinkwasserpreis in Zukunft um bis zu 45 Prozent beziehungsweise um bis zu 134 Euro pro Jahr ansteigen - bezogen auf einen Drei-Personen-Haushalt. Im Vergleich dazu: Die Umsetzung der neuen Düngeverordnung  verursacht jährlich nur bis zu 111,7 Millionen Euro.

Die Entwicklung des Trinkwasserpreises hängt am Ende von einer Vielzahl von Faktoren ab. Eine wesentliche Rolle dabei spielen die Bauern, wie sie die neue Verordnung umsetzen. Aber genauso die Verbraucher. Solange sie Billigschnitzel aus Massentierhaltung verlangen, entstehen Unmengen Gülle, die auf den Äckern und schließlich im Grundwasser landen.

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