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Sonderabgabe auf Limos? - Schluss mit Zucker: Ärzte fordern Steuer

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Eine Limo zwischendurch - ist lecker, aber ungesund. Tausende Deutsche bringen zu viel auf die Waage und leiden unter Folgekrankheiten. Ärzte fordern nun eine Zuckersteuer.

Zuckersteuer
Quelle: ZDF

Die Limo hätte weniger Zucker. In Schulen gäbe es keine Cola-Automaten und auch keinen Hausmeister mit Schokoriegel-Angebot. Im Supermarkt wären Quengelkassen ebenso abgeschafft wie die Werbespots für überzuckerte Kinderprodukte im TV. Und Zutatenlisten von Lebensmitteln könnten Verbraucher ohne Fremdwörterbuch verstehen. So oder so ähnlich sähe die Zukunft aus, wenn ein Bündnis aus mehr als 2.000 Ärzten - darunter Eckart von Hirschhausen -, Fachorganisationen und Krankenkassen mit seinen Forderungen Gehör fände.

Zum Schutz der Menschen vor ungesunder Ernährung appelliert das Bündnis in einem am Mittwoch vorgestellten offenen Brief an die Bundesregierung, verbindliche Vorgaben zu machen. Die Unterzeichner sprechen sich für eine Zuckersteuer, verständlichere Kennzeichnungen, Werbeverbote und Standards für die Schul- und Kitaverpflegung aus. Nur damit könnten auch bildungsferne Schichten erreicht werden, hieß es - Aufklärung allein reiche nicht.

Verbandspräsident: Gesundheit der Menschen leidet drastisch

Die Forderungen stehen teils schon seit Jahren im Raum, bislang setzt die Bundesregierung aber auf freiwillige Vereinbarungen mit der Lebensmittelindustrie und Programme zur Ernährungsbildung. Auch die Industrie lehnt etwa eine Zuckersteuer als "Symbolpolitik" ab, krankhaftes Übergewicht hänge von vielen Faktoren ab, zum Beispiel dem Lebensstil.

"Wir haben einfach keine Geduld mehr", sagt deshalb der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVJK), Thomas Fischbach, in Berlin über die gemeinsame Initiative mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft, der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch, der Techniker Krankenkasse und dem AOK Bundesverband.

Die Ärzte sähen, dass die Gesundheit der Menschen in Deutschland drastisch leide, so Fischbach. "Bitte machen Sie ernst mit der Prävention von Adipositas, Typ-2-Diabetes und anderen chronischen Krankheiten", heißt es in dem offenen Brief. Das Bündnis weist darauf hin, dass in Deutschland 15 Prozent der Kinder und 60 Prozent der Erwachsenen als übergewichtig gelten. Zugleich erinnert es daran, dass Länder wie Finnland, Belgien, Großbritannien oder Frankreich bereits Steuern auf gezuckerte Getränke einführten. "In Sachen Prävention ist Deutschland ein Entwicklungsland", erklärte Fischbach.

Bei Kindern hat sich das Übergewicht verdreifacht, sagt der Mediziner und TV-Moderator Eckart von Hirschhausen. Es brauche auch eine Verantwortung von den Herstellern.

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Gegen die Folgeerkrankungen gebe es keine Tablette und keine OP, vorbeugen lasse sich am besten mit Bildung und auch staatlicher Lenkung, sagt der Arzt und TV-Moderator Eckart von Hirschhausen. Er wundere sich, warum man Deutschland bei dem Thema "so einen Eiertanz" mache - zumal Zucker ein gewisses Suchtpotenzial habe. Er rechne damit, dass es einen ähnlichen Verlauf geben werde wie bei der Einführung des Rauchverbots in Kneipen und Restaurants vor Jahren. Nach anfänglichem Aufschrei vermisse dort inzwischen niemand den Qualm.

Hersteller sehen keinen Handlungsbedarf

Die Einführung einer Steuer auf gesüßte Getränke könne ein Anreiz für Hersteller sein, den Zuckergehalt zu senken, wird im offenen Brief argumentiert. Die Einnahmen daraus ermöglichten es auch, Obst und Gemüse billiger zu machen. Erfahrungen aus Ländern wie Mexiko, Finnland und Frankreich zeigten darüber hinaus, dass mit dem höheren Preis auch der Konsum dieser Getränke zurückgehe.

Keinen Handlungsbedarf sehen hingegen die Hersteller: Die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke verweist darauf, dass der Konsum von Erfrischungsgetränken pro Kopf in Deutschland bereits von 125,5 Litern 2013 auf 113,9 Liter 2017 gesunken sei. "Wir als Lebensmittelwirtschaft benötigen keine Belehrungen von Interessensgruppen, weil wir seit Jahren handeln und beispielsweise stetig innovative Rezepturen entwickeln, bestehende optimieren und über Nährwerte und Inhaltsstoffe aufklären", erklärt der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft BLL. "Wir zeigen Verantwortung und sind dialogbereit."

BVKJ-Präsident Fischbach kontert dagegen: "Wir sind der Überzeugung, dass man nicht die Frösche fragen kann, wenn man den Sumpf trockenlegen will."

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