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Zukunft der Ölheizung - Was das Ölheizung-Aus für Eigentümer bedeutet

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Noch immer heizt jeder vierte Haushalt in Deutschland mit Öl. Ab 2026 sollen keine neuen Ölheizungen mehr verbaut werden. Welche Folgen hat das für Eigentümer?

Heizung
Öl-Heizsystem (Archivbild)
Quelle: imago/Panthermedia

Ölheizungen haben keinen guten Ruf. Und nach dem Beschluss des Klimakabinetts am 20. September sollen sie auch keine Zukunft mehr haben: Ab 2026 soll der Einbau neuer Ölheizungen deutschlandweit verboten werden. Tatsächlich wird es aber für Besitzer alter Ölheizungen viele Wege geben, auch weiterhin mit Öl heizen zu können - vorausgesetzt sie investieren zumindest teilweise in neue Technik.

Wenige bestreiten, dass die Ölheizung von den gängigen Heizungsarten eine der unsaubersten ist. Mit Ausnahme von Braunkohle produziert kein anderer Energieträger mehr CO2 pro Megawattstunde (MWh): im Schnitt 2.792 Kilogramm CO2-Äquivalent pro 8 MWh. Gas, der in Deutschland beliebteste Energieträger zum Heizen, produziert rund 2.400 Kilogramm.

Hybridheizungen als Lösung: Öl plus erneuerbare Energien

Neue Technologien ermöglichen zwar einen deutlich effizienteren Betrieb, erfordern aber oft teure Investitionen: Öl-Brennwertkessel, teure Synthetik-Heizstoffe oder Kombinationsanlagen mit erneuerbaren Energieträgern. Alle diese Umrüst-Optionen werden auch über 2026 hinaus den Weiterbetrieb von Ölheizungen erlauben.

Das von den Heizungsherstellern finanzierte Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO) sieht für Besitzer von alten Ölheizungen noch "keinen Handlungsdruck" und verweist auf Kombinationsanlagen: Auch über 2026 hinaus sei der Betrieb bereits vorhandener Ölheizungen weiterhin möglich. Beim Einbau neuer Öl-Heizungen werde es dann aber erforderlich, ebenfalls erneuerbare Energien wie etwa Solaranlagen einzuplanen. "Es ist wichtig, dass möglichst viele Optionen anerkannt werden und sie für Hauseigentümer auch finanziell umsetzbar sind", fordert ein Sprecher.

"maybrit illner“ mit dem Thema "Zahltag für den Klimaschutz – viel Geld, wenig Wirkung?" vom 19. September 2019.

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64 min
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Vor allem in ländlichen Regionen verbreitet

Typischerweise ist eine Ölheizung heute im ländlichen Raum und in strukturschwachen Regionen in Benutzung. Deutschlandweit heizt noch immer jeder vierte Haushalt mit Öl – regionale Unterschiede sind dabei immens. Und vor allem ist es ein weitgehend westdeutsches Problem: in den ostdeutschen Bundesländern liegt der Anteil von Ölheizungen zwischen 10,7 und 16,2 Prozent. Schon zu DDR-Zeiten war es dort ungewöhnlich, mit Öl zu heizen. Bereits heute ist der Einbau von Ölheizungen in Neubauten selten: 2018 wurde laut Statistischem Bundesamt lediglich noch in 0,6 Prozent aller Neubauten eine Ölheizung in Betrieb genommen.

Am weitesten verbreitet sind Ölheizungen in Bayern entlang der tschechischen Grenze, in Nordhessen und in der Region Trier – dort werden 55,7 Prozent der Heizungen mit Öl betrieben. Ölheizungen seien vor allem in Ein- und Zweifamilienhäusern an Stadträndern und in ländlichen Regionen zu finden, betont das industrienahe IWO. "Sie stehen vor allem in Gebieten ohne Anbindung an Gas- oder Fernwärmeleitungen." Besitzer haben darum oft nicht die freie Wahl, welche Heizungsart sie gerne einbauen möchten. Heizungshersteller Bosch Thermodynamik sieht darum Hybridheizungen als "eine Lösung für bezahlbaren Wohnraum im ländlichen Raum – auch in schwach gedämmten Bestandsgebäuden".

40 Prozent Zuschuss bei Umbaumaßnahmen

Zur Unterstützung von Eigentümern plant die Bundesregierung eine 40-prozentige staatliche Förderung von Umrüstausgaben bei Heizungen. Laura Vorbeck, Energie-Expertin bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, weist darauf hin, dass das auch Infrastrukturkosten wie den Rückbau eines Öl-Tanks umfasst und nicht nur den Austausch der Heizung selbst. Bosch Thermodynamik bewertet vor allem die steuerliche Absetzbarkeit von 20 Prozent verteilt über drei Jahre positiv. "Das ist der Hebel, der der Heizungsmodernisierung den notwendigen Schwung geben wird", betont ein Pressesprecher.

Es sollten aber nicht nur Betreiber alter Ölheizungen über Maßnahmen nachdenken, ergänzt die Verbraucherzentrale. Durch die von der Bundesregierung ebenfalls geplante CO2-Bepreisung würden alle Energieträger langfristig teurer. "Bereits die Modernisierung der Heizung und eine Optimierung des hydraulischen Abgleichs verringert den Energieverbrauch teilweise wesentlich." Zusätzliche Preissteigerungen speziell für die Betreiber von Ölheizungen, etwa weil deutschlandweit immer weniger Anbieter solche Systeme verkauften oder Serviceleistungen anböten, erwarten die Verbraucherschützer nicht.

Die Deutsche Energie-Agentur (DENA) hat die durchschnittlichen Kosten der Umrüstung einer Ölheizung berechnet: im Schnitt 8.000 Euro für einen neuen Brennwertkessel ist die günstigste Option, eine zusätzliche Solaranlage schlage mit 5.000 Euro zu Buche. Nur mit einer solchen Kombinationsanlage wären Öl-Heizer auch über 2026 hinaus zukunftssicher. Wärmepumpe oder Pelletheizung würden jeweils mehr als 20.000 Euro kosten, bringen aber auch die geringsten CO2-Emmissionen. Auf welche Heizungsart Eigentümer idealerweise umsteigen sollten, könne nicht pauschal gesagt werden. "Das ist auch stark abhängig vom Gebäude selbst und vielen weiteren Bedingungen. Es ist auf jeden Fall empfehlenswert, eine Energieberatung der Verbraucherzentrale in Anspruch zu nehmen", so Laura Vorbeck.

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