ZDFheute

Pauschalurlaub: Wohin geht die Reise?

Sie sind hier:

Nach Thomas-Cook-Pleite - Pauschalurlaub: Wohin geht die Reise?

Datum:

Deutsche mögen Pauschalreisen. Die Insolvenz von Thomas Cook könnte das etwas trüben - die Branche aber ist optimistisch, dass diese Reiseform erhalten bleibt.

Archiv: Touristen in einer Hotelanlage in Griechenland am 22.07.2015
Alles organisiert: Pauschalreisen
Quelle: dpa

36 Milliarden Euro haben die Deutschen im vergangenen Jahr für Pauschalreisen ausgegeben, das entspricht 53 Prozent des Umsatzes mit Reisen in Deutschland. Gut 40 Prozent der Reisen von mehr als fünf Tagen werden in Deutschland pauschal gebucht und das in einem wachsenden Markt - das zeigt die jährliche Studie der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen, die seit etwa 50 Jahren erstellt wird.

Beliebte Urlaubsorganisation

Diese Form der Urlaubsorganisation sei beliebt und in ihrem Anteil stabil, sagt Michael Lohmann, der als Geschäftsführer des Kieler Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa diese Studie erstellt. Es gebe dabei regionale Unterschiede: So sind vier Fünftel der Reisen, die in Länder rund ums Mittelmeer gehen, Pauschalreisen. "Es ist viel einfacher, die Leistungen vom Reiseveranstalter zu kaufen, eine Mallorca-Reise zum Beispiel für zwei Wochen im Sommer, da hat der Veranstalter alles vorgebucht, ausgesucht, und bekommt günstigere Preise, als wenn man direkt bucht."

Durch die Pleite des Reiskonzerns Thomas Cook kommt die Tourismusbranche in mehreren Ländern in Schwierigkeiten. Ungeklärt ist, wer den Hotels offene Rechnungen zahlt.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Es ist also zum einen die einfache Organisation, aber auch eine Preisfrage. Das erklärt, warum Pauschalreisen auch bei jungen Leuten hoch im Kurs stehen. Zwar sieht eine Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov die jungen Menschen eher als "Digitalreisende", die alle Möglichkeiten der Reisebuchung haben und diese nutzen.

Allerdings hat sich die Branche eingestellt auf die Anforderungen der Kunden. Die möchten nämlich nicht mehr die Einheitsleistung, sondern ihre Angebote möglichst individuell zusammenstellen: "Es gibt nicht mehr das eine Produkt von der Stange, sondern die Reiseveranstalter bieten dem Kunden an, individuell ihre Reise zusammenzustellen, das aus einer Hand aus einem Komplettpaket", sagt Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbands (DRV).

Kunden fühlen sich sicherer

Das schätzen vor allem junge und ältere Kunden, während in der Altersgruppe zwischen 30 und 45 Jahren die Pauschalreise weniger nachgefragt wird: "Das ist ein touristisches Segment, wo die Reiseveranstalter keine große Rolle spielen", sagt Tourismusforscher Lohmann - denn das sei bei vielen Menschen die Phase, in der die Familien wegen der Kinder anders reisten und häufig nähere Reiseziele besuchten. "Jüngere Erwachsene, die ungebundener sind, und ältere Erwachsene, die auch ungebunden sind, reisen dann ans Mittelmeer oder unternehmen Fernreisen, die entweder aus Gründen der Organisation, der Kosten oder der Sicherheit beim Reiseveranstalter besser aufgehoben sind."

Sicherheit ist dabei in zweierlei Hinsicht zu verstehen: Denn auf Fernreisen fühlen sich die Menschen auch etwa gegen terroristische Anschläge bei einem Veranstalter besser aufgehoben. Und die Pauschalreise bietet auch Sicherheit in finanzieller Hinsicht. Nur diese Art des Urlaubens abgesichert ist gegen die Insolvenz des Reiseveranstalters oder der Fluggesellschaft, mit der der Kunde ans Ziel gebracht wird. Dazu erhalten die Kunden bei der Buchung den sogenannten Sicherungsschein. Doch die Höchstsumme, mit der ein Reiseveranstalter das Risiko der Insolvenz absichern kann, liegt bei 110 Millionen Euro.

Steigende Kosten möglich

Ob diese Summ ausreicht für einen so großen Fall wie den von Thomas Cook, ist fraglich, auch wenn die deutsche Tochtergesellschaft nicht Insolvenz angemeldet hat. Sollte es dazu kommen, müsse man wohl damit rechnen, dass die Kunden nur einen Teil ihrer Kosten zurückerhalten, vermutet Lohmann. "Das ist natürlich ärgerlich, und es ist eigentlich nicht das, was man als Kunde unter 'Sicherung' verstanden hat." Dennoch rechnet er nicht damit, dass dies das Buchungsverhalten künftig ändern werde: "Man hätte auch erwarten können, dass die Modelle eines Autoherstellers nicht mehr gekauft werden, der mit seiner Abgassoftware betrogen hat", meint Lohmann.

Das werde grundsätzlich eher nicht dazu führen, dass die Kunden Pauschalreisen ablehnten. Allerdings könnte auch die Bundesregierung darüber nachdenken, ob sie die Höchstsumme für die Absicherung erhöht. Einen Forschungsauftrag hat sie schon in Auftrag gegeben, der die Gesetzeslage überprüft. Aus der Branche ist wiederum zu hören, dass eine höhere Absicherung auch steigende Kosten bedeute. Und die könnten sich dann in einem höheren Reisepreis niederschlagen.

Kreuzfahrten boomen

Ein weiteres Argument spricht für ein Fortbestehen der Pauschalreise: Kreuzfahrten. Die erleben seit Jahren einen Boom, auch wenn die absoluten Zahlen noch gering sind: 2,5 Prozent der Reisen sind Kreuzfahrten, immerhin machen sie aber schon 13 Prozent des Umsatzes aus. Doch in den letzten 20 Jahren ist die Zahl der Passagiere um 880 Prozent gewachsen, und der Boom ist trotz Umweltbedenken ungebrochen.

Die Reedereien achteten sehr stark darauf, die neuen Schiffe möglichst umweltschonend auszustatten, ist aus er Branche zu hören. Die Veranstalter hoffen darauf, dass das Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Tourismusforscher Lohmann äußert sich jedoch skeptischer: Die Aufmerksamkeit sei noch nicht gerechtfertigt, weil die Deutschen deutlich mehr Urlaubsreisen mit dem Bus buchten oder nach Mallorca.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.