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Ende der eigenen Behörde - Stasi-Unterlagen sollen ins Bundesarchiv

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Die Sicherung des Stasi-Archivs soll helfen, aus der Geschichte zu lernen. Jetzt gibt es neue Überlegungen für die Zukunft.

Michael Hollmann (l.) und Roland Jahn.
Michael Hollmann (l.) und Roland Jahn.
Quelle: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Knapp 30 Jahre nach dem Mauerfall zeichnet sich das Ende der Stasi-Unterlagen-Behörde ab. Für die Millionen geretteter Akten, Filme, Fotos und Tonaufzeichnungen soll künftig das Bundesarchiv verantwortlich sein. "Das Recht auf den Zugang zu den Akten bleibt unverändert", betonte der Bundesbeauftragte Roland Jahn.

Jahn stellte gemeinsam mit dem Chef des Bundesarchivs, Michael Hollmann, das Konzept zur Zukunft des Archivs vor. Darüber muss nun der Bundestag entscheiden.

Digitalisierung in ehemaliger Stasi-Zentrale

Der frühere DDR-Oppositionelle Jahn sagte: "Den Bundesbeauftragten wird es so nicht mehr geben." Mit der Überführung der Akten in das Bundesarchiv sollten Kompetenzen, Technik und Ressourcen gebündelt werden, um die jahrzehntealten Papiere dauerhaft zu sichern und den Diskurs über die gesamtdeutsche Geschichte weiter zu führen. Hollmann versicherte, das Archiv mit den Stasi-Papieren werde unter dem Dach des Bundesarchivs eigenständig sichtbar sein.

Das Konzept wurde an Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble übergeben. Danach soll in der früheren Stasi-Zentrale in Berlin ein Kompetenzzentrum mit Werkstätten zur Restaurierung und Digitalisierung der Akten entstehen. Dort sollen künftig auch die überlieferten Unterlagen von DDR-Behörden und der Stiftung Parteien und Massenorganisationen deponiert werden, die das Bundesarchiv bislang an anderen Standorten bündelte. Ziel ist ein Archivzentrum zur SED-Diktatur.

In den ostdeutschen Bundesländern soll es je einen Archivstandort geben, an dem die Akten fachgerecht aufbewahrt werden können. Dafür seien Neubauten notwendig. Hollmann sprach von mindestens zehn bis zwanzig Millionen Euro Finanzbedarf.

15.000 Säcke mit zerrissenen Papieren

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erklärte, mit dem Konzept werde das Erbe der friedlichen Revolution vom Herbst 1989 dauerhaft bewahrt. Bürgerrechtler hatten damals die massenhafte Vernichtung von Stasi-Akten gestoppt und so den Grundstein für die Stasi-Unterlagen-Behörde gelegt. Die Aufarbeitung des SED-Unrechts werde zukunftsfest gemacht.

Ein ähnliches Papier hatte eine Expertenkommission Ende 2015 erarbeitet. Die Pläne, die eine Stiftung vorsahen, wurden nach heftiger Diskussion aber letztlich nicht weiter verfolgt. Opferverbände hatten eine Abwicklung der Behörde befürchtet. Jahn und Hollmann wurden vom Bundestag beauftragt, eine neue Strategie zu erarbeiten.

Zur Hinterlassenschaft der DDR-Geheimpolizei gehören allein 111 Kilometer Schriftgut. Zudem gibt es rund 15.000 Säcke mit zerrissenen Papieren, die Stasi-Offiziere nicht mehr ganz vernichten konnten. Im vergangenen Jahr wurden bei der Stasi-Unterlagen-Behörde rund 45.000 Anträge auf persönliche Akteneinsicht gestellt; das waren rund 3.000 Anträge weniger als 2017, wie es im ebenfalls an den Bundestag übergebenen Tätigkeitsbericht des Bundesbeauftragten heißt. Seit 1992 wurde rund 3,2 Millionen Mal beantragt, in Unterlagen zu schauen, die die Stasi heimlich über Menschen anlegte.

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