Sie sind hier:

Manipulierte Abgaswerte - Wie der Dieselskandal die E-Mobilität antreibt

Datum:

Manipulierte Abgaswerte für Dieselfahrzeuge sind kein rein deutsches Problem. Bei nahezu allen Herstellern finden sich sogenannte Abschalteinrichtungen. Aber klar ist: Die Dieselkrise ist ein wichtiger Grund, warum die Elektromobilität in den nächsten Jahren deutlich zulegen wird.

Autokäufer in Deutschland sind nach Einschätzung der Tankstellenkette Aral deutlich skeptischer beim Kauf eines Diesels als 2015. Der Benziner ist in der abgefragten Käufergunst stark gestiegen, auch Hybrid-Motoren erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Das Problem betrifft die gesamte Branche: Ermittlungen gegen PSA Peugeot Citroen und Renault in Frankreich, Vorwürfe gegen Fiat - das sind nur einige der ausländischen Hersteller, die ebenso wie deutsche getäuscht und getrickst haben, um die Dieselabgase in Tests besser scheinen zu lassen als sie tatsächlich sind. Gegen Fiat-Chrysler hat die Regierung der USA deshalb Klage eingereicht. Auch das Kraftfahrtbundesamt hatte schon im Mai 2016 bei Tests des Fiat 500X, des Fiat Doblo und des Geländewagens Jeep Renegade festgestellt, dass die Abgasreinigung nach jeweils 22 Minuten vollständig abschaltete - ein offizieller Testzyklus dauert 20 Minuten.

Andere Länder, andere Betrüger

In Emissionstests der Deutschen Umwelthilfe nimmt der Fiat 500X mit Zwei-Liter-Motor einen unrühmlichen zweiten Platz ein beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx). Deshalb hatte auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) den Hersteller scharf kritisiert. Mitte März übergaben dann französische Ermittler ihre Untersuchungen gegen Renault an Untersuchungsrichter: "Die Erkenntnisse lassen den Verdacht zu, dass ein betrügerisches System installiert wurde, das die Funktion des Motors so verändert, dass die Stickoxidemissionen während der Zulassungstests sinken und somit die vorgeschriebenen Obergrenzen einhalten", begründeten sie ihr Vorgehen. Betroffen ist unter anderem der Renault Captur und der Clio IV.

Auch gegen PSA Peugeot Citroen gehen die Ermittler vor: Die französische Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen des Verdachts auf Abgasmanipulation bei Dieselfahrzeugen eingeleitet.

"Bei allen Dieselantrieben sind die realen Fahrwerte jenseits von Gut und Böse"

Ford schien bisher eine reine Weste zu haben - aber auch gegen die Amerikaner hat das Kraftfahrtbundesamt vor wenigen Tagen Ermittlungen eingeleitet. Es geht dabei um den Ford Mondeo. Von den asiatischen Herstellern sind es vor allem Hyundai, Kia, aber auch Nissan mit seinem Geländewagen, die in den vergangenen Jahren ins Visier der Ermittler kamen. "Bei allen Dieselantrieben sind die realen Fahrwerte jenseits von Gut und Böse", urteilt Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. "Es ist schwer verständlich, warum die deutsche Politik die Vergünstigungen für den Diesel nicht abschaffen möchte", kritisiert Jürgen Pieper, Autoexperte des Bankhauses Metzler.

Toyota hatte schon vor zwei Jahren aus Anlass des Dieselskandals entschieden, künftig keine Dieselmotoren mehr zu entwickeln. Das hat allerdings einen wesentlichen Grund: Dieselfahrzeuge werden vor allem in Europa gefahren. "Das aber ist für die Japaner ein zu kleiner Markt", erklärt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule für Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Für Toyota ist der asiatische, vor allem chinesische Markt wichtiger, aber auch der amerikanische. Und dort sind Elektrofahrzeuge im Auftrieb.

E-Autos auf der Überholspur

Im ersten Halbjahr wurden in China 195.000 E-Autos abgesetzt, 14 Prozent mehr als im Vorjahr, hat das CAM in einer aktuellen Studie festgestellt. Der Marktanteil liegt aber immer noch bei bescheidenen 1,5 Prozent (nach 1,3 Prozent ein Jahr zuvor). China will diese Quote aber vom kommenden Jahr an auf zunächst acht Prozent steigern. "Das Land wird deshalb wohl Leitmarkt für die Elektromobilität bleiben", sagt Bratzel. Das dürfte einen kräftigen Schub nicht nur für die chinesische Produktion bedeuten, sondern auch Effekte auf ausländische Hersteller haben.

Noch werden laut Studie die meistverkauften E-Fahrzeugmodelle von chinesischen Herstellern gebaut Die Zahl der Plug-In-Hybride ging jedoch zwischen Januar und Juni um mehr als 20 Prozent zurück - die Zukunft scheint den reinen E-Autos zu gehören. Die USA sind der zweitgrößte Markt für Elektromobilität mit gut 87.000 verkauften Elektroautos, das ist gut ein Drittel mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. In der Rangliste folgen dann Japan und Norwegen. In Deutschland wurden im ersten Halbjahr nur knapp 22.500 E-Autos verkauft wurden - das war aber immerhin ein Plus von 114 Prozent und eine Verdoppelung des Marktanteils von 0,6 auf 1,3 Prozent. Allerdings sind hierzulande Plug-In-Hybride noch beliebter als reine Elektroautos.

E-Mobilität wird erst 2020 richtig steigen

Die weltweite Dynamik in den Neuzulassungen von Elektroautos dürfte aber erst von 2020 an massiv steigen, vermutet Bratzel: Denn dann dürften sich die Herstellkosten für Verbrennungsmotoren wegen sich verschärfender Umweltauflagen signifikant verteuern, während die Kosten für Elektrofahrzeuge vor allem wegen günstigerer Batteriezellkosten deutlich sinken. 2025 erwartet Bratzel deshalb bis zu 25 Prozent bzw. 25 Millionen jährlich neu zugelassener Elektroautos weltweit.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.