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20 Jahre nach tödlichem Unfall - Wie Dianas Tod das Königshaus veränderte

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Diana, Königin der Herzen. Eigentlich war sie nie richtig verschwunden. Aber gerade ist sie wieder ganz schön lebendig. Rache ist süß. Auch 20 Jahre nach ihrem Tod spukt Diana durch Großbritannien und das Königshaus.

Alle Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehsender kramen die ältesten Geschichten aus, sammeln neue Interviews, erzählen die allen bekannte Mär noch einmal neu. Die von der welpenäugigen, adligen Kindergärtnerin, die Königin werden sollte. Märchenhaft hätte alles sein können und barg doch so viele Enttäuschungen. Der Prinz und das Leben spielten ihr übel mit und am Ende starb die Prinzessin, nicht der Bösewicht.

Das Volk verzieh das nie. Es hatte sich in ihr wieder gefunden. Sie sei "die erste in der königlichen Familie gewesen", so sagt Tony Blair, "von der die Leute das Gefühl hatten, sie verhalte sich wie ein normales menschliches Wesen". Daran erinnern sich jetzt alle wieder und bohren den Stachel, den Diana in der königlichen Familie hinterlassen hat, noch einmal tiefer.

Gefühlsschock in Großbritannien

Irgendwie hatten alle das Gefühl, sie gekannt zu haben, die unglückliche Prinzessin. Kein Wunder. 16 Jahre lang beherrschte sie die Boulevard-Presse, jede Klamotte, jeder Schritt, jedes Lachen, jeder unglückliche Blick von unten, jedes noch so unwahrscheinliche Gerücht - alles wurde hergezeigt, herausposaunt. "Es ist schwer einzuschätzen, inwieweit sie Großbritannien verändert hat", sagt der Königsexperte Robert Jobson. "Auf jeden Fall hat ihr Tod bewirkt, dass die angeblich typisch britische Ungerührtheit dahin war. Erwachsene Männer weinten auf der Straße um eine Frau, die sie nie getroffen hatten. Die Briten zeigten zum ersten Mal öffentlich ihre Gefühle."  Wie sie es von ihr gelernt hatten.

Diana Zimmermann
Diana Zimmermann, ZDF-Studio London Quelle: ZDF

Schließlich war es Diana, die ihr persönliches Unglück zur Schau gestellt hatte, die die Grenzen zwischen Privatem und Öffentlichem verwischte, lange vor Facebook - was sie sicher geliebt hätte, diese herrliche Methode, Menschen genau das über sich zu erzählen, was man erzählt haben will. Den trauernden Briten aber war es nicht genug, öffentlich zu weinen, sie verlangten dasselbe vom Königshaus. Das war revolutionär. Und brachte die Monarchie in eine tiefe Krise. Eine wahre Bedrohung für die Stabilität, für das Lebenswerk der Queen, über Jahrzehnte aufgebaut durch Disziplin und Selbstverleugnung. Gefährdet ausgerechnet durch den Tod dieser Frau, die ihr so unähnlich war. Die Erfüllung vor Pflichterfüllung setzte, persönliches Glück vor den zu wahrenden Schein.

Revolutionäre Trauer

Erst nach dem Unfall kamen die Queen, Prinz Philip und die beiden Prinzen aus Balmoral nach London. Erst nachdem der Boulevard es lauthals forderte, entschloss sich der Palast, den Union Jack auf Halbmast wehen zu lassen. Als sich Elizabeth am 5. September an ihr Volk richtete, sprach sie als "Königin und Großmutter" und zollte Diana Anerkennung für ihre "Wärme und Liebenswürdigkeit". "Ich bewundere und respektiere sie (...) für ihre Energie bei Verpflichtungen für Andere, speziell die Hingabe für Ihre beiden Jungs."

Dianas Söhne sind zum 20. Todestag ihrer Mutter offensiv an die Öffentlichkeit gegangen. In der BBC-Dokumentation "Dianas Tod - Sieben Tage, die die Welt bewegten" berichten sie tapfer, sie seien froh, an der Trauerfeier teilgenommen zu haben, auch wenn es "das Schwierigste war, das ich je getan habe", wie William sagt. Der damals 15-Jährige und sein 12-jähriger Bruder mussten hinter dem Sarg ihrer Mutter herlaufen, vor den Augen der ganzen Welt, während in der trauernden Menge Menschen weinten oder auch schrien, wie Harry sich noch immer mit Schaudern erinnert. Er, das Kind der Toten, der Prinz, durfte nicht weinen.

Neue Offenheit

Vielleicht sieht man daran, wie sehr die Welt sich gewandelt hat. Heute würde die königliche Familie nicht mehr auf die Idee kommen, ihren Kindern so etwas anzutun. "Der Tod einer Mutter zerstört einen oder hält einen auf dem rechten Weg. Ich wollte nicht, dass es mich zerstört, sondern dass es mich stärker macht, ich wollte, dass sie stolz ist, auf die Person, die ich werden würde. Sie sollte nicht Angst haben, dass William oder Harry über ihren Tod verzweifeln", sagt der künftige König.

Doch Harry war vom Tod seiner Mutter so verstört, dass er als Erwachsener deswegen in Therapie ging. Als er das kürzlich erzählte, sorgte es natürlich für einige Aufregung, schließlich kommt der Mann aus einem Haus, in dem immer galt: "never complain, never explain".

Unerbittliche Medien unerbittlich genutzt

Auch aus Dianas Geschichte mit den Medien haben die Prinzen gelernt. Heute ist ihr Pressekontakt wohldosiert, mit klarer Botschaft, aber doch so natürlich wie es eben geht. Wer den Mini-Royals auflauert oder unerlaubte Bilder von Kate macht, wird verklagt. Seitdem Harrys wilde Jahre vorbei sind, bieten die Royals keinen Anlass zur Aufregung, doch die Erinnerung an Zeiten, in denen sich auch die Kinder der Prinzessin verfolgt fühlten, ist lebendig. Harry klagt in der BBC-Dokumentation darüber, dass die Fotografen, die Diana in den Pariser Tunnel gejagt hatten, dieselben waren, die dann Fotos der sterbenden Prinzessin machten.

Die Wut über die Klatschpresse ist deutlich, die Botschaft auch: ich habe nicht vergessen, was ihr uns angetan habt. Das ist der Diskurs seiner Mutter, die sich gerne über die gnadenlose Presse beklagte und sie doch gnadenlos für ihre Zwecke nutzte. Vor allem den, Rache an Charles zu üben. Dickie Arbeiter war damals Pressesprecher der Queen: "Ja, Diana war ein bisschen manipulativ. Sie fand, die Presse sollte da sein, wenn es ihr passte und auch wieder verschwinden, wenn es ihr passte. Aber das funktioniert natürlich nicht."

Immerhin schaffte sie es mit ihrer Pressearbeit, die Königlichen zu Normalsterblichen zu machen und sich zur Prinzessin des Volkes. Sie war wie alle anderen. Nicht perfekt, emotional, leidend. Ihre scheinbar unschuldig in verschiedenen Interviews hingeworfenen Sätze über Charles, sein ungeschicktes Werben, seinen Verrat, seine mangelnde Eignung als König hallen immer noch nach. Vielleicht wäre er auch ohne Diana nie der Liebling der Engländer geworden, durch sie aber nahm der Mann, der wohl König werden wird, erheblichen Schaden.

Wohltätiges Erbe

Auch nutzte Diana die Presse dafür, um auf andere Leidende aufmerksam zu machen. Sie schritt mutig durch ein gerade von Landminen geräumtes Feld. Sie war am besten, wenn sie helfen konnte. Denn sie fühlte mit den Schwachen und den Ungeliebten.

Vor Kensington Palace liegen in diesen Tagen bisher nur ein paar Blumensträuße, einige Fotos und Plakate sind aufgehängt und ein paar sehr treue Menschen sind gekommen. Eine sagt, sie habe beim Tod Dianas mehr geweint als bei dem ihrer Mutter. Eine andere hat ihre Kinder Frances und Diana genannt. Eine dritte schluchzt, die Söhne führten ja Gottseidank das Erbe der Mutter fort.

Auch wenn die Queen jeden Tag Jahres langen Lebens mehr verehrt wird, so sind William und Harry doch die Stars, weil sie vieles von dem, was ihre Mutter ausmachte, sehr ernst nehmen. Eine Mehrheit der Briten wünscht sich William als nächsten König, auf Kosten von Charles. Die Jungs verkörpern das Offene, Natürliche, das Mitfühlende, überhaupt das Gefühlige, das Diana in das britische Königshaus getragen hat.  Doch auch wenn Diana Großbritannien in einigen Punkten verändert haben mag: Die Thronfolge gehört nicht dazu.

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