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Zum Abschuss freigegeben - Botsuana hebt Jagdverbot auf Elefanten auf

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Botsuana will eine gewisse Anzahl von Elefanten im Jahr für die Jagd freigeben. Während Tierschützer weltweit reflexartig aufschreien, sehen afrikanische Wissenschaftler Vorteile.

Seit diesem Jahr ist sie wieder erlaubt: die Elefantenjagd in Botsuana. Erst 2014 war sie in dem afrikanischen Land verboten worden. Inzwischen hat sich der Elefantenbestand erhöht. Die Tiere kommen immer näher an die Siedlungen.

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Der Chobe-Nationalpark in Botsuana ist ein Wildlife-Paradies, ein Ort, an den die Touristen in Scharen kommen. Besonders majestätisch sind die Elefanten, die sich dort in rauen Mengen tummeln. Botsuana hat die größte Elefantenpopulation Afrikas, Schätzungen zufolge zwischen 130.000 und 160.000 Tiere - und sie vermehren sich prächtig.

Genau das ist das Problem. Immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen Mensch und Tier, unter denen vor allem die ländliche Bevölkerung leidet. Die Elefanten fressen sich durch die Felder von Kleinbauern und zertrampeln, was sie nicht fressen.

"Elefanten machen Menschen arm"

"Die Elefanten kommen jeden Tag, sie sehen hier die Spuren. Wir sollten eigentlich im Mai ernten, doch es gab nichts mehr zu ernten. Sie haben alles kaputtgemacht", sagt Daniel Chiswaniso Jeremia, ein Kleinbauer in Kasane.

Er versucht, seine Felder mit Zäunen zu schützen, doch die trampeln die Elefanten immer wieder nieder, selbst einfache Elektrozäune, denn ihre Stoßzähne schützen sie vor einem Stromschlag. Die Reparaturen sind teuer, gleichzeitig verliert der Farmer seine Ernte. Inzwischen weiß er nicht mehr, wie es weitergehen soll: "Mein Leben geht bergab, durch die Elefanten. Ich meine damit, sie machen Menschen arm. Ich bin jetzt arm," sagt Daniel Chiswaniso Jeremia.

Elefanten dringen auch in Wohngebiete vor

Doch das ist nicht das einzige Problem. Immer wieder kommt es zu Zusammenstößen zwischen Mensch und Elefant, die im Einzelfall tödlich enden, denn die Tiere laufen auf der Suche nach Nahrung und Wasserquellen auch in die Wohngebiete. Dorcus Shamukuni lebt mit ihrer Familie in Kasane. Ihr Bruder Merafhe wurde im April 2019 von einem Elefanten getötet. Nur durch die Ermittlungen der Polizei, die die Spuren auswertete, weiß die Familie in etwa, was passiert ist. Merafhe Shamukuni war alleine auf dem Weg nach Hause, als ihn plötzlich ein Elefant angriff.

Dorcus Shamukuni erzählt, "er hat versucht wegzulaufen, aber da waren wohl auch andere Elefanten." Er sei die Treppe runter gerannt und habe versucht, sich in den Büschen zu verstecken, aber sie hätten ihn von dort, wo er sich versteckt habe, herausgezogen und getötet. Ein Elefant sei auf Shamukunis Brust getreten, er habe ihm auch beide Arme und Beine gebrochen.

Karte: Botsuana
Karte: Botsuana
Quelle: ZDF/ Vu Minh

Mit dem Verweis auf eben diesen Konflikt hat Botsuana ein seit fünf Jahren geltendes Jagdverbot aufgehoben. Ab sofort sollen 400 Tiere im Jahr geschossen werden dürfen. Angesichts der Anzahl der vorhandenen Tiere und der Wachstumsrate von geschätzt sechs Prozent würden sich die Elefanten trotzdem weiter vermehren, sagen Experten. Sie befürworten daher im Fall von Botsuana eine regulierte Jagd.

Konflikt wird trotzdem langfristig verschärft

"Die Auswirkungen werden positiv sein. Botsuana hat sich komplett verpflichtet, dass die Einnahmen aus der Trophäenjagd der Bevölkerung zugutekommen", erklärt Tom Milliken von der Naturschutzorganisation TRAFFIC. In den ländlichen Gebieten würden die Menschen mit rund 150.000 Elefanten leben - und hätten derzeit keinerlei Nutzen davon. Wenn eine geringe Anzahl von Tieren für die Trophäenjagd freigegeben würde, dann könnten die Einnahmen daraus helfen, die negativen Aspekte, mit denen die ländliche Bevölkerung zu kämpfen habe, abzumildern, einschließlich des Verlustes von Menschenleben.

Botsuana will die Elefanten dort schießen, wo es zu Konflikten kommt - in der Hoffnung, dass die Tiere lernen, dass ihnen in der Nähe der Menschen Gefahr droht und dass sie diese Gebiete künftig meiden. Ob diese Rechnung aufgeht?

Am grundsätzlichen Problem jedenfalls ändert das nichts: Auch mit der Aufhebung des Jagdverbotes wird die Zahl der Elefanten in Botsuana weiter steigen, genau wie die der Menschen. Der Konflikt wird sich langfristig eher verschärfen.

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