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Zum Reformationstag - Bischöfe fordern Toleranz ein

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Aufrufe zu Toleranz bestimmten den Reformationstag. In Wittenberg wurde mehr Engagement gegen Ausgrenzung gefordert - in Berlin das Eintreten gegen Menschenverachtung.

Ralf Meister, Landesbischof in Niedersachsen.
Ralf Meister, Landesbischof in Niedersachsen.
Quelle: Peter Steffen/dpa

Am Reformationstag haben evangelische Geistliche mehr Toleranz gefordert. Annette Kurschus, stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, forderte in Wittenberg, den Mund aufzumachen, "wo die Würde und die Freiheit anderer in den Dreck gezogen werden".

Laut Ralf Meister, Bischof der Landeskirche Hannovers, leben wir "in Zeiten, in denen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenhass wieder laut werden." Der Berliner Bischof Markus Dröge forderte "klare Worte gegen Menschenverachtung".

Der Reformationstag erinnert an die Veröffentlichung der 95 Thesen gegen Missstände in der mittelalterlichen Kirche durch Martin Luther (1483-1546) am 31. Oktober 1517. Luther soll sie der Überlieferung zufolge an die Tür der Wittenberger Schlosskirche angebracht haben. In Wittenberg gibt es am Reformationstag traditionell ein Fest mit Gottesdiensten, Konzerten und einem Marktspektakel. Nach Angaben der Stadt kamen in diesem Jahr rund 30.000 Besucher.

Debatte um "Judensau"

Die andere große Kirche Wittenbergs, die Stadtkirche, steht derzeit selbst im Fokus einer Debatte um Antisemitismus. Seit langem tobt ein Streit um die Frage, ob das umstrittene Relief "Judensau" von ihrer Fassade entfernt werden soll. Die Vize-EKD-Ratsvorsitzende Kurschus plädierte für die Entfernung. "Ich finde, dass Antisemitismus in unserer Gesellschaft nichts verloren hat", sagte sie im ZDF-Mittagsmagazin am Rande des Gottesdienstes in Wittenberg. Alles, was Antisemitismus befördern könnte, "sollten wir tatsächlich aus der Öffentlichkeit verbannen", fügte sie hinzu.

Luthers Thesen lösten die Reformation aus, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte. Im Zentrum stand die sogenannte Rechtfertigungslehre, nach der der Mensch allein durch Gnade, Glaube und die Schrift - die Bibel - vor Gott besteht und nicht durch Taten wie das Zahlen von Ablass. 1999 unterzeichneten der Lutherische Weltbund und die römisch-katholische Kirche eine Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, nach der sie dieses Verständnis grundsätzlich teilen.

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