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ZDFzoom - Heirat ohne Liebe

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Es geschieht mitten in Deutschland, auch in unserer Nachbarschaft: Mädchen sollen einen Mann heiraten, den sie gar nicht kennen und nicht lieben - weil ihre Familie es so will.

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Die Hochzeit ohne Zwang - der Traum aller Mädchen, auch der muslimischen. Quelle: ZDF/Harald Beckmann

Etwa 3.000 Mädchen und junge Frauen suchen in Deutschland jährlich Beratungsstellen auf, weil ihre Eltern sie gegen ihren Willen verheiraten wollen. Jedes Jahr werden laut Bundeskriminalamt (BKA) in Deutschland 12 Mädchen sogar getötet, weil sie angeblich die Ehre der Familie verletzt haben.

Väter, Brüder oder Onkel werden zu Tätern

Ein Fall, der Schlagzeilen macht: Im Januar 2017 wird in Köln eine 19-Jährige ermordet. Ihr Vater hatte sich bei der Polizei gemeldet und angegeben, er habe die Tochter getötet. Er teilt den Beamten den Ort mit, an dem sie das tote Mädchen später finden - eine Garage. Die Fahndung nach dem Vater - bis heute erfolglos. Offenbar hat er sich ins Ausland abgesetzt. Mord in der eigenen Familie: Was sind die Gründe? Und kann so etwas verhindert werden?

Was haben Zwangsheirat und sogenannter Ehrenmord mit Religion zu tun? In Baden-Württemberg beschäftigt sich seit Jahren der Soziologe Jan Ilhan Kizilhan mit den Hintergründen sogenannter Ehrenmorde. In einer Studie hat er sich mit 30 Tätern und deren Motiven auseinandergesetzt. Er kennt den Unterschied zu einer "normalen" Beziehungstat: "Ein Ehrenmord ist ein geglaubter Wertenormenverlust. Das ist eine Männervorstellung: Sie glauben, dass Frauen ihr Besitz sind." Väter, Brüder, Onkel werden zu Tätern, weil sie glauben, die verletzte "Ehre" nur so wiederherstellen zu können.

Ein erster Schritt: Über Frauenrechte reden

Gesetze und die Justiz können Gewalt im Namen der Ehre nicht nachhaltig verhindern. Der Ehrbegriff ist bei vielen konservativen und religiösen Männern mit Migrationshintergrund tief verankert, sagt Kazim Erdogan. Er hat vor 10 Jahren die erste bundesweite muslimische Vätergruppe gegründet. Hier treffen sich Väter und diskutieren über ihren Ehrbegriff - und auch darüber, welchen Druck Verwandtschaft und Nachbarn ausüben. Kazim Erdogan: "Dieser Ehrbegriff ist ein auswendig gelernter Begriff. Wenn man dann bohrt, dann stellt man fest, dass das innen hohl ist."

In den letzten Jahren ist einiges passiert: Kinderehen sind in Deutschland verboten, Zwangsheirat wird bestraft. Das Auseinandersetzen mit dem Thema ist ein erster Schritt - Schulen bieten Vorträge über Frauenrechte und Gleichberechtigung an, in Jugendeinrichtungen wird zunehmend über Zwangsheirat und sogenannten Ehrenmord gesprochen. Den Druck der Familie aushalten, ihr Leben so gestalten, wie sie das wollen: Junge Männer der Offenbacher Gruppe "Heroes" wollen die traditionellen Werte ihrer Herkunftsfamilien hinterfragen - und auch das Rollenverständnis von Mann und Frau.

Ehre oder Selbstbestimmung - was ist wichtiger?

Viele wollen nicht länger hinnehmen, dass die "Ehre" ihrer Familie wichtiger ist als die Selbstbestimmung ihrer Schwester, Cousine, Freundin. So erzählt ein junger Mann: "Früher war das ja so, wenn man gut verdient hat und die Familie reich war, dann hat man das Mädchen hergegeben. Deswegen hat auch immer die Familie entschieden, wen man heiraten soll. Aber das ist falsch." Die Antworten überraschen und nähren die Hoffnung, dass irgendwann jedes Mädchen, jede Tochter, jede Schwester selbst bestimmen kann, wen und wann sie heiraten möchte.

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