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72 judenfeindliche Vorfälle seit April

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Antisemitismus in München - 72 judenfeindliche Vorfälle seit April

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Ein Rabbiner und seine zwei Söhne sind am vergangenen Wochenende in München bespuckt und beschimpft worden. Immer öfter kommt es in Bayern zu antisemitischen Übergriffen.

Mann mit Kippa (Symbolbild)
Mann mit Kippa (Symbolbild)
Quelle: AP

Die Polizei und die Israelitische Kultusgemeinde haben am Dienstag zwei antisemitische Vorfälle in den vergangenen Tagen in München öffentlich gemacht. So wurden am Samstag ein Rabbiner und seine beiden Söhne als "Scheiß Juden" beleidigt sowie einer von ihnen bespuckt, wie die Polizei mitteilte. Außerdem habe ein Mitglied der jüdischen Gemeinde am Montagabend im Treppenhaus seines Wohnhauses eine Davidstern-Schmiererei vorgefunden, berichtete die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, Charlotte Knobloch.

72 judenfeindliche Vorfälle seit April

Die Dunkelziffer ist hoch, weil viele Fälle nicht öffentlich werden
Annette Seidel-Arpaci, RIAS

Laut der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Bayern wurden seit April 72 judenfeindliche Vorfälle im Freistaat gemeldet, allein 35 aus München. Solche Attacken seien nur die Spitze des Eisberges, heißt es auf der Facebook-Seite von RIAS. "Die Dunkelziffer ist hoch, weil viele Fälle nicht öffentlich werden", so Leiterin Annette Seidel-Arpaci.

Der antisemitische Übergriff am Samstag ereignete sich laut Polizei, nachdem der Rabbiner und seine Söhne die Synagoge besucht hatten. Zunächst hatte sie laut Polizei ein etwa 45-jähriger Mann von der gegenüberliegenden Straßenseite als "Scheiß Juden" bezeichnet und sich entfernt. Er habe hochdeutsch gesprochen.

Dieser Vorfall sei von einer bisher unbekannten etwa 35-jährigen Frau beobachtet worden. Aus ihrem Auto habe sie einen der beiden Söhne ebenfalls mit den Worten "Scheiß Jude" beleidigt. Als dieser die Frau ansprechen wollte, habe sie ihm ins Gesicht gespuckt. Anschließend sei sie davongefahren. Die Polizei ermittelt wegen Volksverhetzung und Beleidigung.

Keine Sicherheit mehr im öffentlichen Raum

"Sicherheit im öffentlichen Raum, die für alle Bürger selbstverständlich sein sollte, rückt gerade für Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft in immer weitere Ferne", sagte Charlotte Knobloch. In einer Zeit, da Hass in den Parlamenten, in der Gesellschaft und im Internet "zunehmend zu einem Grundrauschen unseres Zusammenlebens" geworden sei, sei es nicht mehr überraschend, wenn Antisemitismus sich in solcher Form Bahn breche.

Wir wollen, dass die Kippa selbstverständlich auf Bayerns Straßen getragen wird!
Joachim Herrmann, Bayerns Innenminister

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, er verurteile solche antisemitischen Umtriebe auf das Schärfste. Er sei zuversichtlich, dass die Identität der Täter geklärt werden könne.
Die Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft ermutigte er, sich nicht einschüchtern zu lassen. "Wir wollen selbstbewusstes jüdisches Leben im öffentlichen Raum! Wir wollen, dass die Kippa selbstverständlich auf Bayerns Straßen getragen wird!"

"Angriff auf die ganze Münchner Stadtgesellschaft"

Bayerns Antisemitismus-Beauftragter Ludwig Spaenle (CSU) sprach von einem "Angriff auf die ganze Münchner Stadtgesellschaft". Die evangelische Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler twitterte: "Eine Schande, dass so etwas in unserer Stadt geschieht." Es gelte, dagegen aufzustehen.

In den vergangenen Wochen kam es bundesweit zu ähnlichen Vorfällen. Zwei Männer hatten einen Rabbiner in Berlin auf Arabisch beschimpft und bespuckt. In Potsdam wurde ein Mann mit Kippa von einem Syrer genauso angegangen; im Juni waren in Hamburg Landesrabbiner Shlomo Bistritzky und ein Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde bespuckt worden.

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