Sie sind hier:

Doppelanschlag in Kabul - Terror hat Helfer und Journalisten im Visier

Datum:

Mindestens 25 Menschen wurden von zwei Bomben in der afghanischen Hauptstadt getötet. Ein dritter Anschlag ereignete sich in Kandahar.

In Afghanistan kam es zu einer Reihe von blutigen Anschlägen. In Kabul starben mindestens 25 Menschen und in Kandahār tötete ein Selbstmordattentäter elf Kinder.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Nach dem doppelten Selbstmordanschlag in Kabul ist die Zahl der Toten nach Polizeiangaben auf 25 gestiegen. Dabei kamen auch mehrere Journalisten ums Leben, nach unterschiedlichen Quellen zwischen sieben und zehn.

Die zweite Bombe galt offenbar gezielt Helfern und Journalisten. Laut mehreren übereinstimmenden Berichten hatte der Attentäter sich als Journalist ausgegeben und in einer Gruppe von Reportern eine Kamera getragen. Er zündete den Sprengsatz in dem Augenblick, als sich Helfer näherten, um den Opfern des ersten Sprengsatzes zu helfen. Ob Einsatzkräfte tatsächlich auch zu Schaden kamen, darüber gibt es vorerst keine Informationen. Unter den getöteten Journalisten war auch der Chef-Fotograf der französischen Nachrichtenagentur afp, wie diese per Tweitter mitteilte.

Islamisten torpedieren Wahlen

Karte: Afghanistan - Kabul
Bei einem Doppelanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Montag viele Menschen getötet worden.
Quelle: ZDF

Mindestens 49 Menschen wurden laut Polizei bei dem Doppelanschlag verletzt. Über ihre Propagandakanäle reklamierte die Terrormiliz Islamischer Staat den Kabuler Doppelanschlag für sich. Der IS und die radikalislamischen Taliban versuchen laut ZDF-Korrespondent Roland Strumpf derzeit vermehrt, die im Herbst anstehenden Wahlen zu torpedieren.

Ein weiterer, dritter Selbstmordanschlag ereignete sich außerhalb der Hauptstadt Kabul. In der Provinz Kandahar im Süden des Landes riss der Attentäter gegen Mittag mindestens elf Kinder nahe einer Moschee mit in den Tod. In der Provinz Nangarhar wurde ein Polizeimitarbeiter getötet.

Die beiden Anschläge in der Hauptstadt wurden kurz hintereinander während des morgendlichen Berufsverkehrs im Viertel Schaschdarak verübt. Laut Polizei löste der erste Selbstmordattentäter die Detonation auf einem Motorrad an einer Kontrollstelle nahe des Geheimdienstquartiers aus. Bei den Opfern handle es sich um Zivilisten, berichteten Medien unter Berufung auf Sicherheitskräfte. In dem Stadtviertel befinden sich auch die US-Botschaft und das NATO-Hauptquartier.

Gefährliches Land für Reporter

Wenig später wurde die zweite Bombe in demselben Stadtviertel gezündet. Über die Zahl der getöteten Journalisten gab es zunächst unterschiedliche Angaben: Unter anderen meldete das afghanische Sicherheitskomitee für Journalisten (AJSC) sieben getötete Reporter, die Nichtregierungsorganisation "Reporter ohne Grenzen" zählte neun.

Derartige Vorfälle seien eine große Bedrohung für die Meinungsfreiheit, sagte der AJSC-Vorsitzende Nadschib Scharifi. Nach Angaben von "Reporter ohne Grenzen" ist Afghanistan nach Syrien und Mexiko das drittgefährlichste Land für Journalisten. 2017 verloren neun Journalisten im Rahmen ihrer Arbeit ihr Leben.

USA verurteilen den Anschlag

Die Informationsdirektorin der Nachrichtenagentur afp, Michèle Léridon, würdigte den getöteten Chef-Fotografen bei Twitter für seinen Mut. Von oft "traumatischen und schrecklichen Ereignissen" habe er mit Professionalität berichtet. Sein Tod sei ein "schrecklicher Schlag" für die Nachrichtenagentur. Zahlreiche Kollegen verschiedener Medien zollten dem Fotojournalisten und dessen getöteten Kollegen Tribut.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Die USA verurteilten den Doppelanschlag aufs Schärfste und sprachen den Angehörigen, Freunden und Kollegen der Opfer ihr Mitgefühl aus. In einer Mitteilung auf der Internetseite der Botschaft würdigte die US-Regierung vor allem die "tapferen Journalisten", die bei ihrer Arbeit ums Leben kamen. "Wo die Medien in Gefahr sind, sind alle anderen Menschenrechte umso mehr bedroht", hieß es. Bei den Explosionen vom Montag handelt es sich bereits um den achten größeren Anschlag in Kabul seit Jahresanfang. In den ersten vier Monaten des Jahres wurden in der afghanischen Hauptstadt Hunderte Menschen getötet und verletzt.

Mehr als 50 Tote vor gut einer Woche

Erst vor gut einer Woche war es zu einem verheerenden Anschlag in Kabul gekommen, als Selbstmordattentäter vor einem Zentrum für Wählerregistrierung mehr als 50 Menschen in den Tod rissen. Bei dem Angriff waren mehr als 100 weitere Menschen verletzt worden. Auch damals bekannte sich der IS zu dem Anschlag auf schiitische Zivilisten. Präsident Aschraf Ghani verurteilte den Anschlag anschließend und sagte, solche Angriffe würden die Menschen nicht von der Teilnahme an demokratischen Wahlen abhalten. Im Oktober stehen in Afghanistan Parlamentswahlen an.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.