Sie sind hier:

Zwei Jahre nach dem Anschlag - Bollwerk am Breitscheidplatz

Datum:

Metallpoller, Betonsockel, Stahlgitter: Zwei Jahre nach dem Anschlag hat der Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz eröffnet, umgeben von Absperrungen - ein Pilotprojekt.

Für den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche werden umfangreiche Absperrungen aufgebaut. Zwei Jahre nach dem Terroranschlag wird der Weihnachtsmarkt massiver geschützt als je zuvor.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Straßen und Plätze, mit Beton abgesperrt - das gibt es seit dem Attentat auf dem Berliner Breitscheidplatz vor zwei Jahren in vielen Städten. Aber nicht alle Barrieren seien ein wirksamer Zufahrtsschutz, meint Christian Schneider. Der Experte für Gefahrenabwehr aus Stuttgart hat nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt, bei dem der Attentäter Anis Amri 12 Menschen in den Tod riss und mehr als 70 verletzte, die "Initiative Breitscheidplatz" gegründet.

Sein Ziel: einen Zufahrtsschutz errichten, der Angriffe mit Fahrzeugen abwehrt. Damit kam er bei der Stadt an. Berlin richtete vor einem Jahr eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe ein und ließ in einem Pilotprojekt rund um den geschundenen Breitscheidplatz einen nach eigenen Angaben in Deutschland "einzigartigen Zufahrtsschutz" planen und aufbauen.

Betonwände, Stahlgitterkörbe, Pollerblöcke

Beton kommt bei den Schutzmaßnahmen auch zum Einsatz - die stärksten Betonwände, die mobil zu bekommen sind. Dazu kommen Stahlgitterkörbe, die mit Sand gefüllt und in einer langen Reihe verzahnt sind, sowie begehbare Pollerblöcke, sogenannte Truck Blocks, als Aufprallschutz.

Mit Sandsäcken gefüllte Eisenkörbe stehen am Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz, aufgenommen am 20.11.2018
Stahlgitterkörbe, mit Sand gefüllt, schirmen den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche von den Straßen ab.
Quelle: dpa

Der Attentäter vom Breitscheidplatz habe mit einem 40-Tonnen-Lkw eine Energie von 20.000 Schuss Polizeimunition gehabt, erklärt Schneider, der die Aufbauarbeiten drei Nächte lang koordinierte und überwachte. Physik lasse sich nicht überlisten, weiß der Ingenieur. Bei allen Abwehrmaßnahmen müssten technische Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit genau bedacht werden. "Wir analysieren, was passiert ist, was passieren kann, planen eine normgerechte Abwehr und schauen in Computerszenarien, ob der Plan funktioniert."

Absperrungen für 2,5 Millionen Euro

2,5 Millionen Euro lässt sich das Land Berlin diesen temporären Sperrschutz kosten. Die Betonsockel und Metallpoller sollen später auch für andere Großveranstaltungen in Berlin genutzt werden.

Innensenator Andreas Geisel betont: "Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht." Aber es sei nötig, den Raumschutz zu optimieren und besser zu organisieren als bisher. "Wir müssen für jeden Ort die Besonderheiten und Schutzmöglichkeiten herausarbeiten."

Sicherheitsbarrieren am Breitscheidplatz, aufgenommen am 22.11.2018
Die Poller sollen künftig auch andere Großveranstaltungen in Berlin absichern.
Quelle: Reuters

Unter den 200 Schaustellern des Weihnachtsmarkts auf dem Breitscheidplatz ist die Stimmung gut. Der Verbandsvorsitzende Michael Roden ist froh, dass die Stadt zwei Jahre nach dem Anschlag hier für mehr Sicherheit sorgt und auch die Kosten für den Terrorschutz übernimmt. "Allerdings wäre es auch für die anderen Weihnachtsmärkte wünschenswert, wenn klar benannt wird, wer für welchen Schutz in Zukunft zuständig ist", betont er.

Massiver Schutz nur am Breitscheidplatz - und nur vor Fahrzeugen

Bislang müssen die kommerziellen Veranstalter für die gesamte Sicherheit ihrer Märkte selbst zahlen. Hans-Dieter Laubinger organisiert zum Beispiel den Weihnachtsmarkt vor dem Roten Rathaus. "Ich fühle mich für die Sicherheit auf meinem Markt verantwortlich. Aber ich fühle mich nicht verantwortlich, hier eine Terrorabwehr aufzubauen." Die Marktbetreiber erwarten mehr Klarheit über Anforderungen, die in Zukunft an sie gestellt werden.

Auch wenn das Bollwerk am Breitscheidplatz nun vielen Passanten das Gefühl der Sicherheit vermittelt - nicht alle sind davon überzeugt. Tom Kleinert, der in einem Büro am Platz arbeitet, meint: "Sicher vor Lkw-Angriffen ist man jetzt wohl, aber wenn jemand was anderes planen würde, kann keine Festung schützen."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.