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Russischer Militäreinsatz in Syrien - Bilder eines sauberen Krieges - den es nicht gibt

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Seit zwei Jahren läuft der russische Einsatz in Syrien, ein Ende ist nicht in Sicht. Russlands Nachrichten zeigen den Einsatz als sauberen Anti-Terror-Einsatz - die Realität sieht manchmal anders aus. Präsident Putin begründet den Einsatz noch mit einem anderen Vorteil.

Russland und die Türkei wollen ihre gemeinsamen Bemühungen um ein Ende des Konflikts in Syrien verstärken. Kremlchef Putin und Präsident Erdogan vereinbarten die Einrichtung von Schutzzonen.

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Die Kampfflugzeuge gleiten unangreifbar durch die Luft, die Bomben fallen absolut präzise - und wieder sind "IS"-Terroristen getötet. Die syrische Bevölkerung feiert die russischen Soldaten, die helfen, ihr Land zu befreien. Das sind die Bilder, die nahezu täglich in Russland in den Nachrichten gesendet werden. Zu Beginn des Einsatzes vor zwei Jahren gingen die russischen Nachrichtensender so weit, die Wetterberichte mit den Flugwetterinformationen aus dem syrischen Lauftraum anzureichern. "Heute herrscht gutes Flugwetter über Syrien", verkündete die Sprecherin dann lächelnd. Die russischen Medien produzieren Bilder eines sauberen Kampfes gegen Terroristen, die vom Westen unterstützt würden.

Wie verlustreich ist der Krieg für Russland wirklich?

Die Wirklichkeit vor Ort in Syrien sieht manchmal anders aus. Am vergangenen Wochenende kam ein russischer General in Syrien ums Leben. "Uns liegen zuverlässige Angaben vor, dass es sich um einen Verrat handelte", wurde sogleich von Franz Klinzewitsch, dem Vizechef des Verteidigungsausschusses des Föderationsrats, die Linie vorgegeben. Dass in einem Krieg Menschen sterben, dass es schmutzig ist, wenn Bomben und Granaten fallen, das soll mit der Geschichte vom Verrat umgedeutet werden.

Generalleutnant Valeri Assapow starb bei Granatbeschuss. Er war dort laut russischem Generalstabschef als Kommandeur einer syrischen Einheit eingesetzt. Sein Tot belastet nun die russisch-amerikanischen Beziehungen, denn das russische Außenministerium machte die USA für Assapows Tod mitverantwortlich. Ob zu Recht oder als Ablenkungsmanöver, lässt sich nicht sagen.

Assapow war durchaus nicht der erste tote russische Soldat im Krieg in Syrien. Die Nachrichtenagentur Reuters hat kürzlich berichtet, dass allein 40 Soldaten in Syrien seit Beginn dieses Jahres getötet worden seien sollen. Beobachter in Russland, Blogger und politische Aktivisten, halten diese Zahl für zu niedrig. Schätzungen gehen hier von 100 oder 200 toten russischen Soldaten aus. Das russische Verteidigungsministerium hat den Tod von 34 Soldaten in Syrien seit Beginn des Einsatzes vor zwei Jahren bestätigt. Zahlen, die in Regierungskreisen in Russland nicht gern gehört werden. Schließlich erinnert sie manchen an den berüchtigten Einsatz in Afghanistan.

Russland: Syrien-Einsatz eine Erfolgsgeschichte

Russland hatte den Einsatz in Syrien offenbar schon lange beenden wollen. So lautete zumindest zu Beginn das Credo des Kremls: Ein paar Monate werde man aktiv sein und sich dann zurückziehen. Davon ist keine Rede mehr. Das russische Parlament beschloss, dass russische Truppen nun dauerhaft in Syrien stationiert werden. Damit wird deutlich, dass Russland sich langfristig im Nahen Osten engagieren will - womöglich auch unabhängig von der Frage, ob Assad an der Macht bleibt. Die Ausweitung des territorialen Einflusses, das aus russischer Sicht wieder Ernst-genommen-werden auf dem internationalen Parkett, all dies rechtfertigt den Einsatz in Syrien.

Am 30. September 2015 nickte der russische Föderationsrat die Entscheidung von Präsident Wladimir Putin ab, russische Lufttruppen in Syrien einzusetzen - im Kampf gegen die Terrororganisation IS, so die Begründung. Bereits wenige Stunden später flogen russische Jets die ersten Angriffe. Russland begründet den Einsatz damit, dass Syriens Präsident Assad offiziell um militärische Hilfe gebeten habe. Ein wichtiger Punkt in der politischen Debatte um den Krieg in Syrien. Die russische Regierung betont regelmäßig, dass der Einsatz ihrer Truppen in Syrien vom Völkerrecht gedeckt ist - im Unterschied "zur Intervention der US-geführten Koalition". Und alle Einsätze seien mit der syrischen Regierung abgestimmt.

Aus offizieller russischer Sicht ist der Einsatz in Syrien eine reine Erfolgsgeschichte, die mit vielen Zahlen versucht wird zu untermauern. Seit Beginn des Einsatzes am 30. September 2015 haben russische Kampfjets mehr als 92.000 Angriffe geflogen und 96.828 Objekte der Terroristen zerstört, so heißt es. Durch die Angriffe seien "zehntausende Terrorkämpfer" getötet, Tausende Befehlsstände, Munitionslager und Trainingscamps zerbombt worden.

Showroom für russische Waffen

Angaben zu den Kosten des Einsatzes veröffentlicht die russische Regierung nicht. Schätzungen der Zeitung "RBC" zufolge gab Russland im Herbst 2015 rund 2,3 Millionen Euro täglich für den Einsatz aus. Der britische militärwissenschaftliche und technische Verlag IHS berechnete die Kosten auf zwei bis 3,5 Millionen Euro täglich. Wie sich die Kosten seit dem entwickelt haben, scheint schwer zu schätzen. Die links-liberale russische Partei Jabloko schätzt, dass bislang rund drei Milliarden Euro ausgegeben wurden. Geld, von dem immer mehr Russen glauben, dass es beispielsweise im maroden Gesundheitssystem in Russland besser angelegt wäre.

Präsident Putin hat immer wieder im Verlauf des Krieges den Einsatz als politisch notwendig und im Kampf gegen den internationalen Terrorismus erforderlich verteidigt. Und selbst europäische Botschafter sagen hinter vorgehaltener Hand, dass man durchaus Erfolge des russischen Militäreinsatzes mittlerweile erkennen könne - auch wenn die Mittel und Opfer nicht vertretbar seien.

Aber in bemerkenswerter Offenheit spricht Putin auch von wirtschaftlichen Belangen Russlands bei dem Einsatz. Das Interesse an russischen Waffen wachse nämlich weltweit. "Das ist weitgehend ein Ergebnis des effektiveren Einsatzes unserer Waffen in wirklichen Kampfbedingungen, etwa in der Antiterror-Operation in Syrien. Diese Gelegenheit, einen stärkeren Halt auf dem Weltmarkt der Rüstung zu gewinnen, darf nicht übergangen werden", so Putin. Wohl auch aus diesem Grund schoss Russland mehrfach Lenkwaffen aus dem Kaspischen Meer und dem Mittelmeer ab - um die Wirkung und Treffsicherheit der Systeme potentiellen Käufern gegenüber zu beweisen. Weniger aus militärischer Notwendigkeit. Syrien wird so auch zum Testgelände und Showroom für russische Militärtechnologie.

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