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Zweifel an Batteriestrategie - EU-Rechnungshof warnt vor neuem Flop

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Harte Kritik übt der EU-Rechnungshof an den Plänen, in Europa eine Batteriefertigung in Konkurrenz zu den Asiaten zu etablieren. Zu Recht?

Archiv: Batterie eine Elektroautos am 30.09.2016 in Paris
Die mit Milliardensummen geförderte Batteriefertigung in Europa könnte aus Sicht des Europäischen Rechnungshofs zum Flop werden.
Quelle: dpa

"Die Europäische Batterie-Allianz konzentriert sich weitgehend auf bestehende, nicht auf bahnbrechende Technologien und läuft Gefahr, ihre ehrgeizigen Ziele nicht zu erreichen", schreiben die Rechnungsprüfer in einem Bericht. Die EU-Kommission und die Bundesregierung möchten auch in Europa eine Batteriefertigung etablieren.

Bedarf an Batterien ist riesig

Deutschland will dazu allein eine Milliarde Euro an Anschubfinanzierung zur Verfügung stellen, weitere Milliarden kommen aus der EU. Bisher beherrschen die Hersteller aus Asien diesen Markt - sie stellen dem Bericht zufolge 84 Prozent der weltweiten Kapazität zur Batterieherstellung, während es in der EU nur etwa drei Prozent sind. In den nächsten Jahren dürfte sich daran nicht viel ändern - für 2021 werden für Europa fünf Prozent erwartet. Doch der Bedarf an Batterien ist riesig. Denn der Markt für Elektroautos dürfte kräftig wachsen: 2030 sollen 35 Prozent der Neuwagen elektrisch angetrieben sein - heute sind es magere 1,4 Prozent.

Doch die EU und die Bundesregierung scheinen die Entwicklung zu verschlafen. Sie planen bisher vor allem mit der Lithium-Ionen-Batterie. Die Zukunft aber, davon sind Fachleute überzeugt, liegt in der Festkörper-Batterie. Die aber dürfte erst in zehn bis 15 Jahren marktreif sein, schätzt Ferdinand Dudenhöffer, Gründer des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen. In diese Batterien der nächsten Generation sei von den bisher 315 Millionen EU-Fördergeldern für Batterieforschung nur ein Viertel geflossen.

Batteriezell-Fertigung in Europa?

"Auch die Asiaten arbeiten mit Hochdruck an Feststoff-Batterien und selbstverständlich werden sie ihr großes Wissen bei hochautomatisierten Zellfertigungen einsetzen", vermutet Dudenhöffer. Es scheint also ein wenig wie das Rennen Hase gegen Igel, ein Wettbewerb, bei dem die Europäer womöglich den Kürzeren ziehen.

Der Verdacht liegt auf der Hand, dass der Zug längst abgefahren ist.
Analyst Tim Schuldt

"Der Verdacht liegt auf der Hand, dass der Zug längst abgefahren ist", glaubt auch Tim Schuldt, Analyst von Pareto Securities. Ist es also sinnvoll, eine Batteriezellenfertigung in Europa aufzubauen? Denn die Hersteller in Asien haben einen großen Vorsprung, auch bei der Automatisierung. Denn in diesem Geschäft könne man nur wirklich gewinnbringend arbeiten, wenn man die Fertigung hoch automatisiere und Skaleneffekte erziele, es komme also auf Größe an, warnt  Dudenhöffer. Man rette deshalb auch kaum Arbeitsplätze. "Roboter bauen die Zellen, nicht Menschen." Auch Analyst Schuldt sorgt sich: "Man könnte Gefahr laufen, dass ähnlich wie vor Jahren bei der Solarzellenfertigung, die Europäer viel Geld in eine Industrie stecken, die nicht überlebensfähig ist, wenn die Fördergelder einmal nicht mehr fließen."

Hinzu kommt: mit 15 Prozent bleibt nur ein geringer Teil der Wertschöpfung in der Zellfertigung. Ob es sich lohne, in diesen Teil der Batterieproduktion Steuermittel zu pumpen, bezweifelt Dudenhöffer, die Risiken seien "enorm". Deshalb haben auch viele deutsche Unternehmen Vorbehalte. Man habe vor Jahren eine eigene Zellfertigung aufgebaut, sagte Daimler-Chef Dieter Zetzsche vor wenigen Wochen. Doch das Projekt sei wirtschaftlich nicht tragfähig gewesen. Die Automobilzulieferer Continental und Bosch haben ebenfalls kein Interesse. Das gilt für die Zellproduktion. 

Rentiert sich die Kathoden-Produktion?

Das meiste Geld aber verdient man bei der Herstellung der Kathoden, für die man Lithium, Kobalt und andere teure Rohstoffe nutzt, diese Batteriematerialien machten bis zu 70 Prozent der Wertschöpfung aus, schätzt der Chemiekonzern BASF, der deshalb in diesem Bereich gute Perspektiven sieht. Das sei derzeit das "dynamischste und innovativste Feld in der Chemie", sagt BASF-Chef Martin Brudermüller. Er rechnet bis 2025 mit einem Wert von 20 bis 30 Milliarden in diesem Segment und will in den nächsten Jahren allein 400 Millionen Euro in Anlagen für Batteriematerialien in Europa investieren. Da also lägen die Chancen, glaubt auch Autoexperte Dudenhöffer: "Beste Kosten und saubere Qualität liefern die Zellhersteller, aber der Kern der Speicherfähigkeit liegt im Material."

Große Autohersteller aber verlassen sich auch künftig eher auf die asiatischen Hersteller: VW etwa hat koreanische und chinesische Hersteller als Lieferanten verpflichtet, die Nachfrage der europäischen Autohersteller nach Batteriezellen "Made in Europa" schwinde deshalb: "Den Zellfabrikplänen der Berliner Regierungskoalition bricht das Fundament auf der Nachfrageseite weg", fürchtet Dudenhöffer.

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