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Roadtrip durchs Heilige Land - Der Traum von Wasser in Jericho

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Israel und Palästina - historische Stätten, ein immerwährender Konflikt, aber auch die Sehnsucht der Menschen nach Normalität, Identität und Glück. So wie im Spaßbad von Jericho.

Ahmad lebt in der palästinensischen Stadt Jericho und arbeitet als Bademeister.
Der 23-jährige Palästinenser Ahmad ist in einem Flüchtlingslager in Jericho geboren und aufgewachsen. Im Spaßbad der Stadt lebt er als Bademeister seinen Traum.
Quelle: ZDF/Nicola Albrecht

Drei Wochen lang sind wir durch Israel und das besetzte Westjordanland von der libanesischen Grenze bis zum Roten Meer gereist. An der "Road 90" haben wir Menschen getroffen, die ihre Heimat lieben, mit der Politik hadern, um ihr Dasein kämpfen.

So wie der 23-jährige Palästinenser Ahmad Abu Assal aus Jericho. Es ist 8 Uhr morgens, als wir ihn zum ersten Mal treffen - am Eingang des ältesten Flüchtlingslagers im Westjordanland. Hier ist Ahmad geboren und aufgewachsen.

Ahmad lebt seinen Traum als Bademeister

Er hat das Westjordanland noch nie verlassen. Aber für sein tägliches Glück müsse er das auch nicht, erzählt er, denn er lebe seinen Traum.

Komm, ich zeig Euch meine Arbeit, bei dem Wetter heute wird viel los sein.

Mit diesen Worten und einem strahlenden Lächeln begrüßt uns Ahmad. Und nimmt uns mit in seine und Jerichos moderne Traumfabrik: dem größten Spaßbad im Westjordanland. Hier ist Ahmad Bademeister.

Wasser ist mit das höchste Gut

Wasser ist in der abgeschnittenen Welt der Palästinenser mit das höchste Gut. Denn sie haben keinen Zugang zum Meer. Süßwasserquellen sind knapp und werden von Israel kontrolliert.

Als Bademeister bräuchte Ahmad eigentlich noch ein paar Augen mehr, meint er. Denn an heißen Wochenendtagen sind hier bis zu 2.000 Besucher. Und die meisten von ihnen können nicht schwimmen. Für ihn sei es Ehre und Berufung, hier Lebensretter sein zu dürfen, erzählt er uns.

Ahmad ist in jeder Hinsicht eine Ausnahme in Jericho. Die meisten jungen Leute schauen nicht so positiv auf ihre Lage. Und das ist kein Wunder. Denn Jobs und Karrierechancen gibt es für sie kaum. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 32 Prozent. Jericho ist eine verarmte Stadt in der Einöde. Ahmad verdient als Bademeister immerhin umgerechnet 800 Euro. Dafür arbeitet er zehn Stunden, sechs Tage die Woche.

Der 24-jährige Sohn strahlt im Wasser

Familie Jasser ist mit ihren fünf Kindern extra aus dem 70 Kilometer entfernten Jenin ins Wasserland von Jericho gekommen. Schwimmen kann nur Papa Deeb. Für seine Kinder ist es dagegen der erste Vollkontakt mit dem nassen Element. Deeb hat alle Hände voll zu tun, dass keiner untergeht. Auch Deebs ältester Sohn ist mit 24 Jahren noch Nichtschwimmer, doch er strahlt über das ganze Gesicht, wenn sein Vater ihn durchs Wasser zieht. Bilder, die schön und tragisch zugleich sind. Die an einem einfachen Ort wie einem Schwimmbad die Tragik der Lage offenbaren.

Wir kaufen das Wasser von Israel und zahlen pro Jahr 30.000 bis 40.000 Dollar dafür.
Wadieh Saadeh, Betreiber des Wasserlands in Jericho

Der Geschäftsmann Wadieh Saadeh hat das Wasserland gebaut. Ein Mammutprojekt auch gegen die Widerstände der eigenen Behörden, die ihm zu viel Kooperation mit Israel vorwerfen. "Wir kaufen das Wasser von Israel und zahlen pro Jahr 30.000 bis 40.000 Dollar dafür. Das geht nicht anders. Trotzdem ist es eine gute Investition. Außerdem habe ich rund 75 Angestellte, ich habe also Arbeitsplätze geschaffen", erklärt er. 

13 Euro kostet die Eintrittskarte umgerechnet, viel Geld für palästinensische Großfamilien. Als Zugeständnis ist dafür Selbstversorgung erlaubt. Gastfreundschaft wird an allen Tischen großgeschrieben. Überall wird unser Filmteam zum Kaffee eingeladen. Es sei der schönste Tag des Jahres erzählen uns die meisten.

Ohne Einreisegenehmigung gibt es keinen Weg zum Meer

Auch Familie Jasser aus Jenin hat sich ihr Picknick für den Tag mitgebracht. "Wir wollten eigentlich ans Meer fahren, aber wir haben keine Einreisegenehmigung von Israel bekommen. Also sind wir hierher. Es ist auch schön," sagt Mutter Amani.

Wir wollten eigentlich ans Meer fahren, aber wir haben keine Einreisegenehmigung von Israel bekommen.
Amani Jasser

Als für Ahmad die Zehn-Stunden-Schicht zu Ende geht, ist er froh, dass es keine ernsten Badeunfälle gab. Auch er stellt sich oft vor, wie es wäre, einmal im Meer zu schwimmen. Aber auch er hat noch nie eine Einreisegenehmigung nach Israel bekommen.

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