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Iran nach Trumps Sanktionen - Zwischen Wut und Fatalismus

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Mit Wut reagieren viele Iraner auf den Ausstieg Donald Trumps aus dem Atomabkommen. Auch weil damit neue Sanktionen einhergehen, die die Probleme des Landes weiter verschärfen.

Zum allwöchentlichen Freitagsgebet hatten sich wieder ein paar Hundert Demonstranten auf der Straße der Revolution vor der Universität in Teheran eingefunden. Wie jede Woche brannten auch jetzt wieder israelische und amerikanische Fahnen, klangen die Sprechchöre "Tod den USA, Tod Israel" durch die Straßen. Doch diesmal hatte die Wut ein klares Ziel, nämlich die Entscheidung des US-Präsidenten, aus dem Atomabkommen auszusteigen und neue Sanktionen gegen Iran zu verhängen.

Landeswährung im freien Fall

"Wir werden uns nicht davon beeindrucken lassen", meint Mariam Ghofrani, die mit einigen anderen, schwarz verschleierten Frauen am Straßenrand steht. "Ich mache mir überhaupt keine Sorgen. Die Leute sagen, Trump sei ein Wahnsinniger. Nein, er hat uns nur das wahre Gesicht der USA gezeigt." Viele Iranerinnen und Iraner reagieren mit Schulterzucken. Viele Jahre sei Iran mit Sanktionen belegt gewesen, doch irgendwie habe man es geschafft, diese Zeit zu überstehen.

"Ob mit oder ohne Sanktionen, wir stehen zu unserem Land", sagt Amin Baseri, "und Sanktionen wird es geben. Es wird schwer werden, aber wir werden das schaffen." Doch Zahra Akhbari meint, "natürlich machen wir uns Sorgen. Wir haben viele Probleme in unserem Land. Wir können nur hoffen, dass wir diese Probleme lösen werden."

Seit Monaten befindet sich die Landeswährung, der Rial, in freiem Fall, hat über 30 Prozent seines Wertes verloren. Viele Firmen haben keine Devisen, um die Rechnungen für Lieferungen aus dem Ausland zu bezahlen. Die Inflation ist hoch, viele Kunden haben kein Geld für Sonderanschaffungen. So sitzt auch Navid allein in seinem Telefonladen im Zentrum Teherans: "Wenn die Wechselkurse nicht so eingebrochen wären, hätte ich gar keine Zeit, mit euch ein Interview zu führen. Dann wäre mein Laden mit Kunden voll", meint er. Doch leider hat er für Interviews im Moment mehr Zeit als ihm lieb ist.

Handelskammer weiß um Probleme

Gerade ging in Teheran eine Verkaufsmesse der Ölzuliefer-Industrie zu Ende. Über 50 deutsche Firmen gehörten zu den Ausstellern, doch die meisten wollen die Nachrichten aus den USA nicht kommentieren. "Das wird jetzt natürlich wieder schwierig", sagt Amir Alizadeh von der Deutsch-Iranischen Handelskammer, "die Aussage von Präsident Trump war schon heftiger als wir das alle erwartet haben. Auch wir waren überrascht. Wir haben schon erwartet, dass er aus dem Atomabkommen austritt, aber nicht so heftig. Die Vehemenz war schon sehr stark." So warten im Moment alle darauf, wie die Effekte der angekündigten Sanktionen ausfallen werden - und hoffen, dass es doch nicht so schlimm wird. Doch sicher sind sie sich nicht.

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