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Nach Tanker-Vorfällen - Schuldzuweisungen im Golf

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Wieder hat es vor der iranischen Küste Vorfälle mit Frachtern gegeben. Die USA beschuldigen prompt Teheran. Dort spricht man von dubiosen Zwischenfällen. Die Welt hält den Atem an.

Schwere Zwischenfälle mit Öltankern am Golf von Oman haben die Spannungen zwischen Iran und Saudi-Arabien weiter erhöht. Betroffen waren zwei Schiffe einer deutschen und einer norwegischen Reederei. Wer ist für die Angriffe verantwortlich?

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Wenn es einen neuralgischen Punkt für den internationalen Öltransport gibt, dann ist es die Straße von Hormus. Täglich passieren schwere Tanker die schmale Meerenge zwischen dem Iran und seinen Erzfeinden auf der Arabischen Halbinsel, eine der wichtigsten Seefahrtsrouten der Welt. Sie versorgen die Welt mit dem wichtigen Rohstoff.

Doch schon seit Wochen wachsen dort die Spannungen zwischen den Rivalen - und erreichen nach weiteren Zwischenfällen mit zwei Handelsschiffen nahe der iranischen Küste einen neuen Höhepunkt. Die Sorgen vor einem bewaffneten Konflikt wachsen, die Ölmärkte reagieren nervös. Eine Folge der Ereignisse heute ist, "dass der Ölpreis um bis zu vier Prozent gestiegen ist", berichtet ZDF-Korrespondent Jörg Brase.

Hintergründe der Vorfälle noch unklar

Was sich genau am Donnerstag am Golf von Oman abspielt, bleibt zunächst unklar. Am frühen Morgen gehen bei der 5. Flotte der US-Marine in Bahrain Notrufe ein. Betroffen sind zwei Tanker einer deutschen und einer norwegischen Reederei. Die "Front Altair" des Unternehmens Frontline aus Norwegen war unterwegs nach Fernost, als an Bord Feuer ausbricht. Die Reederei spricht von einer Explosion, will aber einen Angriff nicht bestätigen, von dem zuvor das norwegische Seefahrtsamt gesprochen hatte. Die 23 Besatzungsmitglieder aus Russland, Georgien und von den Philippinen seien in Sicherheit gebracht worden.

Auch die japanische Firma Kokuka Sangyo erklärt, ihr Tanker "Kokuka Courageous" sei in die Vorfälle verwickelt. Das von der deutschen Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) gemanagte Schiff - unterwegs Richtung Singapur - wird beschädigt. 21 Seeleute - alle von den Philippinen - werden von Bord des Tankers gebracht. Ein Seemann sei leicht verletzt worden.

ZDF-Korrespondent Gack: "Wilde Verschwörungstheorien"

Es gebe jetzt "wilde Verschwörungstheorien", wer möglicherweise hinter den Zwischenfällen mit den Tankern stecke, berichtet ZDF-Korrespondent Uli Gack. "War es tatsächlich ein Angriff, ein Anschlag, oder eben ein Unfall? All das wissen wir momentan nicht."

Inmitten der Spannungen mit dem Iran ist es nahe der Küste des Landes zu schweren Zwischenfällen mit Handelsschiffen von Reedereien aus Deutschland und Norwegen gekommen. "Die Sache scheint zu eskalieren", so ZDF-Korrespondent Uli Gack aus Kairo.

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Für die USA ist allerdings schon kurz nach den Vorfällen klar, wer verantwortlich ist. "Es ist die Einschätzung der US-Regierung, dass die Islamische Republik Iran verantwortlich für die Angriffe ist, zu denen es heute im Golf von Oman kam", sagte US-Außenminister Mike Pompeo bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. Diese Einschätzung basiere unter anderem auf Geheimdienstinformationen, auf den eingesetzten Waffen und auf ähnlichen Angriffen in jüngster Vergangenheit. Außerdem twitterte Pompeo, die Angriffe seien eine Bedrohung für den internationalen Frieden und die Sicherheit und eine "nicht hinnehmbare Eskalation der Spannung durch den Iran".

Sicherheitsrat tagt

Am Nachmittag (Ortszeit) wollte sich in New York der UN-Sicherheitsrat mit dem Vorfall befassen. Mehrere Diplomaten bestätigten der Deutschen Presse-Agentur, dass die USA die Gespräche hinter verschlossenen Türen beantragt haben.

Ein Sprecher der iranischen Flotte erklärte, Expertenteams seien mit Hubschraubern über dem Seegebiet im Einsatz, um die Vorfälle zu untersuchen. Das iranische Außenministerium äußerte sich besorgt und sprach von "dubiosen" Zwischenfällen. Besonders der Zeitpunkt sei sehr verdächtig, sagte Außenamtssprecher Abbas Mussawi mit Blick auf den Besuch des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abes.

Abe-Besuch: Weder Iran noch USA wollen sich bewegen

Abe hielt sich in Teheran auf, um in dem eskalierenden Konflikt zwischen den USA und dem Iran zu vermitteln. Sowohl US-Präsident Donald Trump als auch der oberste Führer der Islamischen Republik, Ajatollah Ali Chamenei, erteilten Verhandlungen aber eine Absage. Trump twitterte, er wisse Abes Bemühungen zu schätzen. Er denke aber, "dass es zu früh ist, auch nur darüber nachzudenken, einen Deal zu machen".

Auch Chamenei schloss Verhandlungen mit den USA im Atomstreit kategorisch aus. "Der Iran vertraut den USA nicht", sagte er bei einem Treffen mit Abe in Teheran. "Wir haben mit den Amerikanern bereits die bittere Erfahrung beim Atomabkommen gemacht und wollen diese Erfahrung nicht wiederholen." Trump hatte das Atomabkommen mit dem Iran im vergangenen Jahr einseitig aufgekündigt. Danach traten wieder harte US-Wirtschaftssanktionen gegen den Iran in Kraft.

Die Zwischenfälle geschehen zu einer Zeit, in der die Sorgen vor einem neuen militärischen Konflikt in der Region ohnehin schon stark gewachsen sind. Die USA haben nicht nur das Iran-Atomabkommen einseitig aufgekündigt, sondern zusammen mit ihrem Verbündeten Saudi-Arabien auch den Ton gegenüber dem Iran verschärft. Washington setzt das Land mit Sanktionen unter Druck und entsandte zudem einen Flugzeugträger sowie eine Bomberstaffel in den Nahen Osten.

Der Iran hat in der Vergangenheit bereits gedroht, die Straße von Hormus dicht zu machen - doch "die iranische Regierung weiß, wenn sie das täte, würde das Krieg bedeuten", sagt ZDF-Korrespondent Brase.

Saudi-Arabien verurteilte die Vorfälle. Das Königreich verfolge die Nachrichten über die "Terroroperationen" mit großer Sorge, sagte der saudische Energieminister Chalid al-Falih, wie die staatliche Nachrichtenagentur SPA am Donnerstagabend meldete. Das Land werde die nötigen Maßnahmen ergreifen, um seine Häfen zu schützen. Das Energieministerium in Riad und der saudische Ölriese Aramco hätten ihre Bereitschaft erhöht, um solchen feindlichen Akten zu begegnen.

Region wartet ab

Insgesamt seien die Regierungen der betroffenen Region zurückhaltend, berichtet ZDF-Korrespondent Uli Gack. "Alle geben sich bedeckt." Allerdings sei festzustellen, dass die Huthi-Rebellen im Jemen, die vom Iran massiv unterstützt werden, vermehrt Luftangriffe mit Drohnen gegen saudische Einrichtungen gefahren hätten. In den letzten Tagen habe es in Saudi-Arabien einen Anschlag auf einen Flughafen mit über 20 Verletzten gegeben. "Die Saudis haben heute Vergeltungsangriffe auf den Jemen wiederum geflogen. Die Sache scheint zu eskalieren", so Gack.

"Wenn tatsächlich ein Terror- oder ein Militäranschlag dahinter steckt, dann ist es eine Aktion von Leuten, die zu allem entschlossen sind, die selbst eine große Ölkatastrophe in dieser Region in Kauf nehmen", sagt Gack.

Bundesaußenminister Heiko Maas nannte die mutmaßlichen Attacken außerordentlich beunruhigend. Angriffe auf Handelsschiffe stellten nicht nur eine Bedrohung für offene Handelswege dar. "In der aktuellen Situation sind sie auch eine Bedrohung für den Frieden." Die EU warnte vor übereilten Reaktionen. «Die Region braucht keine weiteren Elemente der Destabilisierung und keine weiteren Spannungen», sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini in Brüssel.

Guterres warnt vor "großer Konfrontation"

Antonio Guterres spricht bei der Generaldebatte der UN- Vollversammlung am 25.09.2018 inNew York (USA)
Antonio Guterres warnt vor Konfrontation.
Quelle: dpa

Russland warnte davor, dem Iran die Verantwortung für den Vorfall zu geben. "Wir beobachten in letzter Zeit eine sich verstärkende Kampagne des politisch-psychologischen und militärischen Drucks auf den Iran", sagte der russische Vize-Außenminister Sergej Rjabkow der Agentur Interfax. Moskau warnte vor voreiligen Schlüssen und davor, die Spannungen in der Region weiter anzuheizen.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres sagte vor dem UN-Sicherheitsrat in New York: "Ich nehme den Vorfall in der Straße von Hormus mit tiefer Besorgnis zur Kenntnis." Es müsse nun festgestellt werden, wer für die Taten verantwortlich sei. "Und wenn es etwas gibt, was die Welt sich nicht leisten kann, ist es eine große Konfrontation in der Golf-Region."

Zwischenfälle mit Handelsschiffen vor vier Wochen

Die Vorfälle erinnern an sehr ähnliche Ereignisse in derselben Region vor vier Wochen. Damals meldeten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), ein Verbündeter Saudi-Arabiens, Sabotageakte in seinen Gewässern gegen vier Handelsschiffe und sprachen von "staatsfeindlichen Operationen". Nach saudischen Angaben wurden zwei Tanker schwer beschädigt. Die genauen Umstände blieben jedoch unklar.

US-Sicherheitsberater John Bolton sprach später von Angriffen mit Seeminen, für die "fast sicher" der Iran verantwortlich sei. Beweise für seine Anschuldigung legte er nicht vor. Die Regierung in Teheran wies den Vorwurf zurück und sprach von "lächerlichen Behauptungen".

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