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Ab heute in Bonn - Zwischenkonferenz der Klima-Retter

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Es ist nur eine Zwischenkonferenz, zu der sich die Klima-Retter in Bonn gerade treffen - doch diesmal werden Weichen gestellt.

Archiv: Eisbrocken brechen vom Perito-Moreno-Gletscher ab, aufgenommen am 10.03.2016 in El Calafate (Argentinien)
Archiv: Eisbrocken brechen vom Perito-Moreno-Gletscher ab, aufgenommen am 10.03.2016 in El Calafate (Argentinien) Quelle: ap

Den Delegierten in Bonn (dem Sitz des UN-Klimasekretariats) liegt eine umfangreiche Textsammlung vor. Sie muss bis zum Donnerstag kommender Woche zusammengestrichen und konkretisiert werden. Dabei geht es nicht nur einfach um Textkürzungen. In jeder Zeile steckt vielmehr klimadiplomatischer Sprengstoff. Wie lassen sich Verpflichtungs-Schlupflöcher schließen, damit kein Land schummeln kann? Wie lassen sich Klimaschutzlasten gerecht verteilen?

"Die schädlichen Auswirkungen des Klimawandels treffen arme Menschen, insbesondere Frauen und Mädchen, täglich härter", sagt der klimapolitische Koordinator für CARE International, Sven Harmeling. "Bei der Bonner Klimakonferenz müssen Regierungen, vor allem aus Ländern mit hohem Emissionsausstoß, alle Optionen prüfen, um die Abkehr von fossilen Brennstoffen zu beschleunigen."

Immerhin sind sich alle einig: Den globalen Temperaturanstieg auf maximal 2, besser 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, das muss das Ziel bleiben, so wie es auf der 21. UN-Klimakonferenz 2015 im Pariser Abkommen festgeschrieben wurde.

Deutschlands Rolle fraglich

Bei alldem ist mittlerweile die Rolle Deutschlands im Klimaschutz fraglich geworden. Nicht bei der Klimadiplomatie, wohl aber in der praktischen Umsetzung. Bis 2020 sollten 40 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen werden als 1990. Mittlerweile gilt dieses Ziel aber als nicht mehr erreichbar.

Derzeit geht der Ausbau der erneuerbaren Energien zurück, ein Ausstieg aus der Kohleverstromung ist nicht in Sicht. Und wie andere Sektoren wie Verkehr, Wärme und Industrie effektiv in die Energiewende einbezogen werden sollen, dazu muss die neue Regierung noch Vorschläge liefern.

Gesucht: Robuste Regeln

Damit das maximale Erwärmungslimit von zwei Grad global eingehalten werden kann, sind vor allem statistische Hausaufgaben zu bewältigen. Denn bisher gibt es keine verbindlichen Regeln, wie eigentlich Treibhausgas-Emissionen erfasst und bewertet werden - obwohl seit 1992 mit der Annahme der UN-Klimarahmenkonvention über Klimaschutz debattiert wird.

"Damit das Pariser Klimaabkommen wirken kann, braucht es robuste Regeln", sagt Rixa Schwarz, Teamleiterin für Internationale Klimapolitik bei Germanwatch. "Das Regelbuch muss Ende des Jahres fertig sein. Das kann nur gelingen, wenn in Bonn die Verhandlungspartner ernsthafter als bislang am Text arbeiten."

Ziel: Mehr Klimaschutz 2020

Die Erstellung dieses verbindlichen Regelbuches ist als Auftrag aus dem Paris-Abkommen hervorgegangen. Es ist vor allem deshalb von großer Bedeutung, weil die bisherigen Klimaschutzanstrengungen nicht ausreichen. "Für die Formulierung verbesserter Klimaziele, die 2020 eingereicht werden sollen, müssen die Länder nächstes Jahr die Regeln kennen." sagt Rixa Schwarz.

Mit robusten Regeln soll unter anderem erreicht werden, dass Klimaschutzbeiträge der einzelnen Staaten vergleichbar sind, Klimafinanzierung nicht mehrfach angerechnet wird und nachvollziehbar ist, welches Land wieviel zu Klimaschutz und Finanzierung beiträgt.

Emissions-Peak schnell erreichen

Bei alldem läuft den Klimarettern immer mehr die Zeit weg. Beispiel: Meeresspiegelanstieg. Eine neue Studie des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung kommt auf einen Anstieg des globalen Meeresspiegels zwischen 0,7 und 1,2 Metern bis zum Jahr 2300, wenn das Pariser Klimaschutzabkommen wie vorgesehen vollständig umgesetzt wird - was kaum anzunehmen ist.

Es zeigt sich, dass gerade die Treibhausgas-Emissionen vor 2050 wichtige Stellschrauben sind. Jede Verzögerung des Emissions-Peaks um fünf Jahre könnte hier eine zusätzliche Erhöhung des Meeresspiegels um 20 Zentimeter bedeuten. Um die Risiken des Meeresspiegelanstiegs zu begrenzen ist es entscheidend, so früh wie möglich den Scheitelpunkt der CO2-Emissionen zu erreichen.

Das wissen auch die Unterhändler in Bonn. Bis zum 10. Mai haben sie Zeit, die nächste richtige, die große 24. UN-Klimakonferenz vorzubereiten. Die findet im kommenden Dezember statt, diesmal im Kattowitz. Das liegt mitten im polnischen Kohlerevier. Hoffentlich kein schlechtes Omen.

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