Sie sind hier:

Zwist beim Grünen Punkt - Erbitterter Kampf um Müll-Millionen

Datum:

Der Grüne Punkt - seit 27 Jahren prangt er auf Verpackungen und garantiert ihre Wiederverwertung. Doch hinter dem gut gemeinten System steckt inzwischen ein Millionen-Geschäft.

Archiv: Ein Berg mit gelben Säcken liegt am 17.02.2016 auf einem Grundstück in Fürstenwalde, Brandenburg, zu Abholung bereit
Quelle: dpa

220 Kilogramm Verpackungsmüll produziert jeder Deutsche pro Jahr. Und auf vielen Nudelverpackungen, Joghurtbechern, Zahncremetuben oder anderen Leichtverpackungen klebt der Grüne Punkt. Er signalisiert dem Verbraucher: Diese Verpackung gehört in den gelben Sack bzw. in die gelbe Tonne. Kreislaufwirtschaft ist das oberste Ziel.

Das heißt also Recycling und Wiederverwertung von Rohstoffen, denn sie stehen nicht unendlich zur Verfügung. Doch die Erfolgsgeschichte des Grünen Punkts ist inzwischen verblasst, die Abfallbranche erscheint mehr und mehr unsortiert. Die Daten des Umweltbundesamtes (UBA) belegen diese Entwicklung. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

Verändertes Konsumverhalten

Trotz Grünem Punkt geht das Aufkommen an Verpackungsmüll nicht erkennbar zurück. Immer mehr Menschen leben alleine, so werden kleinere Portionen statt Großpackungen gekauft. Auch der zunehmende "Außer-Haus-Verzehr", wie etwa der Coffee-to-go, lässt die Verpackungsmüllberge anwachsen.

Dazu kommt der boomende Versandhandel, der die Verpackungsmenge erhöht. Der Trend zu "funktionalen Verpackungen" wie etwas leichteres Dosieren und Wiederverschließen von Getränken benötigen oft mehr Material. So wurde 2015 ein neuer Rekordwert von Verpackungsabfällen erreicht.

Frust und Fehlwürfe

Der Grüne Punkt hat seit 2003 Konkurrenz bekommen. Inzwischen agieren neben dem "Dualen System Deutschland" mit seinem Markenzeichen Grüner Punkt neun weitere Wiederverwertungssysteme. Die Verpackungsverordnung wollte damit einer Monopolstellung mit preisdiktierender Macht entgegenwirken. Die hinzugekommenen Systeme verzichten auf ein entsprechendes Label auf der Verpackung. Das sorgt für Verwirrung beim Verbraucher.

Ohne Wegwerfhilfe, also ohne Label, landen circa 40 Prozent der Verpackungen in der grauen Tonne. Stoppt der Verbraucher die Mülltrennung in den Haushalten und gibt alles in die Restmülltonne, gehen zum Beispiel 1,4 Millionen Tonnen in Plastik gebundene fossile Rohstoffe in die Verbrennung anstatt ins Recycling. Da passt es auch ins Bild, dass die stoffliche Verwertungsquote (Recycling) seit 2003 mit leichten Schwankungen stagniert. Während 2003 70,6 Prozent Verpackungsabfälle recycelt wurden, waren es 2015 nur 69,3 Prozent - so die Zahlen von NABU und Umweltbundesamt.

Feilschen um die Verpackung

Die Wiederverwertung ist ein lukratives Geschäft im dreistelligen Millionenbetrag. Allein 2015 nahm das "Duale System Deutschland" rund 400 Millionen Euro Lizenzgelder ein. Das System basiert darauf, von Hersteller und Handel Lizenzgebühren einzuziehen. Doch inzwischen geben die Hersteller niedrigere Zahlen des anfallenden Verpackungsmaterials an, um die Lizenzgebühren zu senken.

Den entstandenen Minusbetrag lassen sich die Wiederverwertungsunternehmen aber letztendlich vom Verbraucher bezahlen. Der zahlt derzeit rund 13 Euro allein für das Verpackungsmüll-Recycling. Dazu kommen noch die Gebühren für die Entsorgung des Restmülls. Ein Ärgernis, was viele Verbraucher dazu verleitet, die Leichtverpackungen in die Restmülltonne zu werfen, wodurch sich schließlich die Entsorgungspreise des Restmülls erhöhen.

Der Systemfehler verlangt daher eine Kontrollinstanz sowie ein neues Verpackungsgesetz. Das ist im Moment für das Jahr 2019 vorgesehen. Bis dahin wird die Wiederverwertungsbranche weiter gute Gewinne erzielen, dem Verbraucher wird das Recyclingsystem immer unwichtiger und der Grüne Punkt wird seine Bedeutung mehr und mehr verlieren.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.