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20 Jahre nach dem 11. September - Ein Anschlag für Verschwörungsgläubige

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Warum sich der Anschlag aufs World Trade Center so gut für Verschwörungserzählungen eignet, welche Parallelen es zu Corona-Leugnern gibt und warum sich Lügen so lange halten.

Archiv: Die beiden rauchenden Türme des World Trade Centers nach den Anschlägen am 09.11.2001 im New York
Die beiden rauchenden Türme des World Trade Centers
Quelle: AP

Ein kühler Spätsommertag heute vor 20 Jahren. Um 8:46 Uhr kracht eine Boeing 767 in den Nordturm des World Trade Centers. Stahlträger brechen, Glas splittert und tiefschwarzer Qualm wabert durch die Straßen New Yorks. 3.000 Menschen werden an diesem Tag sterben.

Es ist der verheerendste Terroranschlag der modernen Geschichte; geplant und durchgeführt von der Terrororganisation Al-Kaida. Doch bis heute glaubt noch jede*r zweite Amerikaner*in, dass es bei 9/11 nicht so zuging, wie es die Untersuchungsberichte darstellen.

Eine Explosion am World Trade Center in New York, während des Terroranschlags am 11. September 2001.

Nachrichten | Panorama - 9/11: Der Tag vor 20 Jahren in Bildern 

New York, 11. September 2001, 8:46 Uhr Ortszeit: Eine Boeing 767 rast in den Nordturm des World Trade Centers - der Terrorangriff auf die USA beginnt. Der Tag von 9/11 in Bildern.

9/11: Rezept für die perfekte Verschwörungserzählung

Mal sind es vermeintlich geheime Dokumente, neue Videoaufnahmen der Explosion oder selbst ernannte Expert*innen, die eine alternative Erklärung der Ereignisse präsentieren. "Oft können sich Verschwörungstheoretiker nicht darauf einigen, was denn wirklich stimmt, sie wissen nur: So wie es uns erzählt wird, war es nicht", sagt Michael Butter, Professor an der Universität Tübingen, seit Jahren forscht er zu Verschwörungserzählungen.

Kurz nach den Terrorangriffen auf New York und Washington am 11. September 2001 schickten die USA ihren Auslandsgeheimdienst CIA in den "Krieg gegen den Terror".

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44 min
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9/11 nimmt im Kosmos der Verschwörungserzählungen eine besondere Rolle ein, "man kann schon sagen, dass 9/11 für viele der Einstieg in die Welt der Verschwörungserzählung war", sagt Miro Dittrich. Er ist Rechtsextremismusforscher und befasst sich mit Verschwörungsgläubigen.

Der Terroranschlag eigne sich besonders gut für solche Geschichten, denn: "Damit eine Verschwörungserzählung entstehen kann, braucht es erst mal ein Ereignis, von dem viele Menschen mitbekommen und das eine emotionale Reaktion auslöst", sagt Dittrich.

Schema: Einfaches Volk gegen böse Eliten

Dann braucht es die vermeintlich Bösen, die Schuld an dem Ereignis sind. "Es geht da immer um den Kampf zwischen Gut und Böse", sagt Michael Butter. Bei 9/11 sind die Bösen oft die amerikanische Regierung. Und zum Schluss gibt es noch eine Gruppe, die man als die rein unschuldigen Opfer darstellen könne, sagt Butter, "eine Untergruppe davon sind dann die Verschwörungstheoretiker*innen, die meinen verstanden zu haben, was da vor sich geht".

Wer an 9/11-Verschwörungstheorien glaubt, der glaubt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch an Corona-Verschwörungstheorien.
Michael Butter, Experte für Verschwörungstheorien

Spannend ist: Das gleiche Rezept trifft auf fast alle Verschwörungserzählungen zu. Bei Querdenken sind die vermeintlich Bösen wahlweise Bill Gates, Angela Merkel oder Christian Drosten. Die Guten, das einfache Volk, unterdrückt von den bösen Eliten, so die Erzählung.

Eine Explosion am World Trade Center in New York, während des Terroranschlags am 11. September 2001.

Terroranschläge vor 20 Jahren - Biden prüft Freigabe geheimer 9/11-Dokumente 

US-Präsident Biden plant eine Freigabe geheimer Dokumente zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Er gibt damit dem wachsenden Druck von Familien Hinterbliebener nach.

Filterblasen verstärken Verschwörungserzählungen

Ist einmal eine gute Verschwörungserzählung gedichtet, fehlt nur noch das passende Marketing-Konzept. Natürlich braucht es Stimmen und Studien, die die eigene Erzählung belegen: "Ganz typisch sind die vermeintlichen Experten, die dann mit Doktor- oder Prof-Titel ausgeschmückt, sich äußern", sagt Butter.

Und das Internet ist das perfekte Medium. Die Produktion von Videos, Memos und Texten ist günstig und in Millisekunden mit der ganzen Welt teilbar. Wer sich dazu noch in Foren mit anderen Verschwörungsgläubigen aufhält, wird schnell in der Filterblase gefangen und entdeckt so oft immer neue Verschwörungserzählungen.

Der sicherste Indikator dafür, dass jemand an eine Verschwörungstheorie glaubt, ist, dass er auch an andere Verschwörungstheorien glaubt.
Michael Butter, Experte für Verschwörungstheorien

Der Sog der Verschwörungserzählung

Es entsteht ein Strudel, der die Anhänger*innen immer weiter hinein zieht. Das, was eigentlich eine gestrickte Lüge ist, wird gefühlt zur realen Bedrohung. Und das ist das Gefährliche: "Wenn man in diesen apokalyptischen Weltbildern viel Zeit verbringt, dann kommt irgendwann der Punkt, wo man diese kollektiven Wahnvorstellungen auch ausführt", sagt Miro Dittrich. Das heißt: Wer wirklich an eine Verschwörung der Eliten glaubt, der wird sich irgendwann gegen sie auflehnen - zur Not mit Gewalt.

Irgendwie, irgendwo, Verschwörung?

Für Dittrich ist klar, der Sog, der Menschen in Verschwörungsideologie zieht, ist psychologisch zu begründen. Es gehe dabei um eine Rückeroberung von Kontrolle, sagt Dittrich "Menschen haben das Gefühl, dass unkontrollierbare Ereignisse ihr Leben bestimmen - wie bei Corona". Und dann ist es schlicht einfacher, an eine Welt zu glauben, die klar in Gut und Böse geteilt ist.

Es ist der Glaube daran, man habe Geheimnissen entdeckt und man sei damit etwas Besonderes.
Miro Dittrich, Extremismusforscher

Und so bleiben Verschwörungserzählungen angsteinflößend, weil sie so viele Menschen in ihren Strudel ziehen können. Das war bei 9/11 so und ist bei Querdenken nicht anders.

20 Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hat New York der Opfer gedacht. Am Ort des Anschlags versammelten sich Angehörige und Politiker für eine Schweigeminute.

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1 min
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Der aktuelle Stand ist aber hoffnungsvoller, als er auf den ersten Blick scheinen mag. In der Corona-Pandemie hat der Glaube an Verschwörungstheorien nicht zugenommen, "nach der aktuellen Studienlage können wir sogar vermuten, dass weniger Menschen an Verschwörungstheorien glauben als vor der Pandemie", sagt Michael Butter.

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