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Warum "4711" nicht mehr aus Köln kommt

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Deutschlands große Clans - Warum "4711" nicht mehr aus Köln kommt

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"4711 - Echt Kölnisch Wasser" ist zwei Jahrhunderte lang von einer Kölner Unternehmer-Familie vertrieben worden. Dann wurde die Firma verkauft - wegen eines Familiengeheimnisses?

4711 steht für eine wandlungsfähige Duftmarke mit einer Geschichte von über 200 Jahren. In der Wirtschaftswunder-Ära wurde 4711 zu einem Inbegriff von "Made in Germany".

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Die Geschichte des traditionsreichen Unternehmens beginnt vor über 200 Jahren mit einem dreisten Namensklau. Auf der Suche nach einer neuen Geschäftsidee stößt ein gewisser Wilhelm Mülhens aus der Nähe Bonns auf ein edles Duftwasser namens "Farina".

Hergestellt wird es von zwei italienischen Parfümeuren, den Brüdern Farina, in Köln. Später behauptet die Familie Mülhens, ein Kartäusermönch namens Farina habe ihnen diesen Namen zur Nutzung überlassen.

Fakt ist, dass die Mülhens das teure "Eau de Cologne" nachahmen und unter demselben Namen verkaufen. Von "4711" ist da noch lange nicht die Rede.

Wie aus Farina "4711 - Echt Kölnisch Wasser" geworden ist

Die echten Farinas wehren sich und führen mehr als 1.000 Plagiatsprozesse. Es ist eine wahre Prozessflut, die erheblich zur Entstehung des deutschen Markenschutzgesetzes beiträgt.

Deutschlands große Clans: Die 4711-Story
Am Stammhaus in der Glockengasse erinnert ein Glockenspiel an die Legende eines französischen Offiziers, der die Ziffern 4711 an die Hauswand geschrieben haben soll.
Quelle: ZDF und Till Vielrose

Die Mülhens dürfen den Namen Farina für ihr Duftwasser seit 1881 zwar nicht mehr verwenden, doch machen sie aus der Not eine Tugend und nennen ihr Produkt fortan "4711 - Echt Kölnisch Wasser", nach der Hausnummer des Firmensitzes in der Kölner Glockengasse. So können sie sich von anderen Herstellern des "Kölnisch Wasser" unterscheiden.

Die Unternehmerfamilie beherbergte die Staatsgäste der BRD

Von Köln aus erobert das Eau de Cologne aus dem Hause Mülhens den internationalen Markt. Spätestens seit den 1950er-Jahren darf 4711 in keiner Handtasche fehlen, so das Klischee. Es ist der Duft der Wirtschaftswunderjahre.

Deutschlands große Clans: Die 4711-Story
Dieter Streve-Mülhens überreicht 1958 der persischen Kaiserin Soraya Blumen auf dem Petersberg.
Quelle: ZDF und Privatarchiv: Fiona Streve-Mülhens Achenbach

In der Nachkriegszeit sucht und findet die Industriellenfamilie Kontakt zu den Mächtigen der Bundesrepublik. Zu Firmenfesten erscheinen hochrangige Politiker wie Konrad Adenauer und Ludwig Erhard. Das familieneigene Hotel Petersberg im Siebengebirge avanciert zum Gästehaus der Bundesrepublik - mit seinen prominenten Besuchern aus aller Welt.

Ein Lieblingsenkel stellt alles auf den Kopf

Hinter den prachtvollen Kulissen aber gibt es Streit: Wer hat das Sagen im Unternehmen? Über Generationen erben die Kinder zu gleichen Teilen. Dieses Prinzip unterwandert Clan-Chefin Maria Mülhens.

Deutschlands große Clans: Die 4711-Story
Maria Mehl-Mülhens nach dem Sieg ihres Rennpferds.
Quelle: ZDF und Privatarchiv: Fiona Streve-Mülhens Achenbach

Sie will, dass ihr Lieblingsenkel Ferdinand einmal die Firma leitet. Allerdings gibt es noch den Enkel Dieter, der sich übergangen fühlt und später ein Mitspracherecht fordert. Das führt zu Unfrieden und schließlich zum Verkauf des alten Familienunternehmens. Ein Schock auch für die Mitarbeiter.

Der Streit bei der Familie Mülhens hat den Mitarbeitern damals sehr zugesetzt. Für sie ist der Traum zerbrochen, den damals alle hatten, nämlich bis zum Lebensende einen Arbeitsplatz bei 4711 zu haben.
Jürgen Becker, ehemaliger Auszubildender bei 4711

Führt ein Familiengeheimnis zum Verkauf von "4711"?

Bislang war unklar, warum Maria Mülhens mit der Tradition der Gleichverteilung gebrochen hat. Doch mittlerweile hat sich herausgestellt: Es gibt noch einen dritten bisher unbekannten Familienzweig in Südfrankreich, hervorgegangen aus der Liaison eines Mülhens-Erben im Jahre 1933 und neun Jahrzehnte lang totgeschwiegen.

Vermutlich wollte Maria Mülhens verhindern, dass der uneheliche Mülhens-Spross Einfluss auf das Unternehmen nimmt. Die Ironie der Geschichte: Erbansprüche wurden von dieser Seite nie geltend gemacht. Das Beispiel von 4711 zeigt, was Familienunternehmen gewinnen, aber auch verlieren können.

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