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60 Jahre Prozess gegen NS-Täter - Der Staat Israel gegen Adolf Eichmann

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Vor 60 Jahren begann der Prozess gegen NS-"Schreibtischtäter" Adolf Eichmann. Für Israel war das Verfahren überaus wichtig. Es beeinflusst weiter die Wahrnehmung des Holocausts.

Archiv: NS-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann (2.v.l) steht während seiner Vernehmung am ersten Prozesstag vor dem Bezirksgericht in Jerusalem am 11.04.1961
Adolf Eichmann 1961 in Jerusalem vor Gericht.
Quelle: dpa

60 Jahre nach dem Prozessbeginn gegen den NS-Verbrecher Adolf Eichmann in Israel hat das Internationale Auschwitz Komitee die Bedeutung des Verfahrens für die Überlebenden des Massenmords an den europäischen Juden gewürdigt.

Der Prozess sei ein ungeheuer wichtiges Signal gewesen, dass für Nazi-Mörder kein Versteck sicher war, erklärte andiesem Sonntag Exekutiv-Vizepräsident Christoph Heubner.

Wichtigstes Strafverfahren der israelischen Geschichte

Hinter dem Aktenzeichen 40/61 versteckt sich das vielleicht wichtigste Strafverfahren in der Geschichte Israels: der Staat Israel gegen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann. Acht Monate dauerte der Prozess ab dem 11. April 1961 und endete in einem Todesurteil für Eichmann.

Seit dem 24. Dezember 1944 war Eichmann auf der Flucht gewesen. Mit falschen Identitäten, Gelegenheitsjobs und mit Hilfe ranghoher Kirchenvertreter gelangte Eichmann nach nach Argentinien.

Er stand auf der Liste gesuchter Kriegsverbrecher, seit 1956 existierte ein Haftbefehl. Doch es mussten viele Puzzleteile zusammengesetzt werden, bis der israelische Geheimdienst in Buenos Aires zugreifen und Israels Ministerpräsident David Ben Gurion am 23. Mai 1960 die Verhaftung offizielle verkünden konnte.

Israel gedenkt heute der sechs Millionen Jüdinnen und Juden, die im Holocaust ermordet wurden. Zur Erinnerung an die Opfer entzündeten Holocaust-Überlebende Fackeln.

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Mehr als 100 Zeugen sagten im Prozess aus

Im Gefängnis im zentralisraelischen Ramle verbrachte Eichmann seine letzten zwei Lebensjahre unter ständiger Kontrolle mehrerer Wachmänner. Zu groß war die Sorge, dass der Deutsche dem Prozess durch einen Suizid entgehen könnte.

Der israelische Generalstaatsanwalt Gideon Hauser legte in seiner Anklageschrift Eichmann zahlreiche Punkte zur Last: Verbrechen gegen das jüdische Volk, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen sowie Mitgliedschaft in einer verbrecherischen Organisation.

Der Prozessauftakt wurde nicht nur in die Straßen Jerusalems übertragen. 108 Zeugen, Überlebende, Experten, Historiker wurden in den Zeugenstand gerufen, 1.600 Dokumente hinzugezogen. Weltweit berichteten Medien und rückten so das Ausmaß der Verbrechen des Holocaust in den Fokus der internationalen Öffentlichkeit.

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von Alexandra Hawlin

Hannah Arendt beschrieb ihn als Schreibtischtäter

Das Bild Eichmanns und des Prozesses wurde nicht zuletzt durch die deutsch-jüdische Politologin Hannah Arendt deutlich geprägt. In ihren Reportagen beschrieb sie ihn als Schreibtischtäter par excellence.

Das Mittelmaß und die Gedankenlosigkeit des NS-Funktionärs beschäftigten Arendt. Mit ihrer Rede von der "Banalität des Bösen" löste sie eine Kontroverse aus.

Einziges in Israel vollstrecktes Todesurteil

Nach acht Monaten sahen die Richter die Schuld in nahezu allen Anklagepunkten als erwiesen an; Eichmann wurde am 15. Dezember zum Tode verurteilt. Der Angeklagte blieb durch den Prozess hindurch uneinsichtig. Er sei "lediglich Instrument der Führung" gewesen und damit "nicht schuldig".

Am 1. Juni 1962 wurde Eichmann um Mitternacht gehängt. Seine Asche wurde außerhalb israelischer Hoheitsgewässer ins Meer gestreut, um keinen Ort des Gedenkens zu schaffen. Für Israel sollte es der einzige nennenswerte Nazi-Prozess bleiben und das einzige Todesurteil, das je vollstreckt wurde.

Benjamin Netanjahu, Premierminister von Israel, nimmt an einer Kranzniederlegung anlässlich des Holocaust-Gedenktages auf dem Platz des Warschauer Ghettos in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem teil.

Holocaust-Gedenktag in Israel - "Es begann mit Worten" 

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