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75 Jahre Nordrhein-Westfalen - Bevölkerungsreiches Bindestrichland

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Keine große Party in Pandemiezeiten, aber eine Festwoche mit Konzert und Kunst - Nordrhein-Westfalen blickt zum Landesgeburtstag auf die eigene Geschichte.

Nordrhein-Westfalen feiert sein 75-jähriges Bestehen. Am 23.08.1946 hatten die britischen Besatzer das Bundesland aus dem nördlichen Teil der Rheinprovinz und Westfalen zusammengefügt.

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"Ich bin Nordrhein-Westfale", das geht auch 75 Jahre nach Gründung des Bindestrichlandes nicht so locker von den Lippen. Die meisten Menschen verstehen sich als Rheinländer oder Westfälin, das oft einfach "NRW" abgekürzte Bundesland lädt nicht grade ein zur Identifikation. "Ich komme aus Nordrhein-Westfalen", das können aber fast 18 Millionen Menschen sagen - meist lebt man gut und gerne an Rhein und Ruhr, der Bevölkerungsreichtum des Landes spricht für sich.

Als das Land Nordrhein-Westfalen am 23. August 1946 durch eine Verordnung der britischen Militärregierung gegründet wurde, lebten erst knapp zwölf Millionen Menschen dort. Die Briten wollten Bergbau und Stahl an der Ruhr vor den Kommunisten schützen. Also fügten sie das industrielle Revier mit ländlich geprägten Regionen zu einem Verwaltungsgebilde zusammen, zu dem 1947 noch das Land Lippe hinzukam.

Politik konzentrierte sich auf Revier-Rettung

Im Ruhrgebiet malochten damals 450.000 Bergleute und schafften Wirtschaftskraft und Nachkriegswunder. Doch der Aufstieg währte nur kurz, bevor der lange Abstieg in den 60er Jahren begann.

Die Zechen starben, der Stahl kam in die Krise und Nordrhein-Westfalen verlor allein zwischen 1975 und 1985 eine halbe Million Arbeitsplätze. Die Revier-Rettung stand jahrzehntelang im Mittelpunkt nordrhein-westfälischer Landespolitik - auch, weil Großbetriebe und Gewerkschaften gut organisiert waren.

Schalke geht’s nicht gut. Nicht nur beim Fußball. Gelsenkirchen hat sich nie von dem Niedergang von Stahl und Kohle erholt. Doch die Bewohner versuchen durch Engagement ihr Viertel besser zu machen.

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Strukturwandel ist Dauerzustand

Auf die Kohle- und Stahlkrise folgte dann die Energiewende. Strukturwandel ist längst Dauerzustand und Dauerherausforderung im schwerindustriell geprägten NRW. Die Steinkohle ist zwar Geschichte, aber die Braunkohle gibt es noch und trotz Milliardenhilfen aus dem Kohlekompromiss ist die Zukunft vieler Tausend Beschäftigter im rheinischen Braunkohlerevier weiter offen.

Die nordrhein-westfälische Arbeitslosenquote ist die höchste aller westdeutschen Flächenländer, aber das Bild ist differenziert: Während sich im Ruhrgebiet Langzeitarbeitslosigkeit verfestigt, gibt es nahezu Vollbeschäftigung im Siegerland oder Ostwestfalen.

2018 schließt das letzte Steinkohlebergwerk im Revier. Deutschlands größter Ballungsraum an Rhein und Ruhr bleibt trotzdem ein wirtschaftliches Kraftzentrum der Republik. Und verändert sich.

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NRW hat mehr Wirtschaftskraft als die Schweiz

Der Blick auf die Probleme versperrt die Sicht auf die Erfolge, denn Nordrhein-Westfalen ist auch Wirtschaftskraft. Mit fast 700 Milliarden Euro Bruttoinlandsprodukt liegt das Land vor Nationen wie der Schweiz oder Polen. Die Lage im Herzen Europas, die vielen heimlichen Weltmarktführer im Sauerland und eine Hochschullandschaft, die Studierende anzieht - Nordrhein-Westfalen ist attraktiv.

Da ist eine Kulturlandschaft, die ihresgleichen sucht: Ob renommiertes Kunstmuseum oder berühmte Musiker - NRW bietet alles reichlich, von den "Toten Hosen" bis zum Römisch-Germanischen Museum. Und dann sind da noch die Menschen in Nordrhein-Westfalen: Der Kumpel im Revierstadion, der türkische Büdchenbesitzer im Veedel, der joviale Rheinländer im Karneval - sie alle machen das bevölkerungsreiche Bindestrichland lebenswert.

Essen-Altendorf bietet zwei Parallelwelten.

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