ZDFheute

War das der Anfang vom Ende des NS-Regimes?

Sie sind hier:

80 Jahre Luftschlacht um England - War das der Anfang vom Ende des NS-Regimes?

Datum:

"Es ging täglich ums Überleben", so britische Piloten über den Beginn der Luftschlacht. Für Historiker enden damit im Sommer 1940 die deutschen Siegesfantasien.

Zwei Heinkel He-111S während der "Battle of Britain" im Jahre 1940
80 Jahre Luftschlacht um England
Quelle: picture alliance/Mary Evans Picture Library

13. August 1940 - nach Wochen kleinerer Scharmützel ist "Adlertag". Der Versuch der Deutschen, die Lufthoheit über England zu erlangen, so die Invasion vorzubereiten. Um was es ging, hatte der britische Premierminister Winston Churchill schon zuvor klar gemacht. "Die Schlacht um Frankreich ist vorbei. Nun beginnt die Luftschlacht um England. Davon hängt das Überleben der christlichen Zivilisation ab".

In den folgenden Tagen bombardiert die Luftwaffe vor allem Stützpunkte und Radareinrichtungen der Royal Air Force. Mit hohen Verlusten auf beiden Seiten. Doch eine Fehlentscheidung der Deutschen hatte großen Einfluss auf das weitere Kriegsgeschehen, erklärt der britische Historiker Stephen Bungay. "Hätten die Deutschen die Radarabwehr ausgeschaltet, die Stromversorgung zerstört, wir wären blind gewesen. Die Lufthoheit war zum Greifen nah."

Mögliche Friedensverhandlungen, kein Zwei-Fronten-Krieg, all das wäre möglich gewesen. "Doch England kann weiterkämpfen, und jedem fähigen Militär war klar, dass Deutschland einen Zwei-Fronten-Krieg zumindest nicht gewinnen konnte", so Bungay.

Aus Sicht des Wehrmacht-Offiziers Gerd von Rundstedt war die Luftschlacht um England entscheidend für den Zweiten Weltkrieg. Dazu der Historiker Stephen Bungay.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Für eine Wirtschaftsblockade hatte Hitler keine Geduld

Andere Arten, um Churchill in die Knie zu zwingen, etwa eine Wirtschaftsblockade, dafür hatte Hitler keine Geduld. Denn er wollte die Sowjetunion schnell angreifen. Die britische Luftabwehr war bis Anfang 1940 mit Millionen Pfund aufgerüstet worden. Denn bedrohen kann man die Seemacht nur aus der Luft.

Durch die vergebene Chance des NS-Regimes waren die Briten im Vorteil: Sie konnten sehen, wann die Deutschen kommen, wo sie sind. "Es fehlte der Plan für den Krieg mit Großbritannien. Diese Halbherzigkeit begann bei Hitler, der die Invasion nicht wollte, lieber einen Friedensschluss. Und endete bei den Generälen, die nie wussten, was das Ziel der Luftangriffe sein soll", so Stephen Bungay.

These vom "britischen David gegen deutschen Goliath" revidiert

Die kriegsentscheidenden "Helden" - die Fliegerbesatzungen. Die hohen Verluste, das Wissen, jeder Flug kann der Letzte sein. "Wir hatten keine Angst, wir hatten alle Hände voll zu tun", erzählt Air Force-Pilot Brian Considine 80 Jahre danach.

Nur der kalte Schweiß erinnerte uns im Einsatz daran, dass der Körper Angst hat. Aber der Kopf kann das ausblenden.
Brian Considine

Fast schlimmer sei das Warten gewesen, so der damals 20-Jährige, der im Frühjahr 1940 zum Piloten ausgebildet wird. "Wir wussten, die Invasion wird kommen, und wir standen mit dem Rücken zur Wand."

Dabei ist die These vom deutschen Goliath, der vom britischen David aufgehalten wird, mittlerweile in der allgemeinen Geschichtsschreibung revidiert. "Anfangs hatten die Deutschen eine Materialüberlegenheit, aber die Briten konnten doppelt so viele Maschinen produzieren. Das Verhältnis drehte sich schnell", so Historiker Bungay. "Was nicht schmälern soll, was für Taten diese jungen Burschen vollbrachten."

Ihre Eltern blieben zurück, doch sie wurden gerettet: 10.000 jüdische Kinder entkamen vor Kriegsbeginn aus Deutschland nach England und entgingen so dem Holocaust.

Beitragslänge:
44 min
Datum:

Ungesundes Selbstverständnis der Briten?

Diese würden sich selbst nie als Helden bezeichnen, so der heute 98-jährige Mechaniker Stan Hartil. "Wir haben alles getan, um unser Land zu beschützen. Die Moral war überragend, nie hat sich jemand beschwert."

Wertevorstellungen unterscheiden sich je nach Generation. Es sei den Menschen früher „peinlich“ gewesen, als Helden bezeichnet zu werden.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

"Noch nie in der Geschichte menschlicher Konflikte haben so viele so wenigen so viel zu verdanken", erklärt Premier Churchill am 20. August 1940 im Parlament. Eine deutsche Invasion scheint abgewendet. Dass der Krieg sich gewendet haben könnte, damals ein Gedanke, weit weg.

Vieles mehr, was diesen Krieg angeht, die Stilisierung der Luftschlacht zum Mythos etwa, kam alles erst danach.
Stephen Bungay

Das daraus erwachsene Selbstverständnis der Briten heute, inklusive den Brexit, hält Historiker Bungay für ungesund. Das dürfte andere Historiker dann die nächsten 80 Jahre beschäftigen.

Der ehemalige Premierminister Großbritanniens Winston Churchill schürte laut Bungay "ungesunde Mythen" um den Krieg. Während des Brexits kommen diese wieder hoch.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Andreas Stamm ist Korrespondent im ZDF-Studio London.

Quelle: Mit Material des Royal Air Force Benevolent Fund

Vor 75 Jahren trafen sich Churchill, Stalin und Truman auf der Potsdamer Konferenz um über Deutschlands politische Zukunft zu beraten. Mit dabei: Joy Hunter, Churchills Sekretärin.

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.