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Medizinstudium mit Klebeeffekt?

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Angebote gegen Ärztemangel - Medizinstudium mit Klebeeffekt?

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Deutschland braucht mehr Ärzte. Doch Medizin-Studienplätze sind ebenso begehrt wie rar. In Bielefeld und Potsdam entstehen neue Angebote - mit anderem Fokus.

Archiv: Studenten der Human- und Zahnmedizin hören im historischen Hörsaal am Institut für Anatomie der Universität in Leipzig eine Vorlesung zu Neuroanatomie am 18.10.2012
Viel Theorie, wenig Praxis in den ersten Medizin-Semestern.
Quelle: dpa

In Bielefeld kommen auf 100.000 Einwohner 58 Hausärzte - damit gehört die Stadt in der Region Ostwestfalen-Lippe (OWL) bundesweit zu den Schlusslichtern bei der Ärzteversorgung.

Mehr Nähe zum Patienten von Anfang an

Mit dem neuen Modellstudiengang Humanmedizin an der Universität Bielefeld mit zunächst 60 Plätzen ab dem Wintersemester 2021/22 will Nordrhein-Westfalen die Lage verbessern. Vor allem ländliche Regionen sollen für Ärzte attraktiver werden. Gründungsdekanin Claudia Hornberg betont:

Das Land und die Universität erhoffen sich einen Klebeeffekt.
Gründungsdekanin Claudia Hornberg

Der Modellstudiengang legt - ganz im Sinne des Masterplans Medizinstudium 2020 der Bundesregierung - Wert auf eine praxisnahe Ausbildung. Dabei sollen die Studierenden von Anfang an Erfahrungen im Umgang mit Patienten sammeln und nicht wie bislang vor allem die theoretischen Grundlagen pauken.

Ein Schwerpunkt des Studiengangs liege zudem auf der ambulanten Medizin, die stärker als bisher üblich in die Lehre eingebunden werden soll, betont Hornberg. Dahinter steckt die Hoffnung, dass die Zahl der Hausärzte in der Region steigt.

Ärztetag fordert deutlich mehr Studienplätze

Um die Ärzteversorgung in Zukunft zu sichern, fordert der Deutsche Ärztetag eine Erhöhung der Medizinstudienplätze um mindestens zehn Prozent.

  • Im WS 2018/2019 waren in Deutschland insgesamt 96.115 Studierende im Fach Humanmedizin an 36 staatlichen und vier privaten Hochschulen eingeschrieben.
  • Im WS 2019/20 gab es knapp 41.800 Bewerber auf etwa 9.500 Medizin-Studienplätze.

Motivation wichtiger als Abi-Note

Auch private Hochschulen haben den Markt erkannt und bieten Alternativen an, wie zum Beispiel die Health and Medical University (HMU) in Potsdam. Um hier eine Chance auf einen Studienplatz zu haben, muss man nicht zu den Jahrgangsbesten gehören. HMU-Gründerin Ilona Renken-Olthoff betont:

Wir beurteilen die Bewerber nicht nach ihren Abiturnoten, sondern nach ihrer Motivation und ihrer Persönlichkeit.
Ilona Renken-Olthoff, HMU

Die jüngsten Bewerber für die 120 Studienplätze im WS 2020/21 sind 17 Jahre alt, die Ältesten Mitte 30. "Die Älteren erzählen von demütigenden Erfahrungen und haben ihren Studienwunsch trotzdem weiter verfolgt", sagt Renken-Olthoff.

Die HMU in Potsdam ist bereits die zweite private Hochschule, die sie im Bereich Medizin und Gesundheit gegründet hat. Mit allen Vorbereitungen dauerte das Konzeptprüfungsverfahren acht Jahre, bevor auch die Medical School Hamburg (MSH) im April 2019 die staatliche Anerkennung für den Studiengang Humanmedizin erhielt. Im November 2019 gab Brandenburg grünes Licht für die HMU.

Gekauftes Medizinstudium?

Da der Studiengang staatlich anerkannt, aber nicht gefördert ist, zahlen die Studierenden eine Gebühr von 1.500 Euro pro Monat. "Wir hören oft den Vorwurf, dass reiche Eltern ihren Kindern das Medizinstudium kaufen", ärgert sich Renken-Olthoff. "Aber unsere Erfahrungen in Hamburg zeigen, dass etwa 80 Prozent der Studierenden einen Kredit aufnehmen und neben dem Studium arbeiten." Sie gehen diese hohe Belastung auch ein, weil sie wissen, dass sie nach dem Studienabschluss auf dem Arbeitsmarkt gebraucht werden.

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