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Interview

Infektiologe zu Affenpockenvirus : "Gehen nicht von einer zweiten Pandemie aus"

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Clemens Wendtner behandelt den ersten Affenpockenvirus-Infizierten in Deutschland. Im ZDF-Interview spricht er über den Gesundheitszustand und die Frage einer zweiten Pandemie.

Professor Wendtner behandelt in der München Klinik Schwabing den ersten Affenpocken-Fall in Deutschland. Im ZDF spricht er über die Wahrscheinlichkeit einer Pandemie.

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1 min
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Bei dem ersten in Deutschland nachgewiesenen Fall von Affenpocken leidet der Patient an der milderen westafrikanischen der zwei bekannten Virusvarianten. Das teilte das bayerische Gesundheitsministerium am Samstag mit.

Der aus Brasilien stammende Münchner Patient ist laut Robert-Koch-Institut der erste Affenpocken-Fall in Deutschland. Der 26 Jahre alte Mann hatte sich selbstständig zur medizinischen Untersuchung begeben. Er wird im Schwabinger Klinikum in München in einem isolierten Zimmer behandelt. Der Mann wurde am Freitagmorgen aufgenommen.

Professor Clemens Wendtner behandelt den Infizierten. Im ZDF-Interview spricht der Infektiologe über den Gesundheitszustand des Patienten, den möglichen Ort der Ansteckung und über die Frage einer möglichen zweiten Pandemie.

ZDF: Waren Sie auf einen solchen Fall vorbereitet?

Clemens Wendtner: Es war kein Schock, als wir die Nachricht gehört hatten. Es war nur eine Frage der Zeit, wann der erste Patient nach Deutschland kommt und dass er wieder nach Bayern kommt. Ähnlich wie der erste Corona-Patient ist das der Tatsache geschuldet, dass wir ein sogenanntes STAKOB-Zentrum sind, also ein Zentrum, was gerade für Infektionserkrankungen spezialisiert ist.

ZDF: In welchem Zustand ist der Patient und wie wird er jetzt behandelt?

Wendtner: Aus klinischer Sicht kann ich sagen, dem Patienten geht es sehr gut. Er hat derzeit keine wesentlichen Krankheitssymptome. Zu Beginn der Erkrankung hatte er Fieber. Er hat die typischen, sag ich mal, Pusteln auf der Haut, wie wir das von Affenpocken kennen, aber er ist in keinem bedrohlichen Zustand. Der Patient wird symptomatisch behandelt. Er wird primär isoliert. Das ist sozusagen unsere Hauptaufgabe.

Es gibt prinzipiell auch eine spezifische Medikation für eine Affenpockenvirus-Erkrankung und diese Medikation ist bereits unterwegs. Aber wir gehen davon aus, dass unser Patient diese nicht benötigt.
Clemens Wendtner, Infektiologe

Es gibt bereits 70 Fälle der Viruserkrankung in Europa. Laut Virologen ist die Ansteckungsgefahr jedoch gering und eine frühere Pockenimpfung schützt vor dem Virus.

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ZDF: Was weiß man darüber, wo er sich infiziert hat?

Wendtner: Wir können sagen, dass unser Patient keinen direkten Kontakt nach Afrika hatte. Also weder nach Zentralafrika noch nach Westafrika. Wir gehen davon aus, dass der Patient sich auf dem europäischen Festland infiziert hat.

ZDF: Wie infektiös ist das Virus?

Wendtner: Man muss ganz klar sagen, Affenpocken sind nicht so infektiös wie die klassischen Pocken. Der Infektionsweg läuft über einen direkten körperlichen Kontakt. Es ist darüber hinaus auch davon auszugehen, dass auch Tröpfcheninfektionen eine Rolle spielen können.

Aber es ist kein Virus, das quasi über die Luft übertragen wird, also nicht im engeren Sinne aerogen übertragen wird.
Clemens Wendtner, Infektiologe
FAQ

Weitere Fälle erwartet - Affenpocken: Was wir über das Virus wissen 

Aktuell gibt es einige bestätigte Infektions- und Erkrankungsfälle in Deutschland. Doch das Bundesgesundheitsministerium erwartet weitere Affenpocken-Fälle. Was wir bisher wissen.

ZDF: Wie schätzen Sie das ein: Folgen jetzt viele weitere mit Affenpocken infizierte Menschen?

Wendtner: Man muss fairerweise sagen, dass wir von weiteren Infektionen ausgehen, aber dass jetzt hier keine Sorgen entstehen.

Wir gehen nicht von einer zweiten Pandemie aus. Also das ist, wenn, ein eher begrenztes Infektionsgeschehen.
Clemens Wendtner, Infektiologe

Und natürlich werden sich auch weitere Menschen infiziert haben. Wir gehen davon aus, dass in Europa stille Infektionen derzeit laufen. Aber wir hoffen, dass wir das mit einer guten Isolationsstrategie und Contact-Tracing eindämmen können, das wir wirklich bei Corona auch gelernt haben.

Natürlich stimmen wir uns sehr, sehr eng mit den Infektionsbehörden in Deutschland, aber auch in Europa ab und werden das Ganze weiter sehr engmaschig monitoren.

ZDF: Wie erkennt man eine Infektion mit dem Virus?

Wendtner: Es beginnt relativ unspektakulär. Die initialen Symptome sind Fieber, zum Teil hohes Fieber, Kopfschmerzen. Es können auch Lymphknotenschwellungen auftreten, insbesondere im Halsbereich. Erst wenige Tage später kommen diese Pusteln, diese Pocken, und das ist auch das Stadium, wo diese Patienten infektiös werden. Also über die Pocken kann auch die Viruserkrankung übertragen werden.

Das Interview führte Sibylle Bassler, Reporterin im ZDF-Studio München.

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