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Afghanische Reporterin in Kabul - "Selbstmord wäre auch keine Lösung"

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Kämpfen, weglaufen oder Selbstmord: Mehr bleibt Zahra Nabi als Frau in Afghanistan nicht mehr übrig. Sie will bleiben – um jeden Preis.

Zahra Nabi, Journalistin in Afghanistan
Zahra Nabi setzt sich als Journalistin unter den Taliban für Frauenrechte ein.
Quelle: ZDF

Zahra Nabi ist Journalistin, setzt sich für Frauenrechte ein und stellt unangenehme Fragen. Damit verkörpert sie das Feindbild der Taliban. Elf Jahre lang hat sie sich für ihr Land eingesetzt und ist nicht bereit, all das Erreichte aufzugeben. Sie lebt lieber in Lebensgefahr in Afghanistan, als gar nicht mehr in dem Land zu sein.

Mit Burka versteckt berichten

Die Journalistin arbeitet für den afghanischen Frauensender Bann TV. Jetzt ist der Sender geschlossen, von den 50 Mitarbeiterinnen ist nur noch sie übriggeblieben. Meistens muss sie ihrer Arbeit undercover nachgehen. Sie zieht sich eine Burka an, reist in Provinzen und sammelt heimlich Berichte von den Menschen, die ihr erzählen, wie verzweifelt sie sind. Sie verlieren ihre Jobs, ihr Zuhause, haben weder Geld noch genug Essen.

Sehen Sie im Video, wie sich Zahra Nabi in ihrem Heimatland für Frauen einsetzt:

Zahra Nabi setzt sich als Journalistin unter den Taliban für Frauenrechte ein - Lebensgefahr gehört zu ihrem Alltag. Dem moderateren Auftreten der Islamisten traut sie nicht.

Beitragslänge:
2 min
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Wenn sie sich nicht bedeckt hält, wird sie offen angegriffen: "Sie lachen mich aus und witzeln: 'Oh, sie ist Reporterin. Ach komm, geh nach Hause. Du darfst nicht hier sein.’ Andere sagen: 'Wenn du nicht aufhörst, zerstören wir deine Kamera.'"

Als einzige Frau auf Taliban-Pressekonferenz

All das hält Nabi nicht davon ab, weiterzumachen - sie besucht sogar Pressekonferenzen der Taliban. Dabei werden sämtliche Details verkündet, wie die Taliban-Regierung das tägliche Leben der Menschen organisieren wollen. Eine Personengruppe wird dabei jedoch ausgelassen.

Umgeben von Männern erhebt Nabi ihre Stimme - als einzige anwesende Frau:

Also fragte ich: 'Warum haben Sie nicht über Frauen gesprochen? Was ist Ihr Plan für die Frauen? Glauben Sie, dass Frauen keine Menschen sind, dass sie nicht zu diesem Land gehören?'
Zahra Nabi, Journalistin in Kabul

"Er sagte: 'Sie müssen noch warten.' Sogar über Strom oder Lebensmittel wird geredet, aber nicht über Frauen."

Nabi glaubt nicht an moderate Islamisten

In den vergangenen Tagen häuften sich die Bilder, wie brutal die Taliban gegen Afghan*innen vorgehen. Wer sich nicht an die Regeln hält, bekommt die Macht der Islamisten zu spüren.

Die 34-Jährige ist davon überzeugt, dass die Taliban genauso gefährlich sind wie früher. An moderatere Islamisten glaubt sie nicht. "Sie sagen: 'Solange ihr auf uns hört, was immer wir euch als Gesetz geben, was immer wir von euch verlangen, ist es in Ordnung. Aber wenn ihr euch gegen uns stellen wollt, werden wir euch das Leben schwer machen.'"

"Alle, die Geld haben, hauen ab"

Gleichzeitig glaubt die Journalistin auch an die Macht des Volkes. Die Taliban könnten nicht einfach so die Zeit zurückdrehen: "Wenn die Menschen hungrig sind, gehen sie jetzt auf die Straße. Wenn Menschen ihre Freiheit wieder haben wollen und Frauen ihre Rechte, dann gehen sie auf die Straße."

Doch sie würden nur dann etwas erreichen können, wenn sie zusammenhalten. Deswegen dürften nicht alle das Land verlassen, vor allem nicht diejenigen, die Einfluss haben. Aber genau das ist Nabis Befürchtung:

Diejenigen, die Geld haben, hauen ab. Nur arme und schwache Menschen bleiben zurück. Natürlich werden sie irgendwann akzeptieren, was in dem Land abgeht. Und genau das ist so gefährlich.
Zahra Nabi, Journalistin in Kabul

Nicht nur Afghan*innen sollten im Land bleiben, auch internationale Hilfsorganisationen. Dass die Truppen so plötzlich und chaotisch abgezogen waren, habe die Bevölkerung überrascht und unvorbereitet getroffen.

Aber wenn sie nun auch noch von NGOs im Stich gelassen würden, könnte das die Hoffnungslosigkeit im Land dramatisch vorantreiben: "Jeden Tag sagen sie: 'Wir stehen den Armen und Schwachen zur Seite.' Aber wenn es wirklich darauf ankommt, haut jeder ab. Die internationale Gemeinschaft haut ab. Hilfsorganisationen hauen ab. Die Vereinten Nationen hauen ab. Also hört auf zu behaupten, dass ihr den Menschen helft, wenn ihr doch nur abhaut."

Seit der Machtübernahme der radikal-islamischen Taliban trauen sich viele Frauen in Afghanistan nicht mehr auf die Straße, dürfen nicht mehr arbeiten gehen. Sie bangen um die Rechte, die sie sich in den letzten Jahren erkämpft haben.

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Selbstmord ist keine Option

Die Journalistin studierte im Irak und in Pakistan, kam vor elf Jahren zurück in ihr Heimatland - mit dem Wunsch, dort bleiben zu können: "Jetzt habe ich zwei Möglichkeiten: Entweder ich bleibe in diesem Land und kämpfe für meine Rechte, ich kämpfe für das, was ich erreicht habe oder ich muss das Land verlassen."

Natürlich habe sie Angst. In Afghanistan würde man schon mit Angst auf die Welt kommen. Aber die Hoffnung ist größer als die Angst.

Deshalb habe ich mich für diesen Weg entschieden. Ich habe keine anderen Möglichkeiten. Außer mich umzubringen, aber das ist ja auch keine Lösung.
Zahra Nabi, Journalistin

  

Trümmer nach einem Autobombenanschlag in Afghanistan.

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