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Ein Jahr nach Taliban-Übernahme : Verarmt, aber sicher: So geht es Afghanistan

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Seit einem Jahr haben die Taliban einen Gottesstaat in Afghanistan errichtet. Hunger und Angst nehmen zu, Menschen fliehen. Die Sicherheitslage hat sich dagegen verbessert.

Ein Jahr nach der Machtübernahme durch die Taliban ist Afghanistan wirtschaftlich am Boden, Millionen von Menschen leiden an Armut und Hunger, Frauen werden unterdrückt. Wie lebt das Volk unter der neuen Führung?

Beitragslänge:
28 min
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Die 17-jährige Sakiina erinnert sich genau an den Tag, der ihr Leben veränderte. "Ich war eine gute Schülerin und hatte geplant, Architektin zu werden, denn es gefällt mir, etwas zu erschaffen." Als die Taliban in Kabul die Macht ergriffen, war schnell klar, nichts von dem, was sie sich erträumt hatte, würde sie erreichen können. Ein Jahr ist das jetzt her.

Letzte Chance auf Bildung: heimlich lernen

Sakiina musste die Schule, die sie so liebte, verlassen, nur noch bis zur sechsten Klasse dürfen Mädchen am Unterricht teilnehmen. Doch das wollte sie nicht hinnehmen und gründete eine geheime Untergrundschule, in der sie nun jeden Tag über 50 Jungen und Mädchen in Englisch unterrichtet.

"Ich will unser Land nicht so sehen, unsere Väter haben keine Arbeit, die Situation ist schwierig für uns. Aber ich werde nicht aufgeben, ich werde mich weiter bilden." Vor ihr, auf dem Boden eines langgezogenen Raumes, sitzen wissbegierige Kinder und Jugendliche: Sie alle stammen aus liberalen Familien, die Trauer um den Verlust der Freiheit und ihrer Rechte spüren sie hier alle: Jungen wie Mädchen. Einige brechen während unseres Gesprächs in Tränen aus, so auch Schülerin Zahra:

Sie erlauben Jungen bis zur zwölften Klasse, die Schule zu besuchen. Warum dürfen wir unsere Schule nicht fertig machen? Was ist der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen? Sind wir nicht würdig dafür?
Schülerin Zahra

Ein seltsamer Frieden ist mit den Taliban eingekehrt

Im Dorf Husayn Kehl sind die Gefühle gemischt. Jahrelang haben sie hier in Angst vor den ständigen Terroranschlägen gelebt, das Dorf am südlichen Rand von Kabul galt als eines der gefährlichsten im Umland der Hauptstadt. "Die Lage ist gut, alle Menschen fühlen die Sicherheit und den Frieden", erzählt Mawlawi Shokrullah, der Mullah des Dorfes.

"Und seitdem die Taliban an die Macht gekommen sind, erleben wir keine Diebstähle mehr und auch keine Korruption." Es ist ein seltsamer Frieden, der eingekehrt ist, seitdem die, die den Terror verübt haben, selbst die Macht übernommen haben.

Im Interview spricht der ehemalige Präsident Afghanistans, Hamid Karsai, über das Leben unter den Taliban, seine Hoffnungen für ein friedliches Afghanistan und zieht Parallelen zum Krieg in der Ukraine.

Beitragslänge:
17 min
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"Was nutzt uns Sicherheit, wenn wir hungern?"

Abdul Majid, der bereits im Dorf aufwuchs und heute mit seiner Frau und Kindern in einem kleinen Lehmhaus lebt, fragt: "Was nutzt uns Sicherheit, wenn wir hungern?" Als Tagelöhner verdient er ab und zu mal ein paar Euro, doch meist reicht es gerade, um die Miete von 30 Euro im Monat zu bezahlen und etwas Brot zu kaufen.

Die Hoffnung darauf, dass es die Kinder einmal besser haben könnten, ist nun auch zunichte gemacht. Denn er hat sieben Töchter, keinen Sohn und für Mädchen sind die Chancen auf ein gutes Leben noch geringer. "Alle Eltern möchten eine gute Ausbildung für ihre Kinder, die ihnen den Weg für einen besseren Lebensstandard ebnet. Ich möchte, dass unsere Töchter Zugang zu Bildung haben", sagt die 33-jährige Mutter Nuriya.

Das neue (alte) Gesicht der Taliban in Afghanistan

Alle Versprechungen auf eine bessere Zukunft, alle Hoffnungen darauf, dass sich die neuen Taliban von den alten unterscheiden würden, die von 1996 bis 2001 das Land regierten, haben sich bisher als Wunschdenken erwiesen. Statt sich um den Aufbau der Wirtschaft zu kümmern, war eine der ersten Maßnahmen der neuen Machthaber, das Frauenministerium durch ein Tugendministerium zu ersetzten, dessen Moralpolizei peinlich genau darauf achtet, dass Männer ihre Bärte nicht zu sehr stutzen und Frauen von Kopf bis Fuß verschleiert sind. Dabei geben sich die Taliban westlichen Journalisten und Journalistinnen gegenüber durchaus offen, kommunizieren über Twitter und nutzen Smartphones.

Ich gestehe ein, die Bildung dieses neuen Regimes bedeutet eine monumentale Veränderung.
Bilal Karimi, Sprecher der Taliban

"Jedes Land hat seine eigenen Werte, seine eigene Kultur", sagt Karimi. "Afghanistan ist ein riesiges Land. Alle Entscheidungen müssen vom Volk selbst getroffen werden."

Wie ernst Karimi die Offenheit und Wahrung von Rechten ist, zeigt sich bereits vor Beginn des Interviews mit dem ZDF. Mit einer Frau, also mit mir, so der Sprecher der Taliban, wolle er nicht zusammen in einem Bild zu sehen sein.  

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